Murdoch will Google aussperren

Um journalistische Produkte im Internet künftig verkaufen zu können, will Rupert Murdoch drastische Maßnahmen ergreifen. In einem Interview mit seinem Sender Sky News kündigte der Chef von NewsCorp. an, sämtliche Zeitungsinhalte für Google zu sperren. Die Nutzer sollen direkt auf die künftig kostenpflichtigen Angebote von "Sun", "Times" und "Wall Street Journal" zugreifen. Erst im Oktober bezeichnete Murdoch die Aggregatoren als "Content-Kleptomanen". Die Google-Sperre ist aber riskant.

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Im Interview mit Sky News Australia erklärte Murdoch, die Zeitungen seines Medienimperiums erwögen, Google gänzlich auszuschließen sobald sie ein funktionierendes Bezahlsystem für Web-Content eingeführt hätten. Im übrigen gebe es viele Diebe von teuer produziertem Online-Content, etwa Microsoft oder Ask.com.

Wie kostenpflichtige Zeitungs-Websites generell funktionieren könnten, zeige schon jetzt WSJ.com, das Web-Portal des "Wall Street Journal". Dort steht der erste Absatz einer Geschichte gratis online, für den ganzen Artikel muss der Leser aber zahlen.

Die gegen Google gerichtete Ankündigung ist ein radikaler Schritt auf dem Weg zur Bezahl-Website. Erst Anfang Oktober hatte Murdoch auf dem World Media Summit in Peking einen dramatischen Appell an die Produzenten journalistischer Inhalte gerichtet. Werden Internet-Services für Content nicht bald zur Kasse gebeten, stürben die Verlage. "Wenn wir nicht vom derzeitigen Trend zu Paid Content profitieren, dann werden die Hersteller der Inhalte untergehen und die Content-Kleptomanen werden triumphieren."

Wann NewsCorp. Google ausschließen wird, steht noch nicht fest. Murdoch hatte den Wechsel ursprünglich für 2010 angekündigt, mittlerweile aber eine Verzögerungen eingeräumt.

Der Preis, den NewsCorp. für die Durchsetzung ihrer Paid-Content-Strategie zahlen muss, könnte unproportional hoch sein. Die meisten Online-Medien arbeiten daran, im Informations-Ozean besser für die Aggregatoren sichtbar zu sein. Wer sich Google – dem zentralen Medium des Internet – verschließt, könnte das mit einer weitreichenden Unsichtbarkeit bezahlen müssen; "Was Google nicht findet, existiert nicht", ist mittlerweile ein Sprichwort. Ob allein der Verkauf an eingeweihte Stammkunden die erwünschten Geldeinnahmen für journalistische Arbeit bringt, erscheint zweifelhaft.

Im Interview gibt sich Murdoch dennoch gelassen: "Wir würden gerne weniger Leute haben, die unsere Websites besuchen, aber zahlen." Um dem Content-Diebstahl sicher vorzubeugen, könnten in einem nächsten Schritt die NewsCorp.-Publikationen ganz offline gehen.

Auch bei der Frage zum Ende der gedruckten Zeitung, gibt sich Murdoch gelassen: "Nicht in den nächsten 20 Jahren! Das ist auch ein Generationsphänomen. Man findet kaum Leute unter 30, die Zeitungen kaufen. Aber Leute, die 20 Jahre Zeitungen gekauft haben – sogar schlechte Zeitungen – können nicht damit aufhören."

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