Die Bilanz des Relaunch-Sommers

Während der großen Ferien kam es in diesem Jahr zu einem Novum im deutschen Web: Spiegel Online, die "Financial Times Deutschland", Zeit Online und Stern.de überarbeiteten fast zeitgleich ihre News-Portale. MEEDIA hat die Traffic-Entwicklung der Angebote vor und nach dem Umbau verglichen. Ergebnis: Bei den Visits hat sich die Renovierung für Spiegel Online gelohnt. Bei den Klicks steht allerdings ein herbes Minus. Zeit Online wächst, die FTD stagniert. Einzig Stern.de hat bei den PIs und Visits verloren.

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SPIEGEL ONLINE
Konzeptidee:
Der Relaunch von Deutschlands meistbesuchten Nachrichtenportal hatte mehrere Gründe: Die wichtigsten auf der Traffic-Ebene waren, dass "die Schätze des Spiegel-Archivs besser präsentiert werden" sollten (Chefredakteur Rüdiger Ditz) und die Suchmaschinen-Optimierung verbessert werde. Denn der Anteil des Google-Traffics betrug vor dem Relaunch je nach Aktualitätslage lediglich 8 bis 15 Prozent. Bei einigen Konkurrenten soll dieser bei rund 50 Prozent liegen.

Die Traffic-Analyse:
Der Umbau fand Mitte August statt. Im Juli verzeichnete die Seite 113.005.581 Visits und 672.822.499 Page Impressions. Im Zuge des Relaunches brachen im August erst einmal die Klicks um satte 21,80 Prozent zusammen, stiegen im September dann jedoch wieder um über 25 Prozent. Der Stand im Oktober zeigt 116.448.225 Vistis und 619.444.017 Vistis.

Fazit:
Vergleicht man die Juli- und die Oktoberdaten, konnte Spiegel Online durch die Maßnahmen die Visits um rund 3,4 Millionen steigern. Bei den Klicks allerdings steht ein brutales Minus von 53 Millionen PIs. Doch gerade hier hätte sich die bessere Anbindung des Archivs an die aktuelle Berichterstattung auswirken müssen. Gegenüber MEEDIA sagte Chefredakteur Ditz vor dem Relaunch: "Mit zehn Prozent mehr Traffic wäre ich happy." Im Blick auf die Besuche befindet sich das Nachrichten-Portal auf einen guten Weg. Bei den Page Impressions ist der Relaunch bislang fehlgeschlagen.

ZEIT ONLINE
Konzeptidee:
Wie alle Konkurrenten verfolgt Chefredakteur Wolfgang Blau vor allem ein Ziel: Er will die Reichweite und damit Marktanteil steigern. „Wir wollen den anderen Nachrichtenseiten Leser abnehmen."

Die Traffic Analyse:
Der Relaunch fand Anfang September statt. Deshalb lohnt vor allem ein Vergleich der August- und Oktoberzahlen, weil nach den meisten Seiten-Renovierungen der Traffic traditionell erst einmal einbricht. Im August erreichte Zeit Online 10.313.233 Visits und 60.438.376 PIs. Dem stehen im Oktober Werte von 12.791.339 bei den Besuchen und 61.088.168 bei den Klicks gegenüber.

Fazit:
Nach dem Relaunch konnte Chef Blau die Visits um 19 Prozent und die Page Impressions um 1,1 Prozent steigern. Offenbar gefällt die neue Zeit Online den Lesern. Allerdings sollte beim Vergleich berücksichtigt werden, dass die Augustzahlen bei News-Portalen generell einige Prozent unter den Oktoberwerten liegen.

STERN.DE
Konzeptidee:
Mit dem Stern.de-Relaunch sollten vor allem drei Zeile erreicht werden: Die Bilder sollten stärker in der Vordergrund gerückt werden, dadurch sollte der gesamte Auftritt emotionaler werden und mehr Frauen ansprechen. Wichtig war den Machern zudem, dass es zu keinem allzu großes Minus bei Page Impressions käme. Denn im ersten Halbjahr gelang den Hamburgern ein kräftiges Wachstum bei den Klicks.

Die Traffic Analyse:
Überarbeitet wurde das Portal im August. Als Vergleichzahl lohnt also der Blick auf das IVW-Ergebnis im Juli. Damals erreichte die Seite 17.260.841 Visits und 220.687.106 Page Impressions. Zum Vergleich: Im Oktober wurden für Stern.de 15.941.541 Visits und 176.942.296 PIs gezählt.

Fazit:
Der Relaunch sorgte für ein doppeltes Traffic-Minus. Bei den Visits verlor das Gruner + Jahr-Angebot 7,65 Prozent und bei den Klicks 24,7 Prozent. Die Site wirkt elegant und hochwertig, hat durch die großzügige Optik aber den Nachteil, nur wenige News im sichtbaren Bereich anteasern zu können.

FTD.DE
Konzeptidee:
Für ihre neue Seite dachte sich die "Financial Times" eine echte Innovation aus: Sie präsentiert nun das Tagesgeschehen auf vier verschiedenen Startseiten, die sich nach dem jeweiligen Lesebedürfnissen richten. So gibt es eine Homepage "für Schnellleser", "für Klassiker", "für Meinungshungrige" und "für Hingucker". Langfristig soll die Reichweite so gesteigert werden, dass die Hamburger die Nummer eins unter den Web-Wirtschaftsmedien werden.

Die Traffic-Analyse:
Auch Ftd.de baute im August um. Im Juli verzeichnete die IVW 8.440.107 Besuche und 32.312.268 Klicks. Das Oktober-Ergebnis zum Vergleich: 8.363.654 Visits und 32.773.803 PIs.

Fazit:
Der innovative Relaunch hat zumindest im IVW-Traffic zu keiner Veränderung geführt. Die Besucherzahlen stagnieren weitestgehend.

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