„Unsere Leser lieben das Auto, das nie stirbt“

Mit der passenden Line-Extension die richtige Nische zu besetzen, erweist sich für viele Verlage immer mehr zu einem lukrativen Geschäft. Mit diversen Produkten hat "Auto Bild"-Geschäftsführer Hans Hamer diesen Kniff bereits erfolgreich praktiziert. Den nächsten Nischen-Angriff fährt er nun mit "Auto Bild Klassik", das sechs Mal pro Jahr erscheinen soll. Im MEEDIA-Interview erklären Hamer und Chefredakteur Bernd Wieland den Erfolg des Oldtimer-Magazins und warum eine Frequenz-Erweiterung Sinn macht.

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Fahren sie beide selbst einen Oldtimer?


Hans Hamer: Ja, ein Alfa Romeo Giulia Spider von 1965.


Bernd Wieland: Selbstverständlich, ein Fiat 130 Coupé aus den frühen 70er Jahren.



Was fasziniert die Menschen an alten Autos?


Bernd Wieland: Die Leidenschaft für Klassiker bedeutet für jeden Fan etwas anderes. Der eine will repräsentieren, andere wollen still genießen oder sucht die Herausforderung im historischen Rennsport. Alles ist in der heutigen Oldtimerszene möglich. Die Feinheiten des Designs können eine Rolle spielen oder die Lust am Umgang mit über- und durchschaubarer Technik: Viele alte Autos lassen sich mit etwas Übung selbst reparieren. Außerdem machen Klassiker einfach Spaß. Sie bieten ein Fahrerlebnis ohne Filter, ohne Servo, Vierzonen-Klimaautomatik und Elektronik. Die Liebe zum alten Auto hat oft auch mit der Rückbesinnung auf grundsätzliche Werte zu tun. Deshalb spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. Oldtimer-Fans lieben die Idee vom Langzeit-Auto, das nie stirbt, weil es sich immer wieder reparieren lässt. Und nebenbei seinen Wert behält. Klassiker fahren schließlich ohne Wertverlust. Im Gegenteil: Die Preise vieler alter Autos steigen noch immer. Und trotzdem muss niemand reich sein, um sich einen Klassiker leisten zu können.




Können Sie denn dann Ihren Fiat 130 Coupe auch selbst reparieren?
Bernd Wieland: Kleinere Arbeiten führe ich eigenständig durch. Vor kurzem habe ich beispielsweise die Scheibenwaschpumpe ausgewechselt. Aber wenn es um ernste technische Probleme geht, gebe ich meinen Oldtimer in die Hand von Schraubern.

Von der privaten Leidenschaft zur Profession. Warum stellen Sie die Frequenz der "Auto Bild Klassik" um?


Hans Hamer: Weil der Bedarf bei den Lesern da ist. Bereits bei der Markteinführung als Sonderheft von "Auto Bild" 2007 verkaufte "Auto Bild Klassik" aus dem Stand mehr als 100.000 Exemplare. Die Zeitschrift im vierteljährlichen Rhythmus hat dies noch gesteigert: Der Gesamtverkauf liegt bei ca. 115.000 Exemplaren pro Ausgabe, dies vor allem im Einzelverkauf. Das Konzept der Zeitschrift hat sich also bewährt. Es handelt sich um einen nachhaltigen Effekt am Markt, der Erfolg bleibt bestehen.



Einige Konkurrenten wie die Motorpresse sparen immer mehr Special-Interest-Titel ein. Sie erweitern einen bestehenden Titel. Was machen Sie anders?


Hans Hamer: Wir haben sehr gute Erfahrungen mit unserer Auto Bild-Dachmarkenstrategie gemacht. Die gesamte Titelpalette von "Auto Bild Motorsport" über "Auto Bild Allrad" bis "Auto Bild Sportscars" hat sich außerordentlich erfreulich gegen den Markttrend entwickelt. An diese Erfolge knüpft "Auto Bild Klassik" an und hat zudem zu einer Markterweiterung im Segment der Magazine für Klassiker, Youngtimer und Oldtimer beigetragen. Der Grund ist einfach. Die Zeitschrift spricht eine neue jüngere Zielgruppe an, die bislang nicht bedient worden ist. Oldtimer, Youngtimer und Klassiker von Morgen stehen gleichermaßen im Mittelpunkt.


