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Die ‚Zeit‘ lernt eine neue Sprache: Sächsisch

Ab Donnerstag versucht "Die Zeit" in Sachsen denselben Kniff, mit dem die Hamburger bereits in der Schweiz ihre Verkäufe um rund 50 Prozent steigern konnten: mit eigenen Regionalseiten. Im MEEDIA Kurz-Interview verrät "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser, ob er noch weitere Lokalteile plant. Den anhaltenden Auflagenerfolg sieht Esser vor allem darin begründet, dass "unsere Redakteure" alle Themen und Personen, "über die sie schreiben, mit Respekt behandeln. Das honorieren unsere Leser".

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In der Schweiz gibt es bereits eine eigene Regionalausgabe. Warum machen Sie jetzt auch zwei Extra-Seiten für Sachsen?
Wir glauben, dass  in Ostdeutschland, und vor allem in Sachsen, noch ein großes Potential an „Zeit“-Lesern schlummert. In Dresden und in Leipzig gibt es viele Studenten und ein wieder erstarktes Bildungsbürgertum. Gerade in Sachsen leben viele „Zeit“-affine Leser, denen wir gerne unsere Zeitung näher bringen wollen. Unsere Verkäufe bewegen sich in Sachsen momentan in einer ähnlichen Größenordnung wie in der Schweiz und in Österreich.

Also bei rund 10.000 Exemplaren?
Das stimmt in etwa. Grundsätzlich verkaufen alle Qualitätsmedien aus dem Westen in den neuen Bundesländern deutlich unterproportional. Die Regionalausgabe Sachsen ist für „Die Zeit“ ein wichtiger Schritt, das zu ändern.

Wie hat sich denn die Schweiz-Ausgabe entwickelt, seitdem es eine eigene eidgenössische Seite gibt?
Sehr gut. Im Einzelverkauf konnten wir um rund 50 Prozent zulegen und bei den Abos um rund 30 Prozent.
Sind weiter Regionalseiten in den neuen Bundesländern geplant?
Wir wollen generell Themen aus den neuen Bundesländern in der gesamten Ausgabe, über alle Ressorts hinweg stärken.
Wird es denn auch Online eine neue Sachsenseite geben?
Auch auf Zeit Online werden die Themen aus den neuen Bundesländern insgesamt intensiver behandelt.

Sind die neuen zwei Seiten der Beginn einer Regional-Offensive?
Die neuen Seiten sind ein einmaliges Projekt, das allerdings auch zeigt, dass wir uns ständig weiterentwickeln und immer neue Innovationen ausprobieren. Ein Beispiel hierfür ist auch unser kreatives Online-Marketing für Abos. Auch dadurch konnten wir bei Abonnenten in den letzten Monaten stark wachsen.
Überhaupt wächst die Auflage: Was machen Sie anders als die Konkurrenten?
Unsere Redaktion macht ein sehr gutes und pointiertes Blatt, dass sich deutlich von anderen Medien unterscheidet. Nehmen Sie nur die aktuelle Ausgabe. Während  unsere Wettbewerber die neue Koalition einfach in Sack und Asche geschrieben haben, hat die Redaktion die Story gedreht und macht mit „Das neue Deutschland“ auf. Denn eine solch bunte Regierung mit einer ostdeutschen Kanzlerin, einem schwulen Außenminister oder einem vietnamesischen Waisenkind als Gesundheitsminister gab es noch nie – und das von einer konservativen Koalition.
Das zeigt, wie offen und bunt unser Land geworden ist. Unsere Redakteure behandeln alle Themen und Personen, über die sie schreiben, mit Respekt und das honorieren unsere Leser.
Die verkaufte Auflage wächst, wie stark haben sie mit Anzeigenrückgängen zu kämpfen?
Unsere Verluste sind moderat. Wir liegen bei einem Minus von gut fünf Prozent. Jetzt kommen eigentlich starke Monate. Das könnte bedeuten, dass wir bei einem Minus von zehn Prozent rauskommen.
Das heißt: betriebsbedingte Kündigungen können Sie ausschließen?
Wir sind beim Personal über die letzten Jahre ordentlich gewachsen. Für die neue Sachsen-Ausgabe  wurde ein eigenes Korrespondentenbüro gegründet und ein Redakteur eingestellt.

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