Wikipedia-Fans streiten um gelöschte Texte

Der Streit bei Wikipedia ist zum Happening geworden. Zur jährlichen Spendenkampagne im November haben Kritiker ihrer aufgestauten Frustration über das Löschen von Texten mit Mini-Geldbeträgen und vielen sarkastischen Kommentaren Luft gemacht. Und damit eine rege Diskussion im Netz darüber ausgelöst, wer über die Relevanz von Artikeln entscheiden soll. Eine Sprecherin von Wikimedia erklärte dazu gegenüber MEEDIA: "Das muss in der Wikipedia-Community geklärt werden."

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Eine wahre Flut von 1-Euro-Spenden ist seit dem 12. November auf der Wikimedia.de-Spendenliste eingegangen. Kai Roos schreibt: "Mein Euro für die Wikipedia, gegen Löschwahn." Ein anderer Kommentar lautet: "Für die Löschung meiner relevanten Beiträge…Weiter so, ich schreibe nichts mehr." – "Auf ein weiteres Jahr nachhaltiges Frustrieren motivierter Schreiber." Michael Paepcke schreibt: "Dies war einmal eine 100€-Spende. Leider wurden 99€ davon mangels Relevanz gelöscht!"

"Wir finden, dass das ein sehr kreativer und innovativer Weg des Protests ist", erklärt die Pressesprecherin von Wikimedia Deutschland, Catrin Schoneville, dazu. Allerdings sei die Diskussion um die Handhabung der Artikel nicht abgeschlossen.

Der Ärger bei manchen ehrenamtlichen Mitarbeitern ist groß. Viele sind darüber enttäuscht, dass ihre Artikel aus der Online-Enzyklopädie gelöscht wurden. Sie werfen den führenden Mitarbeitern in der Wikipedia-Administration vor, willkürlich zu entscheiden, welche Artikel mit Verweis auf "Irrelevanz" gelöscht werden.

Der Streit in der Wikipedia-Gemeinde ist alt. Hintergrund des Unmuts ist ein Kampf zwischen zwei Lagern, die seit den Anfangstagen der Wikipedia gegensätzliche Standpunkte vertreten: den "Exklusionisten" und den "Inklusionisten". Während die Exklusionisten für eine Enzyklopädie eintreten, aus der alles Überflüssige entfernt werden muss, kämpfen die Inklusionisten für eine Fülle von Information, auch wenn diese gelegentlich in mangelhaften Artikeln enthalten ist.

So schwarz-weiß, wie manche Kritiker der Wikipedia-Auseinandersetzung zeichnen, ist das Bild jedoch nicht. "Ich gehöre zu den Inklusionisten und will dennoch nicht jeden qualitativ-minderwertigen Müll", schreibt etwa der Wikipedianer Marcus Cyron. "Nur weil man für eine inhaltliche Offenheit ist, kann man dennoch für hohe Qualitätsansprüche sein."

Bei der Wikimedia Deutschland sieht man die Auseinandersetzung gelassen. Die Diskussion innerhalb der Wikipedia sei "lange nicht so hitzig" geführt worden, wie außerhalb. In der Relevanz-Frage werde es keine abschließende Entscheidung geben. Vor allem aber sei es weder die Aufgabe der Foundation noch des Vereins Wikimedia Deutschland, ein endgültiges Urteil zu fällen: "Das muss in der Wikipedia-Community geklärt werden."

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