Bernd Wieland: Unsere Zielgruppe deckt die ganze Bandbreite ab – von gut verdienenden, konsumfreudigen Lesern bis zu jungen Einsteigern, die sich ihren ersten Youngtimer kaufen. Außerdem vertritt "Auto Bild Klassik" immer eine klare Meinung und reizt auch gerne zum Widerspruch. Neben den Details der Technik heben wir auch weiche Aspekte wie Design und Image hervor. Und nicht nur die Autos sind für uns interessant, sondern auch die Geschichten der Menschen, die sie damals gebaut haben und heute fahren. Es ist faszinierend, diese Geschichten zu erzählen.



Ändern sie mit der Umstellung auch die inhaltliche Ausrichtung?


Bernd Wieland: Nein. Es besteht überhaupt kein Anlass, ein derart erfolgreiches Heftkonzept zu ändern.

Hat "Auto Bild Klassik" eine eigene Redaktion oder wird das Heft einfach von der "Auto Bild"-Redaktion mitgemacht?


Bernd Wieland:
"Auto Bild Klassik" wird aus der "Auto Bild"-Redaktion heraus entwickelt und gestaltet. Das funktioniert besonders gut, weil die Redaktion aus "Überzeugungstätern" besteht. Damit wird das Heft sozusagen von Fans für Fans gemacht. Die beste Ausgangssituation für den Erfolg dieses Titels, der auf Leidenschaft und Faszination für Klassiker setzt.
Hans Hamer: Mit der Frequenzerhöhung von "Auto Bild Klassik" und der Erweiterung der Auto Bild-Gruppe um ein weiteres Periodikum möchten wir die Zielgruppe der Klassiker-Fans umfassend bedienen. Daher haben wir auch die Rallye Hamburg-Berlin Klassik gestartet, die hervorragend angenommen wurde. Von der Premiere im letzten Jahr an waren wir komplett überbucht, wir hätten mehr als die doppelte Anzahl an Startplätzen vergeben können. Dieser große Zuspruch hat unsere interne Erwartungen bei Weitem übertroffen und uns ermuntert, uns dieser Zielgruppe und diesem Geschäftsfeld noch intensiver zuzuwenden.



Verwerten Sie Texte auch doppelt?



Bernd Wieland: Nein, das kommt nicht in Frage. "Auto Bild Klassik" ist ein Special-Interest-Magazin, die Inhalte sind auf eine besondere Zielgruppe ausgerichtet und haben ihren Platz in diesem Titel.

Bislang ist die "Auto Bild Klassik" nicht IVW gelistet. Soll sich das ändern?


Hans Hamer: Bislang wurde unsere Auflage von einem Wirtschaftsprüfer testiert. Ab 2010 sind wir auch IVW-gemeldet.

Die Autozeitungen ächzen besonders unter der Anzeigenkrise, weil die Autokonzerne sparen. Wie stark spürt die "Auto Bild"-Gruppe die Krise?


Hans Hamer: Die Auto Bild-Markenfamilie ist sehr gut aufgestellt und deckt alle Segmente rund um automobile Belange ab. Ob national oder international, analog oder digital – die Auto Bild-Gruppe kann einen umfassenden Service aus einer Hand anbieten. Getreu unserer Strategie "One brand – all media". Auf dem Vertriebsmarkt verkaufen sich all unsere Titel sehr gut. Im Jahr 2009 konnten wir unsere Marktanteile durchweg steigern. Auf dem Anzeigenmarkt merken wir, dass uns der Wind etwas härter ins Gesicht weht. Doch auch hier schlagen wir uns besser als der Wettbewerb, da wir fast ausnahmslos die Marktführerschaft innehaben und sich die Werbekunden und Agenturen gerade in Krisenzeiten um den Marktführer scharen.

Stellt sich die Anzeigensituation bei einem Oldtimer-Heft anders da?


Hans Hamer:
Die Anzeigenkunden geben uns ein sehr positives Feedback auf "Auto Bild Klassik". Besonders gut gefällt ihnen, dass neue Leserschaften erschlossen wurden und ein integriertes Marketing-Konzept aus einer Hand für die Zielgruppe der Klassik-Liebhaber angeboten wird.

Welche weiteren Pläne haben Sie mit "Auto Bild Klassik"?
Hans Hamer: Wir werden die Bereiche Events und Rallyes weiter ausbauen. Darüber hinaus werden wir auch unsere Online-Aktivitäten für die Zielgruppe der Klassik-Liebhaber unter der Dachmarke autobild.de intensivieren. Und ansonsten lassen Sie sich überraschen. Wir geben auch 2010 Gas und haben noch einiges im Kofferraum.

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