„Welt Kompakt“ Vorbild für junge „Bild“

Bei Springer wird offenbar die Idee von der jungen "Bild" aus der Mottenkiste geholt. Laut "Spiegel" bastelt eine Projektgruppe an einer "Bild"-Variante, die jüngere Leser ansprechen soll. Das Projekt unter dem Arbeitstitel "Bild Format" verzichte auf "alte" Themen, wie Volksmusik, Rentner-Wut oder altersbedingte Krankheiten. Außerdem würde die junge "Bild" wohl im Tabloid-Format erscheinen. Neu ist die Idee einer jungen "Bild" nicht. Das Projekt geisterte immer mal wieder durch die Branche.

Anzeige

Zuletzt hatte der frühere "B.Z."-Chefredakteur und derzeitige "BamS"-Chef Walter Mayer, als er noch Mitglied der "Bild"-Chefredaktion war, im Jahr 2004 ein Konzept für eine junge "Bild" entwickelt. Damals war die Rede von einer "jungen Bild" oder gar einer "Billig-Bild". Arbeitstitel war mal "Die Neue". Das Projekt war freilich nie mehr als ein Schreckgespenst für die Konkurrenz. Springer wollte u.a. M.DuMont Schauberg in Köln und potenziellen Gratisverlegern aus dem Ausland signalisieren, was man denn noch so alles in der Schublade hat, wenn einer ernsthaft die "Bild" anpinkeln will.

Von sich aus hat Springer den Ableger nie gestartet, die Kannibalisierung der großen "Bild" wäre wohl zu groß gewesen. Von Gratiszeitungen redet keiner mehr. Die große "Bild" verliert beständig an Auflage und im neuen Konzept scheint auch nicht die Rede davon zu sein, dass "Bild Format", oder wie auch immer das Projekt später heißen könnte, zwingend billiger sein muss als die große "Bild". Damit wäre auch kein Kannibalisierungseffekt gegeben.

Im Juni testete Springer zudem in München eine aufs Tablod-Format runtergeschrumpfte "Bild", die genau wie die große für 60 Cent verkauft wurde. Die Test-Ergebnisse wurden unter Verschluss gehalten. Immerhin scheinen sie so gewesen zu sein, dass man nun weiter an einer Tabloid-"Bild" herumbastelt.

Es wird wohl darum gehen, die Marke "Bild" für verschiedene Zielgruppe zuzuschneiden. Ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke angesichts der andauernden Auflagen-Erosion. Als Vorbild dient offenbar die recht erfolgreiche "Welt Kompakt", die mit kleinem Tabloid-Format und vielen Internet-Themen neben der großen "Welt" mittlerweile ihren Platz gefunden hat und die Auflage der "Welt" stützt. Weitere Details über das junge "Bild"-Projekt, die der "Spiegel" erfahren hat: Das Entwicklungsteam besteht aus 15 Mann, als Testmarkt kommt Frankfurt in Frage (viele Pendler, keine Boulevard-Konkurrenz), die Nackte von Seite 1 wurde in den Sportteil abgeschoben.

In Kürze, so der "Spiegel", soll die junge "Bild" der Chefredaktion präsentiert werden. Gibt es dort ein "go", müsse noch der Vorstand seinen Segen geben. Von offizieller Seite wird das Projekt weder bestätigt noch dementiert. Aus dem Verlag ist allerdings zu hören, dass sich das Projekt noch in einem "sehr, sehr frühen Stadium befinde." Von einer Marktreife in absehbarer Zeit könne keine Rede sein.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige