Aus für die Netzeitung: Alle Jobs weg

Tagelang hatte man bei DuMont hinter verschlossenen Türen verhandelt. Dann stand fest: Die traditionsreiche Netzeitung wird nicht weitergeführt. Am späten Freitagnachmittag teilte das Medienhaus mit: "Aus wirtschaftlichen Gründen wird das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben. Aus diesem Grund wird sämtlichen Mitarbeitern in Kürze betriebsbedingt gekündigt werden. Wir bedauern die für die Mitarbeiter mit der Entscheidung verbundenen Härten."

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In der derzeitigen Form, so der Verlag, sei die Internetzeitung aber „nicht wirtschaftlich zu betreiben“ gewesen. Dem Vernehmen nach hatte das Web-Projekt, das 2000 vom ehemaligen „Stern“-Chefredakteur Michael Maier zum beachteten News-Portal ausgebaut werden sollte, nie Profit gemacht und zuletzt eine Unterdeckung von jährlich mehreren hunderttausend Euro verursacht.
Offenbar waren alle Versuche, einen Käufer zu finden, gescheitert. Ein großes Manko der Netzeitung lang in den vergangenen Jahren immer darin, dass es der Seite nie gelang, die Reichweite auszubauen. Bei den Page Impression und bei den Vistis bewegen sich die Berliner schon lange auf einen relativ gleich bleibenden Niveau. Im September kam die Netzeitung auf 7,4 Millionen PIs und 1,7 Millionen Vistis. Das bedeutet im vergleich zum Vorjahr ein Visit-Plus von zwei Prozent und bei den Page Impressions ein Minus von elf Prozent.
DuMont versicherte, dass „bestehende vertragliche Verpflichtungen der Internetzeitung noch im 1. Quartal 2010 erfüllt“ würden. Es sei geplant, die Netzeitung zukünftig als „automatisiertes Nachrichtenportal“ zu betreiben. Die NZ-Teletextaktivitäten seien davon unberührt und sollen in Zukunft eine stärkere Rolle in der Gruppe spielen.
Die junge Geschichte des Netz-Pioniers verzeichnete schon etliche Besitzerwechsel. Im Frühjahr 2000 beschließen die Herausgeber der norwegischen Tageszeitung Nettavisen, ein Pendant ihrer Web-Ausgabe für Deutschland zu entwickeln, kurz darauf kommt Michael Maier als Chefredakteur hinzu. Die verantwortliche Gesellschaft Spray Network wird jedoch noch in der Startphase an Lycos verkauft, seitdem geht die Netzeitung durch mehrere Hände: 2002 übernimmt der Fachverlag BertelsmannSpringer die Zeitung, danach geht sie über ein Management-Buy-out an die Netzeitungs Beteiligungs GmbH und 2005 an die norwegische Orkla Media. Im Sommer 2007 kauft die Deutsche Zeitungsholding, ein Unternehmen der Mecom-Gruppe um David Montgomery, die Netzeitung. Mit dem Verkauf von dessen Deutschland-Geschäft ging auch die Netzeitung an DuMont.

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