Web-Strategie: Blogger greift Verleger an

Wieder meldet sich ein Blogger zu Wort und erklärt den Medien-Managern, was sie im Web alles falsch machen – und hat in vielen Punkten recht. In seinem Carta.info-Text "Warum die Verleger zum Internet einfach schweigen sollten" zieht Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl vielen Presse-Kapitänen das virtuelle Fell über die Ohren. Der Blogger erklärt in sieben Punkten die wichtigsten Verleger-Versäumnisse im Web. Sein Fazit: "Wenn dem Onlinejournalismus etwas fehlt, ist es guter, anständig bezahlter Journalismus."

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Ausgangsposition von Beckedahls Argumentation ist der Fakt, dass es den meisten Medienhäusern im Vergleich zu vielen anderen Branchen noch immer gut geht. Vor allem Springer, "die besonders laut tönen" hätten bei 13 Prozent Rendite (3. Quartalsbericht) "keinen Grund zum Weinen. Auf diesem Niveau zu jammern, ist eher unverschämt", heißt es im ersten Punkt.

Für den Netzpolitik-Chef ist klar, dass es für Internetnutzer keinen Grund mehr gebe, "sich eine Zeitung zu kaufen, die zu zwei Dritteln ungelesen im Müll landet." Diese Entwicklung kommt für Beckedahl  alles andere als überraschend. Vielmehr wirft der Autor den Verlegern vor, dass sie Zeit genug gehabt hätten, funktionierende Einnahmen-Modelle für ihre Online-Veröffentlichungen zu entwickeln.

Unter Position vier spricht Beckedahl einen Punkt an, der in der Diskussion neu ist. Er kommt zu Schluss, dass die Werbeeinnahmen der Medienhäuser im Web auch darunter leiden, dass mit der IVW und AGOF schlechte Mess-Kriterien geschaffen wurden, die nur auf Masse, statt auf Qualität setzen. "Wer hat das sinnfreie Format der Page-Impression-produzierenden Klickstrecken zu verantworten? Nicht die Nutzer, sondern die beharrlichen und koordinationsunwilligen Medienhäuser und ihre angeschlossenen Vermarkter, die IVW und AGOF betreiben."

Interessant ist die Rechung, die Beckedal unter Punkt sechs anstellt. Er schlüsselt anhand einer BDZV-Erhebung die Kostenstellen in den klassischen Verlagen auf. Er kommt zu dem Schluss, dass 46 Prozent aller Einnahmen aus dem Vertrieb kommen. Im Web entfielen diese Erlöse. Dem stünden aber auch Einsparung von 28,6 Prozent für Logistik und Vertrieb gegenüber, "abzüglich einer Summe x für Onlinevertrieb. Das klingt nicht unmöglich zu wuppen, werte Herren!"

Beckedahls abschließendes Fazit: "Wenn dem Onlinejournalismus etwas fehlt, ist es guter, anständig bezahlter Journalismus. Die Verleger jammern über zuwenig Beachtung ihrer Angebote und zuviele Rip-Offs; sie bezahlen zugleich ihren Onlineangestellten vergleichsweise Peanuts. Das ist scheinheilig."

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