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Rechte Postille „Zuerst“ bald am Kiosk

Eine Meldung des "Kontakters" sorgt für Diskussionen: Mitte Dezember kommt das Monatsheft "Zuerst" aus dem Kieler Arndt Verlag in die Läden - ausgeliefert von der Bauer-Vertriebstochter VU Verlagsunion KG. Der Verlag ist dem Verfassungsschutz nicht unbekannt. Erschienen ist dort u. a. "Göring. Eine Biografie" von dem Holocaust-Leugner David Irwing. Die VU will den "Zuerst"-Vertrieb fortführen, solange nicht erwiesen sei, dass der Titel gegen geltendes Recht verstoße.

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"Die VU Verlagsunion KG ist als Nationalvertrieb für mehr als 600 betreute Objekte bundesweit tätig und versteht sich als Teil des Systems der Pressefreiheit", teilte die Bauer Media Group auf MEEDIA-Anfrage mit. "Sie nimmt keinen Einfluss auf die Inhalte der von ihr vertriebenen Publikationen. Für den Fall, dass die Publikation ‚Zuerst‘ gegen geltendes Recht verstoßen sollte, wird die VU Verlagsunion KG die vertraglichen Vereinbarungen umgehend kündigen."

"Zuerst" ist das Nachfolge-Magazin von "Nation & Europa – Deutsche Monatshefte", das im Verfassungsschutzbericht 2008 des Bundes als "ein wichtiges meinungsbildendes Medium für die rechtsextremistische Szene" bezeichnet wird. Die Auflage lag bei 18.000 Exemplaren. In diesem Jahr ist der Nation & Europa-Verlag von dem Kieler Arndt Verlag übernommen worden. Bereits kurz nach der Übernahme wurde ein neues Magazin unter dem Namen "Zuerst" angekündigt. Da die Zeitschrift nicht nur im Abonnement, sondern auch im Handel erhältlich sein soll, verspricht sich der Verlag offenbar eine große Resonanz.

Die "Nation & Europa"-Redaktion um Harald Neubauer publizierte regelmäßig Beiträge zu strategischen und theoretischen Fragen, die eine ideologische Nähe zur NPD erkennen ließen. Laut Verfassungsschutzbericht enthielt die Schrift 2008 antiamerikanische und globalisierungskritische Beiträge auf rechtsextremistischer Grundlage. So begründete der Redakteur und Stadtrat für die NPD-nahe „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) in München, Karl Richter, in einem Artikel die Probleme der Bayerischen Hauptstadt mit dem hohen Ausländeranteil und der lebendigen Schwulen- und Lesbenszene.

Dass der neue Titel dasselbe Publikum ansprechen dürfte wie das Vorgängerheft, ergibt sich aus der Themenauswahl, die dem Branchendienst "Kontakter" vorliegt: "Deutschland soll deutsch bleiben. Umvolkung, Multikulti, Integration, Asyl, Islam", "Deutschland soll seine Würde bewahren. Schuldkult, Tradition, historische Wahrheit".

Der von Dietmar Munier geleitete Arndt Verlag verbreitete im Rahmen seines umfangreichen Versandangebotes Bücher zu kulturellen, historischen, zeitgeschichtlichen und politischen Themen sowie Kalender, Videos und Devotionalien der ehemals deutschen Ostgebiete in Schlesien und Ostpreußen. 2008 erschien die revisionistische Publikation "Die Opfer des 20. Juli 1944. Kollateralschaden einer höheren Moral?" von Werner Landhoff. Sie wird von diversen rechtsextremistischen Buchdiensten und Versandbuchhandlungen vertrieben und in rechtsextremistischen Zeitschriften beworben. Zudem setzte der Verlag im letzten Jahr seine farbig gedruckte Bildbandreihe "Zeitgeschichte in Farbe/Zeitgeschichte in Bildern" fort, in der ein verklärtes Bild des NS-Regimes vermittelt wird. 

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