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Philipp Justus: Springers neuer Kronprinz

Eine Personalie mit Perspektive: Mit Philipp Justus präsentierte die Axel Springer AG nicht nur einen neuen Chef für ihre große Web-Hoffnung Zanox. Der ehemalige Ebay-Top-Manager ist die international wohl profilierteste deutsche Web-Führungskraft. 2006 wählte das World Economic Forum Justus zu einem der „Young Global Leader“. Wenn sich so ein Mann dazu entscheidet, von Kalifornien nach Berlin zu ziehen, dann sieht er eine echte Karriere-Perspektive. Zumindest ein Vorstandsamt dürfte er sich ausrechnen.

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Eine Personalie mit Perspektive: Mit Philipp Justus präsentierte die Axel Springer AG nicht nur einen neuen Chef für ihre große Web-Hoffnung Zanox. Der ehemalige Ebay-Top-Manager ist die international wohl profilierteste deutsche Web-Führungskraft. 2006 wählte das World Economic Forum Justus zu einem der „Young Global Leader“. Wenn sich so ein Mann dazu entscheidet, von Kalifornien nach Berlin zu ziehen, dann sieht er eine echte Karriere-Perspektive. Zumindest ein Vorstandsamt dürfte er sich ausrechnen.
Mit diesen Ambitionen würde der neue Springer-Mann automatisch zu einem, der  sich Andreas Wiele (Vorstand "Bild"-Gruppe und Zeitschriften ) oder Peter Würtenberger (Chief Marketing Officer) ebenbürtig fühlt. Würtenberger dürfte sich als ehemaliger Yahoo-Deutschland-Chef sicherlich noch seinen damaligen Ebay-Kollegen erinnern. Beide Manager starteten in den wilden Jahren der New Economy karrieretechnisch so richtig durch.

Wie Würtenberger gehört Justus zu den wenigen einheimischen Managern, die bereits eine zehnjährige Internet-Erfahrung vorweisen können und nicht in diversen Start-ups arbeiteten, sondern in einem multinationalen und börsennotierten Konzern.

Im Gegensatz zu der ambitionierten deutschen Gründer-Riege um Stefan Uhrenbacher (Qype.com), Lars Hinrichs (Xing) oder Ibrahim Evsan (Sevenload), hat Justus bereits bewiesen, dass er nicht so schnell die Lust an einem Unternehmen verliert. Alle drei deutschen Star-Entrepreneure hatten innerhalb der vergangen zwölf Monate ihren Chefposten in den von ihnen aufgebauten Web-Companies nach nur wenigen Jahren der Aufbauarbeit verlassen, um sich neuen Projekten zu widmen.

Ein Konzern, wie die Axel Springer AG kann mit so viel persönlicher Individualität kaum etwas anfangen. In börsennotierten Unternehmen sind keine kreativen oder chaotischen Visionäre gefragt, sondern intelligente Offiziere, die es gewohnt sind zu führen, aber auch mit dem notwendigen Verwaltungsaufgaben zurecht kommen. Justus entspricht diesem Anforderungsprofil

Seit 2000 ist der ehemalige Boston-Consulting-Berater Justus innerhalb von Ebay immer weiter die Karriereleiter nach oben geklettert. Bis 2004 baute der 40-Jährige das Deutschland-Geschäft auf – eine Meisterleistung. In den Jahren der tiefen Post-New-Economie-Depression machte er aus der deutschen Auktionsplattform, die erfolgreichste Ländertochter außerhalb des US-Angebotes. Justus profitierte davon, dass sich in den Jahren ab 2000 der Geiz-ist-Geil-Trend immer mehr verstärkte. Wenn ein Online-Angebot aus den Deutschen ein Volk von Schnäppchenjägern gemacht hat, dann war es Ebay. Mit dieser Leistung dürfte sich Justus zumindest den Respekt des "Bild"-Managements sicher sein. Denn mit den unzähligen Volksprodukten beackern die Springer-Verkäufer ein ganz ähnliches Markt-Segment.

Während seiner Deuschland Regentschaft zeigt der Ebay-Manager eine weitere Fähigkeit, die zu Springer passt. Mit geschickten Zukäufen, etwa von Mobile.de, unterstützte Justus mit großem strategischen Geschick die Expansion des Marktplatzes. Mit den Akquisitionen von Digital Windows, Stepstone oder auch Zanox, agiert Mathias Döpfner ganz ähnlich.

Ab 2004 übernahm Justus das Europageschäft von Ebay. Sein Nachfolger wurde der heutige Xing-Chef Stefan Groß-Sellbeck. 2006 folgt der wohl größte Karriere-Schritt für Justus. Mit 37 Jahren wechselte er in die Konzerntentrale nach San Jose. Die damalige Ebay-Chefin holte ihren vertrauten EU-Mann direkt an ihre Seite. In den USA übernahm Justus als erster Europäer das US-Auktionsgeschäft – das Herz der Web-Company.

Mit dem Ausscheiden von Meg Whitman als Ebay-Chefin dürfte auch die Position von Justus schwieriger geworden sein. Denn 2008 gab ihn der neue CEO John Donahue den Posten als Senior Vice President Global Markets der Ebay-Tochter PayPal. Toller Titel, aber sicherlich mit wengier Einfluss als zuvor ausgestattet.

Es ist müßig zu spekulieren, ob sich die Karriere des Vorzeige-Managers bei Ebay in einer Sackgasse befand und er deshalb den Ruf der Axel Springer AG folgte. Denn selbst wenn Justus keine Lust mehr auf das Online-Auktionshaus hatte: Nur um einen Internet-Marketing-Spezialisten zu führen, geht solch ein dekorierter Unternehmens-Offizier nicht zurück nach Berlin.

Justus sieht bei Springer offenbar eine Perspektive auf höhere Ämter. Dazu muss es dem ehemaligen Unternehmensberater allerdings gelingen, Zanox weiterhin auf Wachstumskurs zu halten und die schwierige Situation zu meistern, dass die drei Gründer das Start-up verlassen und sich deshalb auch die Unternehmenskultur ändern wird.

Exakt diese Herausforderung meisterte Justus bereits. Er stieg zu einem Zeitpunkt bei Ebay-Deutschland ein, als das US-Unternehmen gerade den einheimischen Konkurrenten Allando.de schluckte. Für 60 Millionen Mark wechselte die Plattform damals den Besitzer. Treibende Kraft hinter dem Verkauf waren junge Allando-Mitgründer Marc, Oliver und Alexander Samwer. Dieser Deal war ihr erstes großes Webgeschäft. Damals starteten zwei Karrieren: die, der drei Brüder und die des jungen Web-Managers Philipp Justus. Beide Karrieren scheinen noch lange nicht am Ende.

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