„The Times“ im Web für 90 Pence

Die Londoner "Times" will als erste Publikation im Murdoch-Reich im Frühjahr 2010 ihre Online-Inhalte kostenpflichtig machen. Dies gab "Times"-Chefredakteur James Harding gestern bekannt. Die Geschäftsführung hat sich gegen Micro-Payments für einzelne Artikel als Bezahlmodell entschieden. Für 90 Pence können Leser den vollständigen Online-Inhalt für 24 Stunden freischalten. Dies entspricht dem Copypreis für eine Printausgabe am Kiosk. Zudem wird es ein längerfristiges Abo-Modell geben.

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Sechs Monate nach der Ankündigung Rupert Mudochs, Paid-Content im News-Corp-Imperium einzuführen, machen "Times" und "Sunday Times" nun den Anfang. "Wir glauben, dass es gut für uns und gut für das Geschäft ist, mit der Trickserei in der Branche endlich aufzuhören", erklärte Harding vor der Society of Editors am Dienstag im englischen Stansted. "Wir wollen echte Verkäufe an echte Kunden und unsere Anzeigenkunden wollen das auch", fügte der Chefredakteur hinzu.
Einem Modell mit Micro-Payments für einzelne Artikel erteilte Harding eine Absage, da es sich negativ auf die Themenauswahl journalistischer Angebote auswirke. Mit solchen Bezahlmodellen müsse man vorsichtig sein, so Harding. "Am Ende schreibt man viel zu viel über Brintey Spears und viel zu wenig über den Tamilen-Konflikt in Sri Lanka."
In Deutschland ist die Diskussion über kostenpflichtige Inhalte im Web unterdessen in vollem Gange. Zuletzt stritt Springer-Chef Mathias Döpfner äußerst medienwirksam mit Arianna Huffington auf dem Media Forum in Monaco über das Thema. Dabei verteidigte Döpfner seine Paid-Content-Strategie. Freier Zugang zu Informationen sei eine der "absurdesten Thesen", die er je gehört habe, eine "Idee von Web-Kommunisten".
Dass sich Paid-Content in Deutschland durchaus durchsetzen könnte, untermauert eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Boston Consulting. Demnach seien 63 Prozent der befragten Deutschen bereit, für Nachrichten im Internet auch Geld zu bezahlen – allerdings nur bei exklusiven lokalen und regionalen Nachrichten sowie einfach zu bedienenden Archiv-Funktionen.

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