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P7S1: Besser ist nicht gut genug

Gute Miene in München, Enttäuschung in Frankfurt: ProSiebenSat1. konnte mit Vorlage seiner Geschäftszahlen für das abgelaufene dritte Quartal Anleger nicht überzeugen. Obwohl das strikte Kostenmanagement greift, schreibt der MDax-Konzern unterm Strich immer noch rote Zahlen. Wie Konzernchef Thomas Ebeling die immense Schuldenlast von noch immer 3,5 Milliarden Euro abbauen will, bleibt weiter ungewiss. Die marginale Verbesserung des operativen Ergebnisses reicht dafür weiter nicht aus.

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Gute Miene in München, Enttäuschung in Frankfurt: ProSiebensat1. konnte mit Vorlage seiner Geschäftszahlen für das abgelaufene dritte Quartal Anleger nicht überzeugen. Obwohl das strikte Kostenmanagement greift, schreibt der MDax-Konzern unterm Strich immer noch rote Zahlen. Wie Konzernchef Thomas Ebeling die immense Schuldenlast von noch immer 3,5 Milliarden Euro abbauen will, bleibt weiter ungewiss. Die marginaleVerbesserung des operativen Ergebnisses reicht dafür weiter nicht aus.
Man kann es drehen und wenden, wie man will, doch überzeugende Quartalszahlen lesen sich anders. Gleich vier Anläufe nimmt die Münchner ProSiebenSat.1 AG, um ihren Aktionären die Gewinnentwicklung im abgelaufenen dritten Quartal zu veranschaulichen. Da ist das operative Ergebnis vor Einmaleffekten, das als Erfolg der heutigen Q3-Bilanz verkauft werden kann: Um marginale 1,8 Prozent ist der operative Gewinn – also: der Konzerngewinn vor Abschreibungen, Steuern und anderen Belastungen – auf 94,4 Millionen Euro gestiegen.
Das Ergebnis legt nahe: Das Kerngeschäft von ProSiebenSat.1 ist auch im herausfordernden Wirtschaftsumfeld im Jahr der großen Finanzkrise intakt. Im schwierigen TV-Markt, der von zweistelligen Werbeeinbußen geprägt ist, hält sich der Münchner MDax-Konzern wacker.
Schwere Hypothek: Weiter 214 Millionen Euro Zinsen jedes Jahr
 
So weit, so gut. Doch das ist bekanntlich nur die eine Seite der Medaille. Bekanntlich hat der frühere Börsenstar, den Axel Springer einst übernehmen wollte und der zu seinen Spitzenzeiten mit mehr als drei Milliarden Euro an den Aktienmärkten bewertet wurde, jedoch eine schwere Hypothek zu schultern. Genauer gesagt: Eine mehr als 3,5 Milliarden Euro schwere. Diese enorme Last bürdeten die Eigner, die Private Equity-Gesellschaften Permira und KKR, ProSiebenSat.1 2007 bekanntlich für die völlig überteuerte Übernahme der skandinavischen Senderkette SBS auf.
Seitdem müssen Kredite getilgt werden. Und das weiter auf sehr hohem Niveau: 214 Millionen Euro Zinsen kostet die Bedienung der Zinslast das Unternehmen allein in diesem Jahr, rechnete Konzernchef Thomas Ebeling im Conference Call noch einmal vor. Was das unterm Strich bedeutet, machen nämlich die anderen Lesarten der Konzernbilanz deutlich:

Das Finanzergebnis konnte zwar im dritten Quartal um mehr als 31 Millionen Euro verbessert werden, lag aber immer noch deutlich in den roten Zahlen – nämlich bei – 48,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern notierte bei 6,5 Prozent über dem Vorjahreswert, betrug aber immer noch – 18,7 Mio Euro. Und auch nach Steuern und Anteilen Dritter wies der Konzern ein negatives Periodenergebnis von – 12,7 Mio Euro aus, das sogar noch über dem Vorjahreswert von – 10,7 Millionen Euro lag. Das Ergebnis je Vorzugsaktie betrug entsprechend 0,05 Euro nach 0,04 im Vorjahresquartal.
Ausblick: Das wirtschaftliche Umfeld bleibt schwierig
Der Börse schmeckte die Geschäftsentwicklung gar nicht, zumal auch der Konzernumsatz um acht Prozent auf 559,4 Millionen Euro zurückging. Nach Verkündung der Quartalszahlen ging die ProSiebenSat.1-Aktie erst einmal auf Tauchstation und brach um 9 Prozent auf 7,20 Euro ein, nachdem das Papier im vergangenen Halbjahr ein furioses Comeback erlebt hatte.
Gewinnmitnahmen oder echte Enttäuschung: Auch der kaum vorhandene Ausblick dürfte Anleger verstimmt haben. „Wenngleich sich zwischenzeitlich Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung mehren, bleibt das wirtschaftliche Umfeld schwierig“, drückte sich der ProSiebenSat.1-Konzernchef nebulös aus, um auch im Conference Call nicht konkreter zu werden.
Zurückhaltung bleibt Trumpf: Der Oktober habe „auf alle Fälle nicht voll enttäuscht“
Man sei vorsichtig optimistisch für das nächste Jahr. Es werde gesamtwirtschaftlich sicher eine erkennbare Verbesserung geben, die Frage sei jedoch, ob der Markt wieder zum Wachstum zurückkehren könne. Um das zu prognostizieren, sei es noch viel zu früh, so Ebeling.
Auch zur eigenen weiteren Geschäftsentwicklung wollte Ebeling nicht wirklich konkret werden. Auf die Journalisten-Nachfrage antwortete Ebeling mit Bedauern, eine Prognose schuldig bleiben zu müssen: Die „Visibility“ – also die Vorhersehbarkeit – der Märkte sei sehr „low“ – also niedrig – erklärte der 50-Jährige. Man beschränke sich daher auf die „Post-Guidance“, also den früheren Ausblick.

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Zumindest zur Geschäftsentwicklung im Oktober ließ sich der frühere Norvartis-Manager folgendes entlocken: Der Monat sei im Rahmen der Erwartungen gelaufen und habe „auf alle Fälle nicht voll enttäuscht.“ Optimismus klingt anders.

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