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Der freie Sitz im Burda-Vorstand

Derzeit wird spekuliert, ob bei Gruner + Jahr wieder ein Journalist in den Vorstand einziehen könnte. Bertelsmann-Chef Ostrowski hatte jüngst solches angedeutet. Dabei wäre es bei einem anderen Medienunternehmen ebenfalls dringlich, einen Posten neu zu besetzen: bei Burda. Wenn sich "Focus"-Gründer Helmut Markwort 2010 zurückzieht, wird sein Platz im Vorstand frei. Bisher heißt es, Philipp Welte übernehme dann dessen Aufgaben mit. Aber ein neuer Burda-Vorstand würde aus vielen Gründen Sinn ergeben.

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Derzeit wird spekuliert, ob bei Gruner + Jahr wieder ein Journalist in den Vorstand einziehen könnte. Bertelsmann-Chef Ostrowski hatte jüngst solches angedeutet. Dabei wäre es bei einem anderen Medienunternehmen ebenfalls dringlich, einen Posten neu zu besetzen: bei Burda. Wenn sich "Focus"-Gründer Helmut Markwort 2010 zurückzieht, wird sein Platz im Vorstand frei. Bisher heißt es, Philipp Welte übernehme dann dessen Aufgaben mit. Aber ein neuer Burda-Vorstand würde aus vielen Gründen Sinn ergeben.
Zunächst einmal wäre der um Markwort geschrumpfte Burda-Vorstand sehr klein. Das oberste Führungsgremium bestünde dann noch aus Hubert Burda selbst, dem mächtigen Philipp Welte sowie Technik- und Finanzmann Paul-Bernhard Kallen. Da sich der Verleger wenig in das operative Geschäft einmischt und eher der Meta-Ebene zugeneigt ist, gäbe es faktisch ein Führungsduo aus Welte und Kallen. Der Jurist Robert Schweizer wird lediglich als assoziiertes Vorstandsmitglied geführt. Für das Verlagsgeschäft spielt er keine Rolle. Früher hatte Burda eine Konstruktion mit den beiden Antagonisten Jürgen Todenhöfer und Helmut Markwort.
Burda wurde stets nachgesagt, dass er die innerbetriebliche Rivalität zwischen den beiden Top-Managern des Hauses nicht nur in Kauf nahm, sondern durchaus bewusst so installierte. Auf diese Weise war garantiert, dass keiner von der eigenen Macht berauscht die Bodenhaftung verlor. Die jeweils andere Seite achtete stets mit Argusaugen auf den Vorstandskollegen und dessen Treiben. Insofern wäre es nachvollziehbar, wenn Hubert Burda dem mit großem Elan und Ehrgeiz gestarteten Philipp Welte einen Widerpart entgegensetzen würde. Das bringt einen in der Folge natürlich sofort zur Frage: Wer könnte das machen?
Die offensichtlichste Möglichkeit wäre natürlich "Bild"-Chef Kai Diekmann. Dass Diekmann "Focus"-Chefredakteur werden würde, war ein nicht tot zu kriegendes Mediengerücht, das jahrelang durch die Branche geisterte. Eine Art running gag für Medien-Insider. "Focus"-Chefredakteur wird ja nun Wolfram Weimer, da könnte Kai Diekmann doch prima Burda-Vorstand werden. Das Gedankenspiel, und nur um ein solches handelt es sich hierbei, hat einiges für sich: Diekmann ist karrieremäßig bei der "Bild" in einer Sackgasse. Einer lukrativen, machtvollen und herausfordernden Sackgasse, aber in einer Sackgasse. Ein Vorstandsposten bei Springer dürfte in absehbarer Zeit nicht frei werden. Mit den Kulturen in vielen anderen Medienhäusern ist Diekmann nicht unbedingt kompatibel. Jede andere Chefredaktion nach "Bild" wäre quasi eine Art von Abstieg. Burda dagegen ist wie Springer ein eher konservatives Haus. Einer wie Diekmann könnte dort gut reinpassen und würde dem Verlag womöglich sogar gut tun. Und Diekmann hätte das Format, sich gegen einen machtvollen Welte zu behaupten.
Damit soll natürlich nicht gesagt werden, dass dies so kommen muss oder kommen wird. Es handelt sich lediglich um eine Überlegung auf Basis der künftigen Personal-Konstellation im Burda-Vorstand. Eile ist auch nicht geboten. Die drängenden Vorstands- und Personalfragen bei Burda sind ja mittlerweile geklärt. Markworts Vertrag läuft offiziell noch bis zum Herbst 2010. Bis dahin kann viel geschehen.

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