Markwort will Verfassungsgericht anrufen

Helmut Markwort ist enttäuscht: Im Rechtsstreit mit der "Saarbrücker Zeitung" musste der "Focus"-Chef gestern eine empfindliche Niederlage hinnehmen. "Der BGH hat nun eine falsche Aussage über mich soweit legitimiert, dass der Eindruck entsteht, diese Unwahrheit dürfte in Zukunft weiter sanktionslos behauptet werden." Damit will sich der 72-Jährige nicht abfinden. Laut Verlagsmitteilung wird nun geprüft, ob "Grundrechte verletzt wurden und der Fall deshalb dem Verfassungsgericht vorzulegen ist."

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Weiter sagt Marktwort, dass es ein Urteil von grundsätzlicher Bedeutung sei, "wenn nun die Publikation unwahrer oder rufschädigender Behauptungen dann nicht mehr unter die Haftung der Presse fällt, wenn sie mit einer Meinungsäußerung verbunden wird."
Der Fall liegt lange zurück: Am 14. September 2007 hatte die "Saarbrücker Zeitung" anlässlich eines Bühnenprogramms ein Interview mit Roger Willemsen abgedruckt, in dem der Moderator, Kabarettist und Journalist Willemsen unter anderem Markwort der Lüge zieh. Es ging um ein Gespräch mit dem Schriftsteller Ernst Jünger, das der "Focus" Anfang der 90er-Jahre  veröffentlicht hatte und von dem Willemsen nun behauptete, es sei schon zwei Jahre zuvor in der "Bunten" erschienen.
Tatsächlich waren wortgleiche Passagen in der "Bunten" zu finden gewesen, keineswegs aber das ganze Interview. Markworts Unterlassungsklage gegen die "Saarbrücker Zeitung" hatte deshalb in den Vorinstanzen vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht Hamburg Erfolg.

Der BGH hatte dann am Dienstag allerdings anders entschieden. Die Richter beschäftigten sich dabei mit der sogenannten "Verbreiterhaftung" bei der Wiedergabe unwahrer Tatsachenbehauptungen in Interviews oder Zitaten. Markworts Niederlage gegen die "Saarbrücker Zeitung" wird die Verpflichtung mildern, Behauptungen in Interviews faktisch nachzuprüfen bzw. sich von ihnen zu distanzieren.

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