„Am Ende zählt das Charisma des Inhalts“

Qualität und Digitalisierung - dies waren die Stichworte, die Springer-Chef Mathias Döpfner im Gespräch mit den "Zeit"-Herausgebern Josef Joffe und Michael Naumann immer wieder betonte. In den ausverkauften Hamburger Kammerspielen stellte sich Döpfner am Sonntag in der„Zeit“-Matinee den Fragen zur aktuellen Medienkrise, den Paid Content-Plänen sowie dem Auslandsgeschäft. Und Döpfner verriet, dass er beim Vergleich der eigenen Verlagsbilanz mit der des Rivalen Gruner + Jahr "stille Freude" empfinde.

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-„Je älter ich werde, desto stärker verfestigt sich bei mir die Erkenntnis, dass der Erfolg in der Branche von den Inhalten abhängt“, sagte Döpfner und wies damit auf die aktuelle Qualitätsdebatte im Journalismus hin. Guter Journalismus, sowohl im Print- als auch im Online-Geschäft, hänge im Wesentlichen von drei Faktoren ab: von selbstrecherchierten, investigativen Neuigkeiten, einer klaren Haltung des Mediums und einer leicht verständlichen Sprache. Döpfner gab zu bedenken, dass diese Ideale in der derzeitigen Krise zugunsten der Konzentration auf neue Vertriebskanäle verfallen würden. „Am Ende zählt das Charisma des Inhalts“, so der 46-Jährige. Wer verstärkt auf Marketing, aggressiven Vertrieb und durchrationalisierte Produktions- und Arbeitsabläufe setze, habe seiner Meinung nach das Geschäft nicht verstanden.
Döpfner kündigte an, in Zukunft auf Digitalisierung setzen. In den nächsten zehn Jahren, so der Wunsch des Verlagschefs, sollten 50 Prozent des Erlöses von den Digital-Töchtern und -Einheiten des Unternehmens stammen.
Bezüglich der Einführung von Paid Content, hielt sich Döpfner zunächst zurück. Man müsse die Leser mit Inhalten begeistern können, für den sie auch bereit sind Geld auszugeben: „Es wäre schon ein riesen Erfolg, wenn es uns gelänge, in dem Zeitraum von zehn bis 15  Jahren überhaupt nur Teile der inhaltlichen Angebote im Internet so zu gestalten, dass die Menschen bereitwillig sind, dafür zu zahlen.“ Dennoch hielt er fest, dass ein Großteil der im Web veröffentlichten Inhalte kostenfrei bleiben werde. Indessen hält der CEO wenig von der Anti-Google-Kampagnen, die einige Verlage betreiben würden. Seiner Meinung nach solle man den Internetgiganten dazu bringen, „Spielregeln und einem verlässlichen Rechtsrahmen zu folgen“. 
In der Unterhaltung, die unter dem Titel „Die ‚vierte Gewalt’? Ein Gespräch über Presse und Freiheit“ stattfand, wurde auch das Auslandsgeschäft des Springer-Verlags angesprochen, das in den vergangenen Tagen durch die Ausweitung des Türkei-Geschäfts und der damit verbundenen Partnerschaft mit der Dogan Medien-Holding Schlagzeilen machte. Döpfner stellte klar, dass die Freiheit der Presse einen hohen Werte habe und Länder, in denen es Zensur gebe, keine potenziellen Märkte für den Verlag darstellten. Um diese Freiheit in der täglichen Arbeit zu wahren, verwies er auf die vier Präambeln, die Verlagsgründer Axel Cäsar Springer formulierte: das Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland in einem vereinigten Europa, die Aussöhnung von Juden und Deutschen und Unterstützung Israels, die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft und Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus. Ferner sagte Döpfner, dass auch die Unabhängigkeit von politischen Parteien und eine solide Staatsferne damit reinspielen.
Angesprochen auf das abgesagte Springer-Tribunal in diesem Jahr, kündigte der Verlagschef für den Jahreswechsel den Start einer Website an, die sämtliche Springer-Texte aus der Zeit der Studentenrevolte 1967/1968 lückenlos auflisten werde. Sicherlich habe der Verlag missglückte Töne hervorgebracht, jedoch habe es auch freiheitliche Töne für die Demonstrationen in der „Welt“ und auch in der „Berliner Zeitung“ gegeben, so Döpfner. Durch das Portal erhoffe er sich, ein differenziertes Bild über die damalige Zeit schaffen zu können.
Zum Ende der Matinee ließ sich Joffe nicht die Spitze nicht nehmen, zu fragen, ob der krisengebeutelte Verlag Gruner + Jahr, bei dem Döpfner unter anderem als Chefredakteur der „Hamburger Morgenpost“ tätig war, in der aktuellen Situation einen Zukauf wert wäre? Döpfner reagierte gelassen: „Als ich Gruner + Jahr vor zehn Jahren verlassen haben, herrschte die Haltung vor ‚Alles blickt auf Springer herab’ und ‚Die schaffen ja noch nicht mal die Hälfte des Ergebnisses wie Gruner + Jahr’. Das hat sich – um es mal höflich zu formulieren – relativiert. Und das ist etwas, was man in stiller Freude auskosten sollte, ohne daraus gleich akquisitorische Bemühungen abzuleiten.“

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