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„Ein eBay für Schnittmuster“

Am kommenden Montag, 7. Dezember, geht die frisch relaunchte Website BurdaStyle.de online. Das ist das Web-Angebot der ehemaligen "Burda Moden", die mittlerweile auch auf den Namen "BurdaStyle" hört. Der Verlag packt in der neuen Website die Konzepte der bisher getrennten Angebote BurdaStyle.com (amerikanische Näh-Community) und BurdaFashion.com (deutsche Schnittmuster per Post) zusammen. Patrick Fischer, Director Innovation der Burda Style Group, will aus der Plattform "eine Art eBay für Schnittmuster" machen.

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Ist BurdaStyle.de eigentlich noch ein Medienangebot oder nur ein Online-Shop für Schnittmuster?

Beides! Wir haben ein Zwei-Säulen-Erlösmodell. BurdaStyle.de wird auf der einen Seite ganz klassisch als redaktionelles Frauenangebot positioniert. Da verdienen wir mit unserem Werbevermarkter Tomorrow Focus auch gutes Geld. Auf der anderen Seite generieren wir bereits 50 Prozent der Umsätze über den Verkauf von Schnittmustern. Das heißt wir stehen vor der Herausforderung, dass die Seite sowohl als inhaltliches Angebot wahrgenommen und akzeptiert wird, als auch als Shop.

Die US-Site BurdaStyle.com ist als reine Näh-Community deutlich jünger und hipper positioniert als das bisherige BurdaFashion.com in Deutschland. Wie bekommen Sie diese beiden Welten unter einen Hut?

Wir sehen das als Prozess. Das Heft hat am Kiosk durch die jüngere Positionierung des vergangenen Relaunchs eine kleine Renaissance erfahren. Das werden wir auch online erleben. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir uns im Teenager-Segment bewegen. Wir können nicht von heute auf Morgen von einer Zielgruppe 45plus auf 20plus umsteigen. Wir wollen aber das Beste aus beiden Welten verknüpfen. Sowohl junge als auch ältere Menschen mögen eine einfache Navigation und gute Usability. Das vereint die Generationen. Anfang 2010 werden wir eine große Social-Media-Kampagnen starten, mit der wir dann gerade auch junge Menschen für das Thema Nähen und die Plattform BurdaStyle.de begeistern wollen.

Bisher kann man bei BurdaStyle.com Schnittmuster ausdrucken und bei BurdaFashion.com Schnittmuster per Post bestellen. Werden diese beiden Modelle nebeneinander bestehen bleiben?

Ja, wir haben rund 700 Schnittmuster im Katalog, die alle bestellbar sind. Zum Start werden wir viele dieser Schnitte auch als Download verfügbar haben. Der Nutzer kann sich also aussuchen, ob man runterladen möchte oder den Schnitt per Post will. Die Downloads sind günstiger.

Müssen die New Yorker von BurdaStyle.com jetzt nach Offenburg umziehen?

Nein. In Offenburg sitzt die Fashion-Factory, die die Schnittmuster erstellt und gestaltet, die Redaktion und das Produktmanagement sitzen in München, BurdaStyle.com bleibt als eigenständige Gesellschaft in New York.

Bei BurdaStyle.com können Nutzer auch selbst Schnitte hochladen. Wird es das bei dem neuen deutschen Angebot auch geben?

Zum Start wird es das bei BurdaStyle.de nicht geben. Der Schwerpunkt bei dem amerikanischen Angebot liegt noch viel stärker auf der Community. Für Deutschland wollen wir uns zunächst auf das redaktionelle Angebot und den Shop konzentrieren und einige Community-Elemente dazupacken. 2010 werden wir aber in Deutschland einen Marktplatz launchen, auf dem Nutzer dann eigene Schnittmuster über uns verkaufen können. Damit erweitern wir unser Business-Modell um eine weitere Säule.

Und Sie kassieren Provision. So eine Art App-Store für Schnittmuster?

Wir sehen uns eher als eine Art eBay für Schnittmuster.

Der Verkauf von Schnittmustern ist klassischer Vertrieb, wie wollen Sie die Site auch für Anzeigen attraktiv machen?

Unsere Werbe-Umsätze sind jetzt schon sehr gut. Die neue Seite wird aber sehr luftig sein und eine klare Zielgruppe haben. Bei uns gehen zu fast 100 Prozent nur Frauen auf die Seite, das ist für Werbekunden sehr attraktiv. Mit der neuen grafischen Opulenz erhoffen wir uns im kommenden Jahr deutliche Zuwächse bei der Werbung.


Soll der Anteil der Werbung am Gesamtumsatz von jetzt rund 50 Prozent steigen?

Ich glaube nicht, dass der Anteil steigt. Das wird weiter rund fifty-fifty sein. Durch den besseren Shop und ein wesentlich größeres Sortiment werden sich auch die Umsätze durch den Verkauf von Schnittmustern erhöhen. Beides soll wachsen: Werbung und Verkauf.

