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Enke, Weimer, Döpfner, Knüwer

Der Suizid von Robert Enke beschäftigte Menschen und die Medien. "Bunte" aktualisierte sogar die Ausgabe dieser Woche nachträglich. Bei der ARD zeigt man schon wieder krawallige Fußball-Trailer. In München wird spekuliert, ob sich der designierte "Focus"-Chef Wolfram Weimer einen Vize mit zu seinem neuen Arbeitsplatz nimmt. Thomas Knüwer will der "Welt Kompakt" schon wieder einen Relaunch verpassen und der Spiegel-Verlag lernt mit dem Thema Kündigungen umzugehen.

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Bei "Cicero" übernimmt zum 1. Januar der bisherige Stellvertreter Wolfram Weimers Markus Hurek kommissarisch die Leitung der Redaktion. Weimer wird dann wohl im Laufe des ersten Quartals seinen neuen Job als "Focus"-Chefredakteur antreten. Hurek und Weimer wird nachgesagt, dass sie gut miteinander können. Die Chemie stimmt offenbar. Gleichzeitig ist bekannt, dass Ringier für "Cicero" einen Nachfolger für Weimer von außerhalb sucht. Hureks Redaktionsleitung dürfte also nur eine Übergangslösung sein. Im "Cicero"-Umfeld wird spekuliert, dass er Weimer im Laufe des kommenden Jahres zum "Focus" nachfolgen könnte. Mal sehen. Weimer wird gewiss nicht so naiv sein, ganz ohne eigene Gefolgschaft beim "Focus" das große Umkrempeln anzufangen. Die notwendige Rückendeckung durch Verleger Hubert Burda und Vorstand Philipp Welte dürfte er haben.

Der Suizid von Nationaltorhüter Robert Enke hat das Land erschüttert. Der Fußball-Länderspielzirkus findet indes schnell zum alltäglichen Dschingderassabumm zurück. Während das für Samstag geplante Länderspiel gegen Chile aus Pietätsgründen abgesagt wurde, wird kommenden Mittwoch gegen die Elfenbeinküste aufgespielt. Dagegen ist prinzipiell auch nichts zu sagen. So schlimm die Tragödie ist, das Leben geht weiter. Ein bisschen irritiert konnte man aber ob der ARD-Trailer zu dem Spiel sein. Bereits am Donnerstag schaltete die ARD fleißig Gute-Laune-Trailer für das Länderspiel.

Einen echten Kraftakt anlässlich der Nachricht vom Tod Enkes leistete sich "Bunte". Das aktuelle Heft, bereits fertig produziert mit Carla Bruni auf dem Titel, wurde um 16 Seiten erweitert, Enke auf den Titel gepackt. Die aktualisierte "Bunte" liegt dann ab Samstag am Kiosk. Die Auflage wurde dafür um 180.000 Exemplare erhöht. Eine Aktualisierung, die im Web bloß ein Maus-Klick ist, bedeutet im Print-Business einen gewaltigen Aufwand, der eine ganze Stange Geld gekostet haben dürfte. Man darf gespannt sein, ob sich das für "Bunte" auflagenmäßig lohnt.

Der Schreckensbegriff "betriebsbedingte Kündigungen" macht die Runde beim Spiegel Verlag. Bislang gehörte es zum Selbstverständnis des Hauses, dass über so etwas wie "betriebsbedingte Kündigungen" höchstens berichtet wird. Das könnte sich bald ändern. Sowohl in der Berliner Dependance von Spiegel TV als auch beim Online-Ableger des "Manager Magazins" könnten Jobs gestrichen werden. Die Holter-di-Polter-Manier mit der dies intern verkündet wurde, zeigt, dass das Haus noch keine großen Erfahrungen mit der Thematik hat. Beim gedruckten "Spiegel" ist es unterdessen verdächtig ruhig. Der Grund: offenbar werden in jüngerer Zeit verstärkt Altersteilzeitmodelle gewählt, um dort den Personalstand anzupassen. Aufgrund des höheren Altersdurchschnitts der Redakteure bei der Zeitschrift, geht der Stellenabbau darum beim Magazin viel geräuschloser über die Bühne als bei den neuen "Spiegel"-Medien.

Wie schnell sich Missverständnisse im Web verbreiten, konnte man in dieser Woche am Beispiel des Monaco Media Forums besichtigen. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner nuschelte im englischen Streitgespräch mit Arianna Huffington irgendetwas von einer neuen Zeitung mit Blog- und Twitter-Inhalten, die sein Haus mache. Der ehemalige "Handelsblatt"-Blogger und frischgebackene Berater Thomas Knüwer lauschte und bloggte sogleich etwas von "Breaking News: ‚Welt Kompakt‘ Relaunch mit Social Media". Angeblich hat Döpfner Knüwer das nach dem Panel auch nochmal so in der Art bestätigt. Stimmt aber alles nicht. Laut Springer gibt es keine aktuellen, über die kürzlich kommunizierten Änderungen bei "Welt Kompakt" hinausgehenden Pläne. Wenn man sich das YouTube-Video von dem Döpfner/Huffington-Gespräch anschaut, kann man sich schon fragen, wie Knüwer daraus folgerte, es könne schon wieder ein Relaunch anstehen. Dass er das offensichtliche Missverständnis in seinem Blog nicht zugibt, sondern Döpfner und Springer peinliches Verhalten nachsagt und sich fragt, ob Döpfner selbst nicht wisse, was in seinem Haus vor sich gehe, ist ein bisschen seltsam. Jetzt muss Springer den nächsten "Welt Kompakt"-Relaunch wohl vorziehen – der Knüwer hat’s schließlich geschrieben.
Nachtrag, 17.02 Uhr:
Thomas Knüwer merkt hierzu Folgendes an: "Der Artikel behauptet, ich hätte nicht mit Döpfner gesprochen und hätte Schlüsse aus seiner Rede gezogen. Ich aber habe mich vorgestellt und ihn explizit gefragt. Der Artikel stellt mich so dar, als hätte ich einen Fehler gemacht oder hätte etwas falsch geschildert. Das ist nicht der Fall."

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