G+J-Chef: Der „Schwarze Freitag“ wirkt nach

Gäbe es einen Preis für den besten Entertainer im Verlags-Business, dann würde ihn Bernd Buchholz gewinnen. Auch auf dem Podium beim VDZ-Zeitschriftenkongress hatte der Gruner + Jahr-Vorstandschef die Lacher auf seiner Seite, erntete mit seinen Sprüchen Szenenapplaus. Doch sein Showtalent konnte nicht verbergen: Der 48-Jährige wirkte „angefressen“, teilte aus und keilte zurück – selbst wenn er gar nicht angegriffen wurde. Der „Schwarze Freitag“ im eigenen Haus scheint nicht spurlos vorübergegangen zu sein.

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Gäbe es einen Preis für den besten Entertainer im Verlags-Business, dann würde ihn Bernd Buchholz gewinnen. Auch auf dem Podium beim VDZ-Zeitschriftenkongress hatte der Gruner + Jahr-Vorstandschef die Lacher auf seiner Seite, erntete mit seinen Sprüchen Szenenapplaus. Doch sein Showtalent konnte nicht verbergen: Der 48-Jährige wirkte „angefressen“, teilte aus und keilte zurück – selbst wenn er gar nicht angegriffen wurde. Der „Schwarze Freitag“ scheint nicht spurlos vorübergegangen zu sein.

An diesem Tag der vergangenen Woche war ein Schreiben von Redaktionsbeiräten der Qualitätstitel „stern“, „Geo“, „Geo Saison“ und „Brigitte“ publik geworden und hatte den internen Dissonanzen über die künftige Ausrichtung eine breite Öffentlichkeit verschafft. Auch am Montag konnte das Bild einer insgesamt fehlenden Geschlossenheit nicht ausgeräumt werden. Zwar dementierte „Geo“-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede via MEEDIA aktiv den Eindruck eines Flächenbrands am Baumwall. Zwar distanzierte sich – auf Anfrage – die „Brigitte“-Chefredaktion vom „Ton“ der Protestler, teilten die „stern“-Köpfe Thomas Osterkorn und Andreas Petzold (ebenfalls auf Anfrage) mit, dass Interna auch intern geregelt werden müssen. Eine Solidaritätsnote für den Vorstand war unterm Strich nicht dabei.

Bernd Buchholz weiß das, und es wird für ihn nicht dadurch einfacher, dass er auf die harte Kritik der Beiräte selbst mit Härte reagiert und eine Entschuldigung zur Gesprächsvoraussetzung gemacht hatte. An diesem Montag in Berlin redet er schnell und legt sich seine Gegner zurecht. Den Keynote-Redner und den Moderator Roland Tichy. Die Journalisten. Buchholz geht kompromisslos nach vorn, langt in die Vollen. Er scheint regelrecht auf Krawall gebürstet. Man fragt sich: Wer könnte diesen Mann bremsen, wenn es an der Zeit ist?

Als hätte er nicht schon eine Baustelle zuviel, macht der G+J-Chef auf dem VDZ-Podium weitere auf: So fordert er reichlich illusorisch die Abschaffung der Mehrwertsteuer für Printprodukte als „größte staatliche Lesehilfe“, greift den Direktor des Kölner Instituts für deutsche Wirtschaft Michael Hüther gleich mehrfach wegen dessen kluger, wenn auch pessimistischer (sollte man sagen: realistischer?) Keynote an, philosophiert ein wenig medienfern über die Exportchancen der deutschen Wirtschaft, sieht vieles anders als die Experten in der Runde.

Das wäre nicht unbedingt ein Problem, denn bei der Diskussion zum Thema „Views From The Top – Die Zukunft gewinnen“ saßen neben dem Verlagschef je ein Vertreter der Deutschen Post, der Unternehmensberatung KPMG sowie des Chemie-und Pharmakonzerns Merck. Warum Bernd Buchholz das Doktoren-Quartett ergänzt und nicht bei den später auf dem Podium versammelten Verlagsvorständen und Geschäftsführern zu finden ist, war nicht recht ersichtlich. Es hätte allerdings noch deutlicher gemacht, wie sehr sich die Herangehensweise von Gruner + Jahr in diesen Monaten von der der Wettbewerber unterscheidet.

