Spielend zum Erfolg: Der IVW-Trick von SZ.de

Zwei Dinge haben Sueddeutsche.de und Lecker.de gemeinsam: Beide gehören zu den Gewinnern der aktuellen IVW-Traffic-Erhebung für Oktober und beide konnten vor allem durch Spiele ihre Klicks steigern. Ein Fakt, der den Münchnern gerade reichlich viel Branchen-Kritik, u. a. von Kai Diekmann, einbringt. Eine MEEDIA-Analyse zeigt: Bei Sueddeutsche.de stammen schon 35 % aller Klicks von Online-Games. Nur DerWesten weist bei den News-Portalen einen ähnlichen PI/Spiele-Schnitt (30 %) vor.

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Zwei Dinge haben Sueddeutsche.de und Lecker.de gemeinsam: Beide gehören zu den Gewinnern der aktuellen IVW-Traffic-Erhebung für Oktober und beide konnten vor allem durch Spiele ihre Klicks steigern. Ein Fakt, der den Münchnern gerade reichlich viel Branchen-Kritik, u. a. von Kai Diekmann, einbringt. Eine MEEDIA-Analyse zeigt: Bei Sueddeutsche.de stammen schon 35 % aller Klicks von Online-Games. Nur DerWesten weist bei den News-Portalen einen ähnlichen PI/Spiele-Schnitt (30 %) vor.

Innerhalb eines Monats steigert Sueddeutsche.de die Klicks in der IVW-Kategorie Spiele von 8,3 Millionen auf über 92 Millionen. Bei den insgesamt rund 260 Millionen Page Impressions von SZ.de liegt der Games-Anteil bei rund 35 Prozent.
In einer Stellungnahme auf Anfrage von MEEDIA weicht der stellvertretender Chefredakteur von Sueddeutsche.de, Bernd Graff der Frage nach dem Grund der plötzlichens Games-Offensive aus. Stattdessen verweist Graff auf den journalistischen Ansatz und die redaktionielle Qualität des "Autorenportals". Er schreibt: "Unser erklärtes Ziel und die Anstrengunng unseres Tuns richtet sich auf journalistische Inhalte, die gerne charmant vorgetragen und multimedial aufbereitet sein dürfen. Darauf können sich unsere Nutzer auch in Zukunft verlassen.

Im Spiele-Angebot der Online-SZ sind über 100 Games. Die Auswahl reicht von IQ- oder Bundesliga-Test, Mahjong oder Klickbringer wie das aktuell offenbar beliebte "Hassobjekte wegklicken!". 

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann findet an solchen Spiele-Features wenig Gefallen: "Gewundert hat mich nur, dass SZ-Online-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs noch unlängst ‚eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen‘ bei Nachrichten-Websites angemahnt hat. Geärgert hatte er sich zum Beispiel über Suchmaschinenoptimierung. Und er wollte, dass “alle Tricks, gegebenenfalls auch Manipulationen, öffentlich gemacht werden." Weiter spöttelt der "Bild"-Chef süffisant: "Hiermit passiert, lieber Hans-Jürgen! Denn auch wir wollen – genau wie Ihr – keine ‚journalistische Wettbewerbsverzerrung‘. Deshalb mein Vorschlag: Portal einfach umbenennen. Wie wäre es mit (S)piele-(Z)eitung.de?"
Fairerweise sollte aber nicht unterschlagen werden, dass die "Süddeutsche" im Web auch im redaktionellen Bereich beständig wächst, im Oktober legte das Portal auch bei den Vistis um 7,29 Prozent zu. "Die Ursachen dafür sind sicherlich die Einführung von Blogs, die Neugestaltung unseres Headers und der Artikelseiten, die eine bessere Usability erlauben, und ja, sicherlich auch Online-Spiele", erklärt Graff. "Wir werten die einzelnen Faktoren gerade aus, auch in ihrer Wechselwirkung zu Paid Content, bleiben in der Bewertung jedoch klar: Sueddeutsche.de ist ein führendes Autorenportal in Deutschland, das aktuelle Nachrichten, News-Analysis und Kommentare zu politischen und sehr vielen gesellschaftlich relevanten Themen anbietet."

Zur besseren Einordnung der SZ-Zahlen hat MEEDIA das Verhältnis der zehn klickstärksten Nachrichten-Portale zwischen ihrer absoluten Zahl an Page Impressions und denen der IVW-Kategorie Spiele errechnet. Das Ergebnis zeigt, dass Spiegel Online, n-tv und FAZ.net gänzlich ohne Games auskommen.

Die restlichen Angebote verfügen alle über eigene Online-Games. Nach Sueddeutsche.de haben DerWesten.de (30 Prozent) und Stern.de (18 Prozent) den höchsten PI/Spiele-Schnitt. Diekmanns Bild.de kommt nur auf 1,7 Prozent.

Auch beim Bauer-Portal Lecker.de wuchsen vor allem Klicks in der Kategorie "Spiele". Im September verzeichnete die Koch-Seite nur 356.838 PIs in diesem Bereich. Im Oktober stieg der Wert dann auf 3,8 Millionen. Insgesamt kommt die Seite nur auf 8,3 Millionen Page Impressions.

Im Vergleich zu den Wachstumsraten der Konkurrenz-Angebote stellt sich allerdings die Frage, ob es in solch umkämpften Segmenten wie Nachrichten und Kochen überhaupt noch möglich ist, ohne den Einsatz von Zusatzkniffen zu wachsen?

Die Diskussion um die PI-Steigerungen wird jedoch bald ein jähes Ende finden. Denn die IVW will die Bedeutung von Klicks künftig herabstufen. Stattdessen soll die Verweildauer ein wichtigerer Indikator werden. Zur Steigerung der Verweildauer eignen sich wohl am besten möglichst spannende Inhalte, lange Texte, Videos – und natürlich auch Spiele. Im Grunde bleibt alles beim Alten, und die aktuelle Diskussion wird der Medienwelt noch Slange erhalten bleiben.

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