Obama beendet Fox News-Boykott

Das Weiße Haus und der Murdoch-Kanal Fox News haben sich offenbar auf einen Waffenstillstand geeinigt. Während seiner Asienreise gab Präsident Barack Obama jetzt dem rechtskonservativen Nachrichtensender in Peking ein großes Interview. Dabei sparten Obama und Fox-Reporter Major Garrett zur Begrüßung nicht mit ausgewählten und umfangreichen Höflichkeiten. Auch der sachliche Verlauf des Interviews zeigt den guten Willen auf beiden Seiten, einen Kleinkrieg zu beenden, der Beobachtern töricht erschien.

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Die Themen des Fox-Interviews waren Gesundheitsreform, Wirtschaft, Afghanistan und Israel. Auf die Frage, ob die Schließung von Guantanamo schwieriger als gedacht sei, antwortete Obama: "Wir befinden uns auf dem Weg und in einem Verfahren. Ich könnte mir vorstellen, dass Guantanamo im kommenden Jahr geschlossen wird."

Mit dem Interview bricht das Weiße Haus seinen Fox-Boykott. Noch im September hatte Obama erklärt: "Es gibt einen Fernsehsender, der sich ganz und gar der Aufgabe verschrieben hat, meine Regierung anzugreifen." Auch wenn er in diesem Zusammenhang keinen Namen nannte, war klar, wen der Präsident beschuldigte. Im September gab Obama sowohl ABC, CNN, CBS, NBC als auch dem spanischsprachigen Univision Interviews – allen großen TV-Sendern bis auf Fox.

Die offene Auseinandersetzung zwischen dem Weißen Haus und Fox News war im Oktober eskaliert. Damals erklärte Obamas Kommunikations-Chefin Anita Dunn im CNN-Interview, der Murdoch-Sender sei "ein Flügel der Republikanischen Partei". Fox News schlug zurück: Das Weiße Haus verstehe nicht den Unterschied zwischen Nachrichten und Meinung und attackiere den Überbringer schlechter Botschaften. Obama-Berater David Axelrod sprach daraufhin dem Murdoch-Kanal jegliche Seriosität ab: "Fox News ist kein wirklicher Nachrichtensender." Dunn wird übrigens zum Monatsende vorzeitig ihren Posten an ihren Stellvertreter, Dan Pfeiffer, abgeben.

Der konservative Fernsehsender Fox News hatte sich in der Vergangenheit mit Kampagnen und Attacken gegen die US-Regierung und insbesondere den Präsidenten hervorgetan. Obama wurde von dem Sender als "schwarzer Rassist", als "Lügner" und "Gefahr" für Amerika hingestellt. Vor allem aber die Fox-Berichterstattung über Demonstrationen anlässlich der Gesundheitsreform brachte die Regierung auf. Im Blog des Weißen Hauses war in diesem Zusammenhang von "Lügen" die Rede.

An ein Interview war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Fox News erklärte, über Informationen zu verfügen, denen zufolge bis zum Jahresende kein Vertreter des Weißen Hauses bei dem Sender auftreten wolle. Das Weiße Haus dementierte die Behauptung.

Der oberste Fox-Chef, Rupert Murdoch, führt direkt oder in seinen Medien eine Kampagne gegen Barack Obama. Er bezeichnete 2008 die wirtschaftspolitischen Pläne des Präsidentschaftskandidaten als "naiv" und "gefährlich". Murdoch warnte vor einer weiteren Verschlimmerung der Finanzkrise, sollte Obama die Wahlen gewinnen. Im Februar dieses Jahres kam es zum Eklat, als das Murdoch-Blatt "New York Post" eine Karikatur des Präsidenten als Affe abdruckte.

Die Reaktionen auf den Zwist sind in den USA gemischt ausgefallen. Zahlreiche Stimmen werteten die direkte Offensive der Regierung als unklug. Der CNN-Kommentator David Gergen äußerte die Ansicht, die Angriffe der Obama-Regierung hebe die Gegenseite auf das Niveau des Weißen Hauses – was nicht in dessen Interesse liegen könne. Stattdessen würde dieses Vorgehen "die Quoten von Fox weiter in die Höhe treiben."

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