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Web-Erlöse: Verlage geben Google Kontra

Schmidt in der Kritik: Im "Wall Street Journal" schrieb der Google-CEO einen Text über die Zukunft der Verlage. Schmidts These ist, dass die Medienhäuser nur im mobilen Web und erst ab 2015 nennenswerte Umsätze mit ihrem Content erzielen werden. MEEDIA hat bei den großen deutschen Verlagen nachgefragt, ob der US-Amerikaner recht hat. Die Antworten von Christoph Keese (Springer), Andreas Schoo (Bauer), Patrick Fischer (Burda) oder Claus-Peter Schrack (Gruner + Jahr) sind eindeutig: Eric Schmidt liegt falsch.

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Hat Eric Schmidt recht? Können die Verlage online wirklich nur im mobilen Web mehr als "lousy pennies" verdienen?

Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG:
"Die These ist genauso stichhaltig wie die Behauptung, Telefonfirmen könnten Geld nur mobil verdienen, nicht im Festnetz, oder Fernsehen lohne sich nur terrestrisch, nicht im Kabel. Auf den Tafeln mit den Zehn Geboten stand diese Regel jedenfalls nicht. Dem Leser und Kunden ist es ganz gleich, ob ein Kabel in sein Gerät hineinführt oder nicht. Er zahlt, wenn sein Nutzen über dem Preis liegt. Ist das nicht der Fall, zahlt er eben nicht. Eines aber ist unbestreitbar: Google profitiert davon, solche vermeintlichen Naturgesetze im Gespräch zu halten. Je mehr Leute die Legende glauben, desto weniger hinterfragen sie. Cui bono? Die Legende nutzt vor allem jenen Firmen, die Milliarden mit dem kostenlosen Abgreifen und Vermarkten fremder Inhalte verdienen, also vor allem Google. Es ist Zeit für Kritik an den Dogmen der ersten 20 Jahre World Wide Web."

Andreas Schoo, Geschäftsführer der Bauer Media Group:
"Die Chancen sind hervorragend. Wir erwarten mit großer Spannung den Start der ersten Tablets von Apple und HP."

Claus-Peter Schrack, Leiter G+J-Unternehmenskommunikation:
"Nein, wir sind uns sicher, dass wir mit der Cross-Channel-Strategie unserer Sites schon deutlich früher relevante Umsätze generieren werden. Dabei werden das Zusammenspiel unserer Produkte in den verschiedenen digitalen Kanälen und die konsequente Nutzung aller relevanten Erlösmodelle die wesentlichen Treiber sein."


Patrick Fischer, Director Innovation der Burda Style Group:
"Eric Schmidt hat damit nicht recht. Die Kunst besteht darin, das Internet nicht als Abspielstation für Bilder und Texte zu verstehen, sondern daneben in neuen kompetenznahen Geschäftsfeldern zu investieren und zu wachsen. Wer als Verlag auf Effizienz, Synergie und Kooperation setzt, hat gute Chancen.
Verlage müssen noch stärker als in der Vergangenheit ihre Marken pflegen und gewinnbringend einsetzen. Wer allerdings keine Marke hat, wird auch im Web nicht viel Geld verdienen."

Oliver Greune, Leiter Businness Development Online bei der Motor Presse Stuttgart
"Wenn Eric Schmidt ankündigt, dass Verlage erst ab 2015 im Netz Geld verdienen, kann man ihm schon heute getrost zurufen, dass dies schon jetzt der Fall ist. Für uns stellt sich neben der Vernetzung unserer Marken auf allen Kanälen (Print, TV, Online, Events, Mobile) selbstverständlich auch die Frage nach mobilen Inhalten und Applikationen, die dem Nutzer so viel wert sind, dass wir sie kostenpflichtig anbieten können. Aktuelle Nachrichten oder kostenpflichtige Testberichte werden dies unserer Meinung allerdings nicht sein. Ein digitaler Coach zum Abnehmen bspw. für unsere Marke Men´s Health oder intelligente Radarwarner für unsere Autotitel schon eher. Wir werden sehen – und das nicht erst ab 2015!"

Jonas Schmieder, Head of Digital Business, Marketing & Public Relations von Klambt
"Nein, bestimmt nicht! Allein an der ständigen Debatte um den richtigen medialen Weg, den möglichen Zeitpunkt oder die Einschätzung von Revenues sieht man, dass die Konzentration des Geschehens auf einem falschen Ansatz beruht. Die Idee ist das Konzept. Wer heute ein Web-Geschäftsmodel hat, kann Morgen damit Geld verdienen, ob im klassischen oder mobilen Internet.
Sicherlich ist das mobile Web die Zukunft, da es praktikabel ist und noch viel praktikabler werden wird. Der Erfolg eines Geschäftsmodels hängt jedoch an anderen Faktoren…"

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