Gedruckt nur noch zum Wochenende

Auf dem traditionellen Print-Gipfel der Münchner Medientage zeichnete Claus Strunz, Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts", eine kühne Zukunftsvision. Er deutete ein Modell an, nach dem Abonnenten wochentags die "Abendblatt"-Inhalte mobil und via Internet bekommen und die gedruckte Zeitung dann nur noch zum Wochenende ausgeliefert wird. Dieses Modell, so Strunz, sei aber "noch umstritten".

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Womit er sich wohl noch zurückhaltend ausgedrückt haben dürfte. Samstags ein dickes „Abendblatt“ „für die Couch“, wochentags alle News nur noch online und via Handy – ein solches Modell mag zukunftsweisend sein. Aber weder die Nutzer noch die Medienhäuser dürften soweit sein, so etwas tatsächlich anzunehmen oder umzusetzen.Strunz weiß das selbst sicher am besten. Somit dürfte seine Vision auch als ebensolche einzuordnen sein und nicht als tatsächliche Option für die nähere Zukunft.

Aber immerhin zeigte der umtriebige „Abendblatt“-Chef mit seinen Thesen beim Print-Gipfel als einer der wenigen echte Innovationsbereitschaft. Große Teile der Diskussion verwendeten die Print-Vertreter, von Strunz über „Handelsblatt“-Chefredakteur Bernd Ziesemer, Burda-Vorstand Philipp Welte, BDZV-Präsident Helmut Heinen, Professorin Miriam Meckel und Andreas Scherer von der „Augsburger Allgemeinen“ darauf, auf Web-Vordenker Jeff Jarvis zu schimpfen, der vor der Diskussion via Skype aus New York zugeschaltet wurde.

Jarvis tat, was er immer tut, er provozierte und sagte den Print-Vertretern Unangenehmes ins Gesicht, nämlich, dass ihre Medien-Gattung stirbt. Allerdings hatte Jarvis auch keine Patentrezepte parat, wie man denn online Geld verdienen könne. „Ich bin sehr besorgt um die deutsche Haltung, an alten Modellen festhalten zu wollen“, so Jarvis. Bernd Ziesemer vom „Handelsblatt“ regte sich am meisten darüber auf: „Ich kann es nicht mehr hören. Print contra Online“, rief er. Ziesemer präsentiert sich eher als Old-School-Print-Mann und plädierte dafür, dass man exklusive Inhalte doch bitte nicht „gleich rausblasen“ solle. Ein deutlicher Gegenentwurf zur von Jarvis propagierten Offenheit des Netzes. „Viele Printprodukte sterben, weil sie als Reaktion auf die Krise auf Exklusivität verzichteten“, meinte der „Handelsblatt“-Chef. „Differenziere dich oder stirb“ lautet die Devise Ziesemers. Welches Medium wann genau woran stirbt und wie dies möglicherweise verhindert werden kann, das wurde auch bei dieser Gipfel-Veranstaltung nicht geklärt.

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