Springers E-Mag als Wette auf die Zukunft

Jetzt ist es also da, das E-Mag der "Welt am Sonntag". 1,50 Euro soll die "Preview-Ausgabe" kosten. Wirklich zahlen dürfte das kaum jemand. In der gedruckten "WamS" war ein Gutschein-Code abgedruckt, der z.B. via Twitter fleißig herumgereicht wird. Das macht aber auch nix. Sinn und Zweck ist es ja erstmal, möglichst viele Leser mit dem E-Mag bekannt zu machen. Und was man da sieht kann durchaus gefallen. Das größte Problem könnte sein, dass Springer hier der Zeit ein bisschen zu weit voraus ist.

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Denn so schick und schön, wie das E-Mag der "Welt am Sonntag" aussieht – es fehlt noch das ideale Lesegerät für diese Art von digitalem Magazin. Der Laptop oder der stationäre Computer wollen nicht so Recht passen. Man würde das E-Mag genau in dieser Qualität und Aufmachung gerne mobil lesen. Das Wort Tablet-PC komm einem in den Sinn. Nun gibt es tausendfache Gerüchte, dass Apple an einem revolutionären Tablet-Computer bastelt und sollte diese Geräte-Gattung tatsächlich eines Tages in den Läden stehen, wäre die Zeit wohl auch reif für das E-Mag der "Welt am Sonntag". Hier haben wir den interessanten Fall, dass Inhalte vor dem eigentlichen Ausgabegerät entwickelt werden.

Optisch, inhaltlich und konzeptionell ist das E-Mag weit besser, als vieles andere, was man bisher in dieser Richtung gesehen hat. Zunächst einmal nutzt das E-Mag die horizontale Bildschirmbreite und orientiert sich nicht an der vertikalen Aufmachung einer Zeitschrift. Die Themen werden auf einer Inhaltsseite übersichtlich präsentiert und fast jedes Thema ist mit Multimedia-Elementen aufbereitet. Wie sich das gehört.

So werden die Anlagetipps von dem Vermögensverwalter Jens Ehrhardt in kleinen Videos vorgestellt. Oder den Ferrari-Autotest gibt es inklusive klickbarer Rennstrecke und Videos. Die schöne Geschichte über bedrohte Orang Utans auf Borneo wird mit Dschungel-Geräuschen sowie klickbaren Schaubildern optisch sehr ansprechend präsentiert. Einzelne Elemente, wie etwas das Video der Tochter von Bestseller-Autor und "WamS"-Kolumnist Jan Weiler, sind sogar reiner Bewegtbild-Content, wie das mittlerweile heißt.

Das überraschende bei dem E-Mag ist vielleicht, dass das Ganze mehr ist als die Summer der Teile. Denn klickbare Schaubilder, vorgelesene Texte, Videos, das ist alles nicht neu oder revolutionär. Die Elemente werden hier aber auf so ansprechende und elegante Weise zusammengebracht, dass es tatsächlich Spaß macht, sich durch das E-Mag zu klicken. Der Mehrwert liegt in der Art der Präsentation, in der Verpackung. Und dafür Geld zu verlangen, ist keine dumme Idee. Ab Frühjahr 2010 soll das E-Mag der "WamS" monatlich erscheinen. Man kann es schon jetzt für sechs Monate zum Preis von 7,50 Euro abonnieren. Das wären dann 1,25 Euro pro Ausgabe. Ist es das wert? Auf jeden Fall. Vorausgesetzt, bis zum Frühjahr gibt es entsprechende Lesegeräte, die ein E-Mag zur Geltung bringen. So gesehen ist das E-Mag der "WamS" eine kleine Wette auf den technischen Fortschritt.

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