ORF: 414 Arbeitsplätze in Gefahr

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz legt dem Stiftungsrat ein drastisches Sparprogramm vor. Offenbar sollen bis Ende 2011 rund 52 Millionen Euro an Personalkosten eingespart werden. 414 Mitarbeitern müssten nach Informationen von Profil.de den Sender verlassen, betroffen seien Arbeitsplätze im gesamten Konzern. Zudem soll bei Sozialleistungen gespart werden, weitere 25 Millionen Euro bei den Sachkosten. Das Sparpaket war für Wrabetz die letzte Chance, seinen Posten als Generaldirektor zu behalten.

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Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich befindet sich in einer schwierigen Situation. Die Konkurrenz aus dem privaten Lager wird immer größer, das Geschäft mit Werbung zunehmend schlechter. Der Sender erwartet bis Jahresende nur noch einen Werbeerlös von 208 Millionen Euro. 2008 waren es noch 220 Millionen Euro. In den Jahren vor der Anzeigenkrise verdiente der Sender im Schnitt 300 Millionen Euro mit Werbung. Jetzt mussten die ORF-Vermarkter ihre Preisliste um 15 Prozentpunkte nach unten korrigieren.

Generaldirektor Wrabetz stand in den letzten Monaten unter besonderer Beobachtung. Bundeskanzler Werner Feymann hatte im Frühjahr die Ablösung Wrabetz in Aussicht gestellt. Nur mit einem effizienten Sparplan konnte sich der 49-Jährige jetzt im Amt halten. Sollte das Programm erfolgreich sein, ginge der Sender mit Plus-Minus-Null aus dem Geschäftsjahr 2010. Im vorangegangenen Jahr machte der ORF noch einen Verlust von 79 Millionen Euro und im laufenden Jahr wird ein Defizit von 53 Millionen erwartet.

Die konkreten Maßnahmen, um dies zu erreichen, betreffen vor allem die Personalkosten. Bis Ende 2011 soll der Personalstand im Konzern (also inklusive des Inkasso-Unternehmens GIS, der Senderkette ORS und der Vermarkterfirma Enterprise) um 414 reduziert werden. Zudem gibt es für Dienstreisen weniger Diäten, die Zuzahlung zur Betriebspension wird gestoppt, Jubiläumsgelder für langjährige Mitarbeiter werden gestrichen und Überstunden werden begrenzt. Für 2010 ist eine Nulllohnrunde vorgesehen.


"Mit dieser Personalreduktion, dem Druck auf jede einzelne Kostenstelle, dem Beitrag der ORF-Belegschaft inklusive dem erstmaligen Eingriff in Vertragsleistungen, sind wir nicht nur den sogenannten ‚Hausaufgaben‘ im vollen Umfang nachgekommen, sondern haben auch jene Reduktionsgrenze im Unternehmen erreicht, die es uns gerade noch ermöglicht, im großen und ganzen die Leistungsbreite und die Erfüllung unserer Aufgaben aufrechtzuerhalten“, sagte Wrabetz. "Es gilt aber auch festzustellen, dass wir einige sehr schmerzhafte Entscheidungen auch im Programm treffen mussten“.

Bei den Sachkosten sollen weitere 25 Millionen eingespart werden. Demnach werde weniger Geld für Lizenzen für Sportübertragungen, Produktionskosten, Telefon und Energie zur Verfügung gestellt. Auch die Förderung österreichischer Kinofilme fällt künftig weg, bislang investierte der ORF hierfür sechs Millionen Euro im Jahr. Außerdem wird der Sender „Sport plus“ verschlankt. Die Aufrechterhaltung der "Verösterreicherung" des Programms in der bisherigen Höhe sei nicht mehr möglich, heißt es in einem Freitag versendeten Vorab-Mail an die Stiftungsräte.

Die Kürzungen sind jedoch auch als Drohgebärde des öffentlich-rechtlichen Senders gegenüber der Regierungskoalition zu verstehen. Der ORF fordert unter anderem die Erstattung von 60 Millionen Euro aus Gebührenbefreiungen durch Steuermittel.

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