Spiegel: Stellenabbau auch bei MM Online

Gleich doppelt geistert das Krisengespenst "Betriebsbedingte Kündigungen" in diesen Tagen durch die Spiegel-Gruppe. Nachdem MEEDIA in der vergangenen Woche berichtete, dass in der Berliner Dependance von Spiegel TV massiv Stellen im Bereich Online Bewegtbild abgebaut werden, ist nun ein weiteres Segment der Spiegel Net GmbH betroffen: Bei Manager Magazin Online werden Jobs gestrichen. Wie viele, ist noch unklar. Nach MEEDIA-Informationen wird rund ein Drittel der 20 Stellen eingespart.

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Am Donnerstagmorgen verbreitete die Pressestelle des Verlags eine Stellungnahme des Spiegel Net-Geschäftsführers Fried von Bismarck, der entsprechende Planungen bestätigte: "Die Chefredaktion von manager magazin Online berät zurzeit über eine neue Konzeption unseres Internetangebots, die auch die veränderten Vermarktungs- und Erlösperspektiven berücksichtigen soll. Wir gehen davon aus, dass die dadurch bedingten strukturellen Veränderungen in der manager magazin Online GmbH auch Personalmaßnahmen notwendig machen werden."
Fried von Bismarck reagierte damit auf eine Twitter-Meldung des Mediendienstes "ViSdP" vom Mittwochabend. Der hatte unter Bezug auf eine Mitarbeiterversammlung von Stellenstreichungen berichtet. Beim Spiegel legt man Wert darauf, dass der Personalabbau mit Augenmaß erfolgt. "Es ist dabei unser gemeinsames Ziel, Kosten einzusparen, ohne die Substanz unserer journalistischen Produkte zu beeinträchtigen", so von Bismarck. Und: Über den Umfang der Einsparungen können wir uns im Moment nicht äußern. Tatsächlich scheint es, als verfolge der Spiegel bei der Neustrukturierung das Ziel, beim Manager Magazin Print und Online stärker zu verzahnen. Wie das Konstrukt dabei aussehen wird, ist offen.
Am Mittwoch hatte der Spiegel auf Anfrage von "W&V" bestätigt, dass im Berliner Büro von Spiegel TV sowie am Hamburger Stammsitz 8,5 der insgesamt 35 Stellen der Online Bewegtbild-Unit eingespart werden. Zugleich würden bei Spiegel Online jedoch 7 Stellen für TV/Video-Reporter neu geschaffen. Diesen Rechenspielen können selbst Eingeweihte nicht problemlos folgen, gilt es doch als offenes Geheimnis, dass die Online Bewegtbild-Offensive von Spiegel TV in der Vermarktung nicht gezündet hat. Einsparen, um danach Stellen zu schaffen – wirklich schlüssig klingt das nicht. Quellen im Verlag sprechen entgegen der verlautbarten Version davon, dass die sieben Stellen, die nun neu geschaffen werden, tatsächlich vorher ebenfalls eingespart wurden – zusätzlich zu den "offiziellen" 8,5.
Eine offene Frage ist zudem, wie die Gruppe die Stellenstreichungen bis zum 1. Januar durchsetzen will, ohne dabei zum Mittel der betriebsbedingten Kündigung zu greifen. Das setzt Freiwilligkeit bei den Betroffenen oder Abfindungen deutlich über dem üblichen Maß voraus.
Die Finanzierung der Online Bewegtbild-Aktivitäten erfolgte nach MEEDIA-Informationen in den vergangenen Jahren über eine sogenannte Sonderrisiko-Rückstellung, die aus dem Verkauf des Senders XXP Anfang 2006 gebildet worden war. Diese angeblich rund sechs Millionen Euro, heißt es aus dem Unternehmensumfeld, seien nun aufgebraucht, die finanzielle Deckung weiterer Aktivitäten damit nicht mehr gegeben. Geschäftsführer Fried von Bismarck wird sich wohl auch fragen müssen, warum er angesichts der langfristigen Erlösentwicklungen auf diesem Experimentierfeld nicht früher gegengesteuert hat. Nun scheint es, als müsse alles ganz schnell gehen. Beim Manager Magazin Online wie bei der Spiegel TV unterstellten Abteilung Spiegel TV Online News, für die von Bismarck ebenfalls als Geschäftsführer verantwortlich ist.
Spekulationen, wonach auch das offenbar ebenfalls aus dem XXP-Rückstellungs-Fonds finanzierte und in Kooperation mit dem Nürnberger Olympia-Verlag betriebene Online-Projekt Kicker.tv gefährdet sei, wies eine Spiegel-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage zurück: "Klares Dementi." Auch beim Olympia-Verlag geht man davon aus, dass die Zusammenarbeit "mindestens bis zur WM" weitergeführt werde. Allerdings sollen die Ende Februar auslaufenden Verträge der in Hamburg tätigen Online TV-Mitarbeiter bislang nicht verlängert worden sein.

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