Die, so scheint es, konzentrieren sich mehr als zuvor auf das Kerngeschäft, reformieren behutsamer als Buchholz es bei Gruner + Jahr als überlebenswichtig postuliert hat. Und sie liegen damit genau auf der Wellenlänge des VDZ-Kongresses 2009. Wer sich abseits vom offiziellen Programm bei den Verlags-Oberen umhört, erfährt, dass viele den Lautsprecher vom Baumwall als Type interessant finden, seine Offenheit und seinen Charme bewundern.
Wenn es um Fachfragen geht, fallen die Urteile dezenter aus. Vielleicht hat sich Bernd Buchholz zuviel vorgenommen, vielleicht ist das Innovationstempo des Energiebündels zu hoch. Und womöglich ist er den Produkten auch ferner als es manche Vorstände sind, die das Mediengeschäft von der Pike auf gelernt haben. Vergessen wir nicht: Der Vorstand am Baumwall, der vor Jahren mal acht Sitze hatte, ist auf drei geschrumpft. Buchholz ist Chef und Zeitschriftenvorstand zugleich. Es gibt einen Auslands- und einen Finanzchef. Reicht das für die Herausforderungen der Krise?

„Kein Verlag hat im Krisenjahr 2009 so viel Neues versucht wie Gruner + Jahr“, konstatiert der Vorstandschef und nennt fünf Magazin-Innovationen im Oktober. Dass die im Männersegment gelaunchten Zeitschriften-One Shots dem Medienhaus dem Vernehmen nach sämtlich sehr übersichtliche Verkäufe bescheren werden, erwähnt er nicht. Stattdessen erklärt Buchholz, dass er angesichts der angepeilten Sanierungsmaßnahmen „frohen Mutes“ sei: „Wir haben die Apokalypse nicht vor uns, wir glauben an die Zukunft.“ Das ehrt ihn, aber mehr denn je kommt es darauf an, dass hierfür ein klarer Weg und rasch greifende Maßnahmen aufgezeigt werden.

Wie aber werden die bei Gruner + Jahr aussehen? Buchholz spricht vom strategischen Neugeschäft, von Information Services für professionelle Abnehmer. Doch dieses Wachstumsfeld wird sich, bekannte der für diese Sparte zuständige G+J-Manager kürzlich im verlagseigenen "Greenport", erst in drei bis fünf Jahren kultivieren lassen. Buchholz sieht darüberhinaus im Shift von „autarken Manufakturen“ hin zu „Plattformstrukturen“ eine Lösung für die Redaktionen, ohne zu erklären, was das für die Objekte bedeuten würde: Soll die Humor- oder Rätselseite des „stern“ künftig auch in der „Brigitte“ erscheinen?

So detailliert geht’s auf dem Podium gar nicht zur Sache. Aber als Moderator Roland Tichy Fragen zur Stimmung im Hause stellt, fängt der „Wiwo“-Chef sofort den Konter von Buchholz: „Schon wieder die Journalisten! Alles ist eingefärbt: schwarz-weiß, schwarz-weiß. Das sind Klaviermodelle.“ Hier, so ahnt man, geht einer schon in Kampfstellung, wenn sein Gegenüber nach der Uhrzeit fragt. Und man grübelt: Wie strahlen solche Sprüche auf sein Haus zurück? Wie gut hört der Chef seinen Leuten zu? Wie sensibel erspürt er die Stimmungen und Strömungen auf den Fluren?

Dass es Unruhe gebe angesichts der Strukturveränderungen, sei klar, sagt Buchholz: „Wir müssen uns zurücknehmen, das tut weh. Wir sind ein Haus, in dem viel miteinander geredet wird. Da raucht es schon mal im Kamin.“ Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Etwas weniger davon würde dem Vorstandschef Bernd Buchholz gut tun.

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