ddp übernimmt AP Deutschland

Der Nachrichtenagentur dpa erwächst ein starker Konkurrent: Wie die "SZ" berichtet, wurde am Montag die Übernahme der deutschen Sparte von Associated Press (AP) durch den Deutschen Depeschendienst (ddp) notariell beurkundet. Die ddp-Eigner Peter Löw und Martin Vorderwülbecke sollen dafür einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" gezahlt haben. "Mit dem AP-Deal stärkt ddp sein schwaches Auslandsprofil", anlysiert "HNA"-Chefredakteur Horst Seidenfaden gegenüber MEEDIA die Übernahme.

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Die "Süddeutsche" zitiert Löw: "Unsere Strategie ist es, dpa verzichtbar zu machen." Mit 110 deutschen AP-Journalisten, die weitgehend übernommen werden sollen, und 140 ddp-Mitarbeitern würde redaktionell und wirtschaftlich ein ernster Rivale für den kriselnden Marktührer dpa entstehen.
Zum Deal gehört nach dem Bericht auch das Recht, den internationalen AP-Dienst aus 250 Büros in aller Welt zu nutzen. Die Eigner der fusionierten Agentur sind an etlichen Unternehmen in verschiedenen Branchen beteiligt, betonen aber, sie hätten keinen Weiterverkauf im Sinn.
Die Stärken und Schwächen von dpa und ddp sind für Seidenfaden klar verteilt: "Die dpa ist umfassender und schneller, ddp hat die besseren Texte und Bilder." Mit seiner "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" arbeitete der Chefredakteur bereits einige Wochen testweise ohne die Deutsche Presse-Agentur.
Die dpa, die den großen deutschen Verlagen gemeinsam gehört, leidet in der allgemeinen Medienkrise mit: Diverse Lokal- und Regionalzeitungen haben den Dienst gekündigt, zuletzt schloss sich der Berliner "Tagesspiegel" an, und ein Schwergewicht wie die Ippen-Gruppe hat unter großem Aufsehen der Branche  mit dem Verzicht auf Agentur experimentiert. Die günstigeren Konkurrenten – neben ddp und AP noch AFP – konnten bislang aber kein umfassendes Angebot liefern, das den Output von 450 dpa-Journalisten gleichwertig ersetzen könnte. Auch die fusionierte ddp/AP wird sich gut überlegen, ob sie zum Beispiel in eine konkurrenzfähige Sportredaktion investieren will.

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