Die zitternden Hände des Altkanzlers

Michael Mittermeier als Laudator von "Silbermond" brachte es auf den Punkt: "Der Bambi is ja schon immer da. Der geht net weg." Burdas Bambi ist eine Veranstaltung, die als deutsches Medien- und Promi-Ritual funktioniert. Dass jeder Vergleich mit dem Oscar vermessen ist, machte die jüngste Bambi-Verleihung aus der Metropolis-Halle in Potsdam deutlich. Vor allem das Moderatoren-Duo Katarina Witt und Tom Bartels war kein Glücksgriff.

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Obwohl die Organisatoren um die Verleihung zu straffen nur zwei Musiknummern (Shakira und Silbermond) eingebaut hatten, zog es sich. Und um es gleich vorweg zu sagen: Das lag mit am meisten an den beiden Moderatoren. Wenn der Abend eines gezeigt hat, dann vor allen anderen Dingen, dass Sport-Reporter Tom Bartels und vor allem Ex-DDR-Eiskunstläuferin Katarina Witt ungeeignet sind, um eine Gala zu moderieren.

Vor allem bei Frau Witt presste sich jedes Witzchen derart verkrampft aus dem üppigen Dekolleté, dass sich im Saal Grabesstimmung breit machte. Jedenfalls wirkte es vor dem Fernseher so. Platte Sprüche („Seid froh, dass Euch der Till kein ,Keinohr Bambi‘ gegeben hat“) und eine hölzern, steife Präsentation zeigten, wie sehr gute Moderatoren bei einem solchen Abend fehlen können.

Und noch ein Wort zu Katharina Witt. Über ihre Vergangenheit als Aushängeschild von Honeckers DDR wurde in der Vergangenheit schon genug gesagt. Dass man sie aber eine Veranstaltung moderieren lässt, die unter dem Motto des Mauerfall-Jubiläums steht und bei der dann ausgerechnet auch den Filmern der Montagsdemonstrationen ein Bambi als „stille Helden“ gegeben wird, das zeugt von fehlendem Fingerspitzengefühl.
Als Michael Mittermeier die einzige lustige Laudatio des Abends auf Silbermond hielt, wachte das Publikum von einer Sekunde auf die andere auf, lachte und applaudierte dankbar. So geht es also auch.

Überraschungsgäste waren Kate Winslet, die als beste Schauspielerin international geehrt wurde und Wolfgang Joop, der den Überraschungsbambi von seiner Tochter Jette überreicht bekam. Den Publikumspreis gewann der TV-Film „Die Krupps“. Als „Deutsche in Hollywood“ wurden Caroline Link, Kamera-Legende Michael Ballhaus, Florian Henckel von Donnersmarck, Oliver Hirschbiegel und Roland Emmerich mit einem Ehren-Bambi bedacht. Selbst bei Emmerichs Auftritt explodierte nichts. Auch nicht die Stimmung.

Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg war selbst in Abwesenheit noch souverän, indem er seine attraktive Frau als Vertretung schickte, die FC-Bayern-Wüterich und Bratwürstel-König Uli Hoeneß verbal bewienerte.

Aber Bambi wäre nicht Bambi wenn es nicht mindestens einen seltsamen, berührenden Moment gegeben hätte. Der kam schon ziemlich am Anfang als Theo Waigel einem erschreckend gealterten Helmut Kohl den so genannten Millenniums-Bambi als Kanzler der Einheit in die Hand drückte. Kohls Hände zitterten, er schien kaum genug Kraft zu haben, die Statue zu greifen. Seine brüchig gewordene Stimme war kaum zu verstehen. Wahrscheinlich war das der Moment, der von dieser Veranstaltung im Gedächtnis bleibt.

Einer fehlte: Johannes Heesters, der in Kürze seinen 106. Geburtstag begeht und mittlerweile zu einer Art Maskottchen der Verleihung mutiert ist. Ihm, dem Patricia Riekel in einer schwachen Stunde jedes Jahr einen Preis versprochen hat, wurde sein Bambi laut Presse-Veröffentlichungen vor der Sendung überreicht. Eine Schalte gab es diesmal nicht und auch keine Erwähnung. Ein bisschen schofelig. Man hätte ihn wenigstens schön grüßen können.

Nach fast drei Stunden bekam Maximilian Schell dann zum zweiten Mal nach 2002 den Bambi für sein Lebenswerk. Auch sowas gibt es nur beim Bambi und keiner verliert ein Wort darüber. Schell beeilte sich und brauchte dann noch länger, obwohl er mehrfach darauf hinwies, dass ja nun jetzt alle schon müde seien und Hunger hätten. Es gab Wachtelschinken mit Entenleberparfait, Mousse vom geräuchterten Blumenkohl mit Scampi, dazu Spätburgunder, Laurent-Perrier Champagner und Krustentier-Estragongelee. Das wusste jedenfalls der Twitterer von der „Berliner Morgenpost“ zu berichten. Dem Bambi ist bei der Medienkrise der Appetit jedenfalls nicht vergangen. Bis zum nächsten Jahr.

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