„Handelsblatt“: Die Tücken des Tabloids

Für das „Handelsblatt“ hat mit der Umstellung auf das Tabloid-Format eine neue Ära begonnen. Das Konzept erntet Anerkennung, aber ob es am Ende Erfolg haben wird, ist ungewiss. Im Vertrieb, vor allem im hart umkämpften Einzelverkauf, muss sich der geschrumpfte Titel behaupten. Das Tabloid könnte sich dabei schwer tun, die Auflage zu halten. Ein Aufmacher, ein Kommentar und ein paar kurze Anrisse für weitere Themen – das ist gefühlt deutlich weniger als die volle Packung der früheren Titelseite.

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Für das „Handelsblatt“ hat mit der Umstellung auf das Tabloid-Format eine neue Ära begonnen. Das Konzept erntet Anerkennung, aber ob es am Ende Erfolg haben wird, ist ungewiss. Im Vertrieb, vor allem im hart umkämpften Einzelverkauf, muss sich der geschrumpfte Titel behaupten. Das Tabloid dürfte sich dabei schwer tun, die Auflage zu halten. Ein Aufmacher, ein Kommentar und ein paar kurze Anrisse für weitere Themen – das ist gefühlt deutlich weniger als die volle Packung der früheren Titelseite.
Sicherlich verkauft sich eine Traditionszeitung nicht nur über die Gestaltung der Titelseite, sondern empfiehlt sich den Lesern als redaktionelles Gesamtprodukt. Dennoch ist der Kaufimpuls gerade am Kiosk stark mit der Aufmachung der Seite eins verbunden und gerade hier bietet sich auch bei Abo-Titeln stets die Chance, neue Leser zu gewinnen. Das Tabloid-Format erfordert es mehr als die großflächige Titelseite, dass das Aufmacher-Thema sitzt. Und: Die Möglichkeiten der Bebilderung sind durch den Satzspiegel stark eingeschränkt: Klein-Klein statt Opulenz bei der Titeloptik, daran wird sich der Leser erst gewöhnen müssen.
Im Innenteil ist die Redaktion in der Aufteilung flexibler geworden, weil es keine starren „Bücher“ mehr gibt. Das Layout im Doppelseiten-Umbruch weist bei der Premierenausgabe noch technische Schwächen auf. Buchstaben der Headlines verschwinden zum Teil im Bruch, und das gilt hier und da auch für Anzeigen. Die Schriftgröße ist auf junge Leser ohne Sehschwäche ausgerichtet, vielen anderen wird die Typo zu klein erscheinen.
Ausbaufähig wirkt auch der Heftausstieg: Nach 13 Seiten mit Kleingedrucktem rund um Börsenkurse und Unternehmenswerte folgen weitere kleinteilige Seiten ohne optische Highlights oder Durchbrechungen. Die letzte Seite ist dem Inhaltsverzeichnis vorbehalten. Das ist praktisch, weil die Themen auf einen Blick zu sehen sind. Zugleich wirkt die Übersicht einförmig; die Highlights könnten viel stärker herausgestrichen werden.
Vielleicht müssen Grafik und Redaktion mit dem neuen Format noch warm werden, um alle Potenziale der Tabloid-Ausgabe ausschöpfen zu können. Für den Titel heißt das wohl, dass man weniger auf Köpfe setzen und statt dessen mehr Originalität wagen sollte. Andererseits verlockt das Format auch zu einer magazinigen Aufmacherseite, die zu wenig Tagesaktualität einer Zeitung vermitteln könnte. Ganz einfach wird es also für Bernd Ziesemer und seine Mannschaft nicht.
Die Anzeigenkunden dürften sich freuen; für sie bietet das kleinere „Handelsblatt“ viele Möglichkeiten, die Werbemotive aufmerksamkeitsstark zu platzieren. Aber auch die Agenturen schauen zuerst auf die Leistungswerte, und da wird es darauf ankommen, wie die Leser das neue „Handelsblatt“ annehmen. In Jahresvergleich ging die Auflage des „Handelsblatts“ bei den Abonnenten um 6 Prozent, im Einzelverkauf sogar um 26 Prozent zurück. Das neue Tabloid wird diesen Trend umkehren müssen.

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