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Verlage planen Plattform für Bezahlinhalte

Verlagsvorstand Konstantin Neven DuMont erwähnt in einem Editorial in seinen Blättern "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgaben) eine womöglich konzernübergreifende "Vermarktungsplattform für Bezahlinhalte deutschsprachiger Verlage und Autoren". Zeitgleich propagiert Axel-Springer-Cheflobbyist Christoph Keese in der "New York Times" einen verlagsübergreifenden Ein-Klick-Marktplatz für Zeitungsinhalte und ein Flatrate-Modell. Kooperationen mit Google nicht ausgeschlossen.

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Statt einzelner Bezahl-Schranken, befürwortet Keese, dass sich Verlage und Internet-Firmen zusammentun, um einen Ein-Klick-Marktplatz zu schaffen. Das Ergebnis könnte in etwa so aussehen wie Google News, nur dass einige Artikel mit einem Preisschild versehen sind. Offenbar wäre Springer sogar bereit, in der Sache mit Google zusammenzuarbeiten. Springer sei glücklich, mit Google zusammenzuarbeiten, sagte Keese, Verleger könnten mit Google in Sachen Erfahrung im Monetarisierung von digitalen Inhalten nicht mithalten. Ob es wirklich Gespräche zwischen Google und Springer gibt, wird freilich von keiner Seite bestätigt.
Keese könnte sich auch so genannte Flatrates für verlagsübergreifende Inhalte vorstellen, analog zu Telefon-Flatrates. Auch die Idee des Leistungsschutzes wird von Keese in bekannter Form in der "New York Times" erneut skizziert. Im Raum steht eine neue Verwertungsgesellschaft, die die Rechte der Inhalte-Distributoren wahrnimmt.
Konstantin Neven stellt dagegen den Begriff "investigativer Journalismus ins Zentrum seines Aufsatzes, der aber eigentlich die Medienkrise überhaupt behandelt. Die Digitalisierung haben "die Medienlandschaft umgepflügt", schreibt der Kölner Verlags-Miterbe – das eigene Haus inbegriffen. MDS entwickelt gerade kostensparende und höchst umstrittene "Synergien" vor allem zwischen FR, Berliner Zeitung und Kölner Stadt-Anzeiger. Pläne für einen Ausbau investigativer Arbeit wird man in diesen Redaktionen gespannt erwarten. 

Der 40 Jahre alte Neven DuMont sorgt sich um "Gemeinwohl" und demokratische Zukunft: "Der investigative Journalismus hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Erst dadurch können – genauer gesagt: konnten – die Deutschen sich selbst erkennen und das, was ihnen daran nicht gefiel, zu ändern versuchen." 
Auf der Suche nach Antworten kommt Neven DuMont auf die gleichen Stichworte, die sich auch bei den Strategen von Burda, Springer und WAZ-Gruppe finden: "Die Betreiber von Suchmaschinen greifen immer mehr Werbeerlöse ab", heißt es recht drastisch; die Politik und auch die "Netzinfrastrukturbesitzer" müssten in Diskussion einbezogen werden.
Gegen Ende wird Neven DuMont jedoch konkreter. Mit einer "Vermarktungsplattform für Bezahlinhalte" solle "die Möglichkeit geschaffen werden, hochwertige journalistische Inhalte nicht länger im Internet zu verschenken". Bisher sind nur Überlegungen deutscher und amerikanischer Magazin-Verlage bekannt, eine Art gemeinsamen Online-Kiosk ("iTunes für Texte") für "Paid Content" zu schaffen. Womöglich gehen die internen Gespräche in der Krisen-Branche aber schon wesentlich weiter.

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