„Spiesser“: Das etwas andere Jugendmagazin

Vergangene Woche wurde der "Spiesser" 15 Jahre alt. Die Jugendzeitschrift hat eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. 1994 in Dresden als Schülerzeitung im DIN A4-Format und einer Auflage von 5.000 Exemplaren gestartet, setzt der Verlag heute an 18.000 Schulen und Freizeiteinrichtungen etwa 1.000.000 Exemplare ab. MEEDIA sprach mit Redaktionsleiter Jörg Flachowsky – mit einem Alter von 31 Jahren fast der älteste Mitarbeiter – über das journalistische Konzept und die Online-Pläne des "Spiesser".

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Der "Spiesser" war mal eine Schülerzeitung. Trifft dieses Label 15 Jahre nach der Gründung noch zu?
Ja und nein. Unsere Philosophie ist: Jugendliche schreiben für Jugendliche. Wir verstehen uns als Nachwuchs-Schmiede, arbeiten aber journalistisch professionell.

Was unterscheidet sie von "Bravo" & Co.?
Wir sind geerdet und finden nicht in Hollywood statt. Ich kenne zum Beispiel keinen Jugendlichen, der sich dafür interessiert, ob bei Britney Spears mal wieder der Schlüpfer verrutscht ist. Die lachen da eher drüber. Auch finden Sie bei uns nichts zum Thema Klingeltöne weder redaktionell noch auf der Anzeigenseite. Häufig wird unterschätzt, dass Jugendliche zu allen Themen, mit denen man an sie herantritt eine Meinung haben. In der Diskussion verfeinern wir diese Meinungen und nehmen sie ins Heft auf. Wir sind also der Gegenentwurf zu Jugendmagazinen, die allein auf Trash, Promis und Lifestyle setzen.

Wie sieht ihr journalistisches Konzept aus?
Wir lassen Jugendliche sprechen und folgen drei Leitlinien. Wir sind authentisch, meinungsstark, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Es gibt beim "Spiesser" inzwischen etwa 270 Autoren, die in der ganzen Republik verteilt sind. Mit denen diskutieren wir über Themen und Texte. Das heißt wir sind ganz nah an den Jugendlichen und deren Themen dran. Die Redaktion ist dafür da, das Ganze professionell abzusichern.

Wie sieht das konkret aus?
Wir schicken regelmäßig Emails an unsere Autoren raus, reden mit ihnen bei Autorentreffen und fragen, was sie von diesem oder jenem Thema halten. Damit kurbeln wir Diskussionen an, die im Endeffekt in Artikeln für das Heft münden. Es kommt natürlich auch vor, das die Mehrheit ein Thema ablehnt, weil es zum Beispiel nicht mehr aktuell ist. Häufig geht die Initiative auch von unseren Autoren selbst aus oder von Jugendlichen, die anfangen wollen, für uns zu schreiben.

Ihre Online-Präsenz gibt es seit 1999. Welche Pläne haben Sie im digitalen Bereich?
Im Septemberheft haben wir etwas Neues probiert. Magazin und das Portal sind jetzt sehr eng miteinander verknüpft. Der Klassiker ist ja, dass wir weiterführende Informationen zu unseren gedruckten Artikeln auf der Webseite anbieten. Es gibt aber auch neue Formate. Wir bieten zum Beispiel Nutzern die Chance, mit den besten Artikeln ins Heft zu kommen. Unsere Titelgeschichte ist zum Beispiel zur Hälfte von Spiesser.de-Nutzern geschrieben worden. Außerdem führen wir im Web viele Umfragen durch. So lassen wir die Community darüber abstimmen, welches Titelbild gedruckt wird.

Wie sehen die Themen aus, die man im "Spiesser" findet?
Wir haben eigentlich alle Themen im Heft. Auch solche, von denen man nicht meinen würde, dass Jugendliche sich dafür interessieren. Dabei brechen wir komplexe Themen wie Politik runter auf die Interessen der Jugendlichen. Natürlich bedienen wir auch die klassischen Jugendthemen wie Schule, Berufswahl, Studium, Freizeit, Musik oder der Umgang mit Geld.

Bekommen die Autoren Geld für ihre Beiträge?
Selbstverständlich bezahlen wir Honorare für Artikel und Fotos.

Und wie finanzieren Sie das?
Wir sind ein kleiner Verlag mit etwa 30 Mitarbeitern und finanzieren uns über Werbung. Ministerien, Institutionen, Stiftungen, Unternehmen und Agenturen bieten wir ein attraktives Umfeld, um Jugendliche auf Kampagnen, Initiativen und Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Das funktioniert gut, denn wir schreiben schwarze Zahlen. Bei uns hat es niemals Hau-Ruck-Aktionen gegeben. Wir sind ein kontinuierliches, sehr gesund wachsendes Unternehmen.

Wie sehen die nächsten 15 Jahre bei "Spiesser" aus?
So weit haben wir noch nie vorausgeschaut. Wir haben uns immer auf die nächsten Schritte konzentriert und sind damit bisher gut gefahren. Diesen Weg werden wir weiterverfolgen. Als nächstes steht sicherlich eine kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Internet-Portals an. Da kommen spannende Zeiten auf uns zu.

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