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ZDFneo: Die Bilanz des ersten Monats

Viel wurde diskutiert über den neuen Sender ZDFneo, der am 1. November an den Start ging und ZDFdoku ablöste. Vor allem die Betreiber der Privatsender echauffierten sich über das neue ZDF-Beiboot, das ihnen das wertvolle junge Publikum abluchsen soll. Doch wie sieht nach dem ersten Monat nun die Realität aus? Ist ZDFneo schon zum Publikumserfolg geworden? Oder sendet man unter Ausschluss der Öffentlichkeit? MEEDIA klärt auf und zieht die ZDFneo-Bilanz des ersten Monats.

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Um eines vorweg zu nehmen: Der Sensations-Erfolg mit Quoten-Blockbustern, der RTL, Sat.1 und ProSieben das Fürchten lehrt, ist ZDFneo selbstverständlich noch nicht. Dafür ist das Programm auf vielen Sendeplätzen einfach zu wenig mainstreamig und zu anspruchsvoll. Denn: Anstatt auf dümmlichsten Trash zu setzen, versucht ZDFneo, höherwertiges Unterhaltungsfernsehen zu liefern, als es die junge Zielgruppe aus dem Privatfernsehen gewohnt ist. Das gelingt mal besser – siehe z.B: die hervorragende und bei Sendern wie RTL völlig undenkbare Doku-Soap "Der Straßenchor" – und mal schlechter – siehe z.B. den überflüssigen US-Einkauf "Mamas Traumjob". Doch insgesamt bietet ZDFneo eindeutig eine gelungene Alternative zum oft zu seichten Programm der Privaten.

Auch in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, an die sich ZDFneo ja vor allem wendet, steigt das Interesse an dem neuen Sender offenbar. Ein Blick auf die erfolgreichsten Programme des ersten Monats lässt zumindest die Vermutung zu, dass immer mehr Leute den Sender entdecken. So liefen vier der fünf Top-Programme von ZDFneo nach dem 22. November, nur eine in den drei Wochen davor. Doch die Fortschritte dauern lang, sehr lang. Noch ist ZDFneo keinerlei Gefahr für die Privatsender, selbst kleine Sender wie Das Vierte haben noch deutlich mehr Zuschauer als ZDFneo. So sind auch immer wieder kleine Rückschritte zu beobachten. Gab es zwischen dem 20. November und dem 28. November beispielsweise nur noch einen Tag mit einem Marktanteil von 0,1%, dafür aber siebenmal 0,2% und einmal 0,3%, blieb der Sender am 29. und 30. November, sowie am 1. Dezember gleich dreimal in Folge bei 0,1% hängen.

Richtig punkten kann ZDFneo bisher vor allem mit Wiederholungen von ZDF-Produktionen. Der "Dresden"-Zweiteiler aus dem Jahr 2006 hält bislang den Zuschauerrekord bei ZDFneo, Teil 2 sahen am 22. November immerhin 100.000 14- bis 49-Jährige – ein Marktanteil von 0,8%. Auch zwei "Nachtschicht"-Krimis und die Doku-Reihe "Die Deutschen" finden sich in der Top Ten der Quoten-Hits. Als einzige ZDFneo-Premiere haben es zwei Episoden der US-Serie "In Plain Sight" in das Ranking geschafft:

Vergleichsweise gute Marktanteile holen zudem die spätabendlichen Wiederholungen der legendären Krimiserie "Miami Vice". Probleme hat der neue Sender vor allem noch am Vorabend. Die Natur-Dokus aber auch die Doku-Soaps wie "Mamas Traumjob" oder "Hochzeitsfieber" bleiben hier allzu oft noch bei Marktanteilen von 0,0% hängen. Dennoch dürften die ersten ZDFneo-Wochen bei den Senderverantwortlichen durchaus für Optimismus gesorgt haben. Schließlich hat ZDF-Intendant Markus Schächter seine Ziele recht vorsichtig formuliert. Ende 2010 wolle man 0,3% erreichen und in drei Jahren dann so stark sein wie ein mittleres drittes Programm der ARD, so Schächter kürzlich gegenüber DWDL.de. Angesichts der Tatsache, dass man bereits im ersten Monat an immerhn drei Tagen die 0,3% geknackt hat, könnte zumindest das erste Ziel schon vor Ende 2010 erreicht werden. Eine wirkliche Gefahr für das hysterisch protestierende Privatfernsehen wäre ZDFneo aber auch dann noch nicht.

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