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„Das Wirtschaftssegment ist überbesetzt“

"Handelsblatt"-Chefredakteur Bernd Ziesemer erwartet bei den Wirtschaftstiteln in den nächsten Jahren eine weitere "Aussiebung" im deutschen Markt. Beim CMC Qualitätsmonitor Gipfel Vertrieb im Hamburger Radisson-Hotel stellte der 56-Jährige das neue "Handelsblatt" vor. In der anschließenden Fragerunde erklärte Ziesemer: "Das Segment der Wirtschaftstitel in Deutschland ist überbesetzt." Mit Spannung erwarte er, wie sich die G+J-Wirtschaftsmedien entwickeln und was sich bei Springer in München tut.

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Als Marktführer unter den deutschen Wirtschaftszeitungen gab sich Ziesemer nach dem Relaunch selbstbewusst, aber auch nicht unkritisch. Er räumte ein, dass bei der Gestaltung des Print-Titels noch nicht alles optimal umgesetzt werde. „Das Ganze ist eine riesige Herausforderung, auch druck-technisch. Da wird noch kräftig geübt, in zwei bis drei Wochen wollen wir es aber perfekt hinkriegen“, sagte der Chefredakteur.

Das Segment der Wirtschaftstitel in Deutschland sei überbesetzt, erklärte Ziesemer. Das bekommt seit einiger Zeit auch das „Handelsblatt“ zu spüren. In den letzten zwölf Monaten verlor die Zeitung sieben Prozent im Gesamtverkauf. Der Verzicht auf opulente Titeloptiken stelle zwar gerade am Kiosk ein Risiko dar, dies wolle man aber mit exklusiven Titelstorys wieder wettmachen, so Ziesemer. Mit aktuell 6.841 verkauften Exemplaren im Einzelverkauf ist der Absatz am Kiosk überschaubar. Hier verlor man während der letzten zwölf Monate sogar 26 Prozent. Der Abonennten-Stamm liegt bei 82.374 Exemplaren, das entspricht einem Minus von etwa sechs Prozent im Zwölf-Monats-Trend.

Ziesemer nannte vier Gründe, weshalb sich das „Handelsblatt“ als Marktführer halten werde: „Erstens, weil wir an Print glauben. Zweitens, weil wir an eine Verknüpfung von Print, Online und Mobile glauben. Drittens, weil uns eine integrierte Markenführung wichtig ist und viertens, weil wir uns in den nächsten Jahren weiter diversifizieren wollen.“ Der sogenannte Dreiklang aus Print, Online und Mobile werde vor allem dazu führen, dass man auch künftig ein attraktives gedrucktes „Handelsblatt“ anbieten könne.

Die Konzentration auf die Kernkompetenzen und exklusive Inhalte sei dafür entscheidend. Daher habe man um Beispiel die Sportberichterstattung nahezu aufgegeben und berichte fast nur noch über Sportbusiness. Auch gelte nicht die Maxime Online-First wie etwa im Hause Springer. Exklusive Geschichten werden weiterhin für die gedruckte Ausgabe zurückgehalten. „Solange der Print-Titel unsere Haupterlösquelle darstellt, wollen wir uns da nicht ins eigene Bein schießen“, so Ziesemer.

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