Ist BurdaFashion.com schon profitabel?

Ja, wir sind in Deutschland bereits profitabel. Die amerikanische Site ist noch nicht ganz profitabel, das liegt aber auch daran, dass dort viel Geld in die Entwicklung der Community gesteckt wurde. Diese Community wird aber im Laufe von 2010 bei allen neuen BurdaStyle-Seiten implementiert. Somit hat sich diese Entwicklung also gelohnt.

Wie hoch ist der Jahres-Umsatz der deutschen Site?

Wir bewegen uns im hohen sechsstelligen Bereich.

Das Angebot ist in vielen Ländern präsent. Wo ist denn die Online-Näh-Lust am stärksten ausgeprägt?

Interessanterweise in Russland. Das ist unser Auftritt mit dem größten Traffic und den meisten Besuchern. Die Russen sind sehr interessiert an opulenten Abendroben, während die Deutschen eher freizeitorientiert sind. Ab Januar werden Monat für Monat auch die weiteren Länder, in denen wir präsent sind, relauncht. Neu dazu kommt 2010 ein Online-Lizenzgeschäft.

Haben Sie schon erste Deals abgeschlossen?

Das wird in Brasilien und Portugal sein. Die Expansion ist relativ einfach, weil wir darauf geachtet haben, dass die Community- und Shop-Plattform mehrsprachig sind und auch mehrere Währungen handhaben können. Und bei den Downloads brauchen wir auch keine unterschiedlichen Distributoren in anderen Ländern. Das vereinfacht die internationale Expansion erheblich.

Brauchen Sie dann in jedem Land eine eigene Redaktion?

Nein, in vielen Ländern arbeiten wir mit einem Korrespondenten zusammen, der uns bei der Kleiderauswahl oder Stilfragen unterstützt. Die Software ist so konzipiert, dass sie auch ohne Community oder redaktionelle Inhalte funktioniert. So könnten wir beispielsweise relativ einfach einen Shop zum Beispiel in Argentinien aufmachen.

Wie sieht in Ihren Augen die typische BurdaStyle Online-Nutzerin in Deutschland aus?

Das ist ganz klassisch eine Frau, die schon erwachsene Kinder hat aber für sich noch näht, weil sie es von ihrer Mutter noch gelernt hat. Also eine sehr traditionelle Zielgruppe. Mittlerweile kommen aber die Töchter dieser Frauen. Die sehen im Nähen eine Möglichkeit, ihre Garderobe zu individualisieren. Zwischen Bielefeld und New York gibt es mittlerweile weltweit die gleichen Läden von H&M bis Zara. Wir erleben eine Fashion-Globalisierung. Do-it-yourself wird da immer moderner.

Ist Nähen ein Trend-Thema?

Absolut. Wir machen auch Näh-Kurse vor Ort, zusammen mit den Kollegen vom Heft. Eine Zeitung hat dazu mal geschrieben „Nähen ist das neue Yoga“. Intern sagen wir eher: Nähen ist das neue Kochen. Etwas, das ich gerne mit Freunden zusammen mache und bei dem ich mich individuell mit meinem eigenen Charakter zur Schau stellen kann.

Wird die neue Website auch Bewegtbild-Inhalte haben, analog zu den Kochshows im TV?

Ja, das wird es geben. Zum Start haben wir aktuelle Videos der Fashion Shows aber auch so genannte Workshop-Videos. Wie näht man beispielsweise einen Saum oder wie setze ich den Reißverschluss richtig ein.

BurdaStyle ist jetzt auch bei Facebook. Was versprechen Sie sich davon?

Facebook, Twitter und Co. gehören zum Standard einer jeden neuen Seite. Das ist mittlerweile vor allem bei den jungen Zielgruppen gelernt. Auf der anderen Seite ist es schön, sich im Freundeskreis über Schnittmuster und eigene Kreationen auszutauschen.

Wird die neue Site auch mit den anderen Burda-Web-Angeboten vernetzt?

Das geschieht schon jetzt. Unsere Print-Chefredakteurin Dagmar Bily trug beim Bambi beispielsweise eine selbst geschneiderte Abendrobe. Darauf wurde bei Bunte.de hingewiesen und zu uns verlinkt. Wir haben natürlich das passende Schnittmuster parat.

BurdaFashion.com kommt laut Internet-Facts auf 70.000 Unique User und 1,2 Mio. Visits im Oktober laut IVW Online. Das ist noch ausbaufähig…

Auf jeden Fall. Wir wollen aus unserem Netzwerk heraus zulegen. Wir werden aber keine großen Kampagnen starten sondern suchen den Schulterschluss mit den Online-Kollegen. Ich sehe aber auf jeden Fall die Chance, in den nächsten zwölf Monaten zwischen 50 und 70 Prozent in der Reichweite zu wachsen.

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