Verlage verdienen erst 2015 Geld im Web

In einem Gastbeitrag für - ausgerechnet - Rupert Murdochs "Wall Street Journal" hat sich Google-CEO Eric Schmidt in die Debatte mit den Verlegern über die digitale Zukunft des Journalismus eingeschaltet. Im Vorzeige-Objekt seines schärfsten Kritikers mahnt Schmidt einen gemäßigteren Ton an und vertröstet die Medienunternehmen auf die Zukunft des mobilen Web: Dort lägen, großartige Möglichkeiten und genug Geld für alle. Seine Vision verlegt Schmidt allerdings auffallend weit in die Zukunft – ins Jahr 2015.

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Die Diskussion um das gegenwärtige und künftige Verhältnis zwischen Google und den Verlagen – Partner? Konkurenten? Feinde? – wird in den USA so intensiv geführt wie in Europa, und Eric Schmidt hat sich für sein Friedensangebot mit dem "Wall Street Journal" ein symbolträchtiges Forum ausgesucht. Im prestigereichsten Objekt seines lautstärksten Kritikers Rupert Murdoch gibt Googles Chef den weitblickenden Visionär und großzügigen Freund, der trotz böser Angriffe die helfende Hand reicht.
Murdoch hat sich seit etwa einem Jahr zum Wortführer eines offenbar wachsenden Teils der Medienbranche aufgeschwungen, der annimmt, ein erheblicher Teil der Milliarden, die eigentlich den Verlagen als Produzenten wertvoller Inhalte zustünde, würde auf den Konten von Google landen.
Den Grundvorwurf kontert Schmidt kühl: Es sei verständlich, jemanden zu suchen, dem man die Schuld zuschieben könne. Weniger kühl ist ein Seitenhieb auf Murdoch und seine Apologeten, den man durchaus als Maßregelung empfinden könnte. Im Wortlaut: "Meeting that challenge (…) also requires a change of tone in the debate, a recognition that we all have to work together to fulfill the promise of journalism in the digital age." Gemeinsamkeit macht den Journalismus im Internet stark, heißt also, verdienen wird vorläufig aber in erster Linie die Suchmaschine. So kann man’s natürlich auch sehen, vor allem, wenn man wie der Google-CEO an der Kasse sitzt.

Schmidts Argumente: Google führe den Verlagen eine Milliarde Besucher über "Google News" plus drei weitere Milliarden über andere Dienste zu, "that is 100.000 opportunities a minute to win loyal readers and generate revenue—for free." Die Werbeeinnahmen seines Unternehmens seien dabei marginal ("a tiny fraction"), und bei dieser Gelegenheit zeigt Schmidt auch seine polemische Seite: Google verdiene typischerweise an der Suche nach "Digitalkamera", während ein Begriff wie "Afghanistan" wenig bis gar keine Werbeerlöse mit sich bringe.
Die Hoffnung auf bessere Zeiten verlegt Schmidt auffallend weit in die Zukunft. Der Beitrag beginnt mit einem gedanklichen Ausflug ins Jahr 2015, in dem er sich mit einem kristallscharfen mobilen Bildschirm durch regionalisierte und personalisierte Angebote stöbern sieht – und zwar zum Teil Angebote, für die er pro Klick oder mittels einer monatlichen Abo-Gebühr bezahlt.
Offenbar soll das, was auch deutsche Verleger gerade mit kostenpflichtigen iPhone-Apps versuchen, ihre digitale Zukunft sichern. Schmidt: "The acceleration in mobile phone sophistication and ownership offers tremendous potential. As more of these phones become connected to the Internet, they are becoming reading devices, delivering stories, business reviews and ads." Eine schöne neue Welt für Verlagsangebote, deren Voraussetzung aber auch eine technologische hochwertigere Hardware ist, als sie heute in der Masse zur Verfügung steht. Für die herkömmlichen Verlagsangebote etwa auf News-Portalen im Internet sieht Schmidt offenbar keine lukrative Erlösaussicht.

Eine Vision, in deren Mittelpunkt – obwohl an dieser Stelle nicht ausdrücklich genannt – natürlich Google steht.

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