56 Zeitungen drucken Klima-Appell

In einem einzigartigen Printprojekt veröffentlichen 56 führende Zeitungen weltweit anlässlich des Klimagipfels von Kopenhagen das gleiche Editorial. Darin rufen sie die Politiker auf, endlich zu handeln. An der Initiative, die vom britischen "Guardian" geleitet wurde, nehmen auch zwei chinesische Zeitungen und die indische "The Hindu" teil. Während die meisten Blätter den gemeinsamen Aufruf auf der Titelseite bringen, druckt die "Süddeutsche Zeitung" den Text auf ihrer Politik-Seite 6 ab.

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In Europa drucken unter anderem "Le Monde", "El Pais", "Der Standard" und die russische "Novaya Gazeta" den Aufruf an die Verhandlungsteilnehmer von Kopenhagen. In Afrika sind es elf Zeitungen, in Asien 16. Insgesamt erscheint der Aufruf in 45 Ländern in 20 verschiedenen Sprachen. Bemerkenswert: Unter den Teilnehmern ist keine einzige große US-Zeitung. Lediglich der "Miami Herald" beteiligt sich an dem Projekt. Dabei sei die Resonanz laut "Guardian" positiv gewesen, auch bei jenen Redaktionen, die sich nicht beteiligten. Nur eine einzige US-Zeitung antwortete: "Das ist ein ungeheuerlicher Versuch, medialen Druck zu organisieren. Go to hell."

In dem gemeinsamen Appell heißt es: "Die Menschheit steht vor dem Ernstfall. Der Klimawandel wird unseren Planeten und damit auch Wohlstand und Sicherheit zerstören, falls wir uns nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. … In Kopenhagen werden Politiker die Macht haben, das Urteil der Geschichte über ihre Generation zu prägen … Wir appellieren an sie, richtig zu entscheiden."

Der globalen Veröffentlichung ging eine monatelange Vorbereitung voraus. Während es grundsätzlich einfach gewesen sei, die verschiedenen Zeitungen für eine Erklärung zu gewinnen, war die Arbeit am endgültigen Wortlaut nach Angaben von "Guardian"-Redakteur Ian Katz ein langwieriger und zäher Prozess. Zunächst wurde den Zeitungsredaktionen eine Rohfassung zur Beurteilung vorgelegt. "Die vielen Kommentare, die wir erhielten, gaben uns einen Eindruck davon, wie die echten Verhandlungen in Kopenhagen ablaufen." Schließlich sollten die Zeitungen den Appell unterschreiben, auch wenn sie kleinere Kürzungen vornehmen.

Der Chefredakteur des "Guardian", Alan Rusbridger, erklärte: "Noch nie haben Zeitungen etwas Vergleichbares getan, aber sie haben auch noch nie über eine solche Story berichtet. Eine einzelne Zeitung wird den Ausgang von Kopenhagen kaum beeinflussen können. Wenn aber 56 große Zeitungen in 20 Sprachen mit einer Stimme sprechen, hoffe ich, dass sie die Politiker und Verhandlungsteilnehmer daran erinnern, was auf dem Spiel steht – und sie dazu bringen können, sich über Rivalitäten und starre Haltung zu erheben, die bislang einer Einigung im Wege standen."

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