Wickerts Rundumschlag gegen ARD und ZDF

Der ehemalige "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert geht in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hart mit den aktuellen Nachrichtensendungen von ARD und ZDF ins Gericht. Den öffentlich-rechtlichen Sendern fehle ein Verständnis für die politische Grundversorgung, schreibt er. Beiträge bei "Tagesschau", "Tagesthemen", "heute" und "heute journal" seien zudem oft schlampig formuliert. Moderatoren würden sich selbst zu wichtig nehmen und in den Sendern dominiere der Wille zur Unterhaltung.

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"Wenn es um die Sprache geht, bedauere ich, dass nur noch wenige Autoren von Stücken für ‚Tagesschau‘ und ‚Tagesthemen‘ oder für ‚heute‘ und ‚heute-journal‘ den Satzbau beherrschen", schreibt Wickert in der "FAZ". Substantive seien häufig "wie grobes Meersalz" in kurze Sätze gestreut. Der ehemalige "Tagesthemen"-Mann regt sich außerdem über Floskeln wie "ist die Ursache unklar" oder "bleibt es abzuwarten" auf. Wickert: "Wer so textet, ist nicht nur schusselig, sondern denkfaul."

Auch inhaltlich lässt der Elder Statesman der deutschen TV-Nachrichten kein gutes Haar an den Kollegen. So habe ihn sehr geärgert, dass keine Nachrichtensendung das neue Regierungs-Kabinett vollständig vorgestellt habe. Stattdessen wurde ein Bomben-Attentat im Irak zum Aufmacher gemacht. "Hier wird aus einer völlig falsch verstandenen Chronistenpflicht gesendet. Niemand quält sich, den Automatismus, mit dem Bomben in die Nachrichten gelangen, zu hinterfragen", so Wickert.

Auch die Berichterstattung zu den Feierlichkeiten zum Jubiläum des Mauerfalls empfand der Zuschauer Wickert als Zumutung. Während der französische Kanal France 2 live vom Ort des Geschehens sendete, habe die ARD "Sturm der Liebe" gezeigt. Beim ZDF wurde der "wirklich nicht geeignete" Thomas Gottschalk ans Mikrofon gebeten. Dass die ARD ihr Magazin "Fakt" anlässlich des Jubiläums zur Mauerfall-Sendung umfunktioniert hat, findet Wickerts Zustimmung. Moderator Thomas Kausch dagegen nicht. Dass Kausch die Sendung mit seiner "Standardfloskel" "Ciao!" beendete, bewertet Wickert als "peinlich". "Bei außergewöhnlichen Ereignissen muss ein Moderator seine persönliche Note zurücknehmen", schreibt er Kausch ins Stammbuch.

Auch Frank Plasberg bekommt von Wickert sein Fett weg. Dass Plasberg beim Kanzlerkandidaten-TV-Duell ohne Krawatte aufgetreten sei, beweise lediglich seinen mangelnden Respekt. Wickert: "Kürzlich sah ich ihn doch mit Schlips moderieren, aber das war ja auch eine sehr wichtige Unterhaltungssendung." Er wolle nicht als "als Besserwisser mit erhobenem Zeigefinger" wirken, schreibt Wickert zu Beginn seiner Tirade. Das ist ihm nicht gelungen. Gewicht haben seine Worte aber trotzdem.

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