Bewerber-Bluttests auch beim NDR

Wie die "taz" berichtet, hat auch der NDR bei Bewerbern Bluttests durchführen lassen. Das Peinliche daran: Vor kurzem hatte NDR Info mit der Meldung, dass der Autohersteller Daimler Bluttests von Bewerbern verlangt, für Schlagzeilen gesorgt. Der öffentlich-rechtliche Sender hat bestätigt, dass alle Bewerber, die einen Vertrag erhalten sollen, einem Bluttest unterzogen wurden. Erlaubt ist so etwas nur in absoluten Ausnahmefällen.

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Laut NDR teile der Betriebsarzt des öffentlich-rechtlichen Senders lediglich mit, ob der Bewerber für die vorgesehene Tätigkeit geeignet sei. Detaillierte Daten des Blutbildes würden nicht weitergegeben. Wäre ja auch noch schöner. Wie der NDR mit Hilfe eines Bluttests Rückschlüsse auf die journalistische Eignung von Bewerbern ziehen will, bleibt unklar. Bluttests sind vor allem dazu geeignet, genetisch bedingte Krankheiten oder Schwangerschaften zu erkennen. Beides geht den potenziellen Arbeitgeber NDR aber nichts an.

Laut NDR gehe es bei den ermittelten Blutbildern darum, ob der Bewerber „die vorgesehene Wochenarbeitszeit wird bewältigen können“. Eine eher seltsame Begründung. Die „taz“ zitiert einen Experten für Arbeitsrecht, der im Vorgehen des NDR einen klaren Verstoß gegen das Datenschutzgesetz sieht. Bluttests von Bewerbern seien nur in absoluten Ausnahme- und Einzelfällen zu rechtfertigen. Ein Beispiel sei ein Schlosser-Lehrling, bei dem aufgrund des Blutbildes eine Neigung zur Epilepsie festgestellt werde. In einem solchen Fall könnte es gefährlich für den Lehrling und andere sein, wenn er bestimmte Maschinen bedient.

Bei einem Fernsehsender fällt es aber schwer, sich Beispiele vorzustellen, die einen Bluttest von Bewerbern rechtfertigen würden. Der Bericht von NDR Info über Bluttests beim Autohersteller Daimler hatte für große Aufregung gesorgt und wurde eifrig zitiert. Der NDR selbst hat den Bericht selbstbewusst als Enthüllungsmeldung verbreitet. Offenbar hätte die Redaktion von NDR Info auch im eigenen Haus recherchieren können.

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