Yahoo: Carol Bartz verkündet Neuanfang

Seit Jahren läuft Yahoo den Erfolgen der Vergangenheit nach. Doch mit dem Führungswechsel an der Konzernspitze versucht das Internetportal sein Comeback. Wie das aussehen könnte, hat die seit Jahresbeginn amtierende Vorstandsvorsitzende Carl Bartz versucht, auf einer Analystenkonferenz zu skizzieren. Pathetischer Tenor: "Heute ist der erste Tag einer Reise zurück zum Respekt", verbreitete Bartz Aufbruchsstimmung. Reaktion der Börse: Die Yahoo-Aktie fällt um drei Prozent.

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Seit Jahren läuft Yahoo den Erfolgen der Vergangenheit nach. Doch mit dem Führungswechsel an der Konzernspitze versucht das Internetportal sein Comeback. Wie das aussehen könnte, hat die seit Jahresbeginn amtierende Vorstandsvorsitzende Carl Bartz heute versucht, auf einer Analystenkonferenz zu skizzieren. Pathetischer Tenor: „Heute ist der erste Tag einer Reise zurück zum Respekt“, verbreitete Bartz Aufbruchsstimmung. Reaktion der Börse: Die Yahoo-Aktie fällt um drei Prozent.

Ein Blick zurück kann manchmal ziemlich wehtun: Zehn Jahre ist es her, als sich Internetaktien für die Rallye des Jahrhunderts warmliefen. An vorderster Front: das Internet-Portal Yahoo, das mit Amazon, eBay und AOL zu den ersten ganz großen Börsenstars des Dot.com-Sektors zählte.

Als Yahoo im Dezember 1999 als zweiter Internetkonzern nach AOL in den prestigeträchtigen S&P 500-Index aufgenommen wurde, kannte die Aktie kein Halten mehr. Bis auf splitbereinigte 500 Dollar schoss das Papier empor auf einen Börsenwert von über 100 Milliarden Dollar.
Der Rest ist die Geschichte eines einzigen Abstiegs. Aus der ersten Rezession des neuen Jahrhunderts ging Yahoo geschwächt hervor – erst eBay, später auch Amazon zogen vorbei. Spätestens jedoch Mitte des Jahrzehnts wurde Yahoos eigentliche Schwäche mit dem Aufkommen von Google offenkundig – der einstige Onlinepionier hatte dem jungen Rivalen bei der Internetsuche nichts entgegenzusetzen. Es folgten Vorstandswechsel und die leidvolle Abwehrschlacht gegen die Übernahme durch Microsoft, das für Yahoo noch einmal Mondpreise zu zahlen bereit war.
Carol Bartz vor Analysten: „Wir wollen Sie faszinieren“
Unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Carol Bartz folgte die Zusammenlegung des Suchgeschäfts schließlich doch, das für viele einem Eingeständnis des Scheiterns gleichkam. Was blieb, war die Suche nach neuen Wachstumsfeldern, die in erster Linie einer Suche nach der eigenen Identität glich.
Ein Dreivierteljahr nach dem Amtsantritt will Carol Bartz dem Dot.com-Dinosaurier offenkundig neues Selbstvertrauen einimpfen, wie sie heute auf einer Analystenkonferenz deutlich machte. „Wir sind nicht heute hier, um Ihnen ein „Wow“ abzunötigen, aber wir wollen sie faszinieren“, erklärte die 60-Jährige gleich zu Beginn der Tagung in San Francisco.
„Die User kehren zurück“
Und zwar in erster Linie durch die Macht der 600 Millionen Nutzer, die Yahoo „zur größten Kommunikationsmaschine des WWWs“ machen würden. „Wir sind die Heimat des Internets“, erklärte Bartz. „Bei Yahoo findet man alles, die aktuellsten News und Finanzen. Die User gehen zu Facebook, Google, CNN, ESPN oder zu irgendeiner Cricketseite, aber wissen Sie was? Sie kehren zurück“, erklärte die Yahoo-Vorsitzende stolz. „600 Millionen Nutzer: So eine Größe, so eine Bandbreite hat kein anderes Angebot.“
Bartz wisse um das angekratzte Image. „Wir waren der leuchtende Stern der 90er Jahre, aber heute sind wir nicht mehr so ’shiny'“, gab die frühere Autodesk-Vorstandsvorsitzende zu. Dieser Makel sei aber in erster Linie Ansporn für das Comeback: „Wir sind gefallen und wir wollen wirklich wieder aufstehen. Wir wollen es mit Leidenschaft tun. „Heute ist der erste Tag einer Reise zurück zum Respekt“, versuchte Bartz Aufbruchsstimmung zu verbreiten.
Wie das geschehen soll, ließ die 60-Jährige indes weitgehend offen. An der Wall Street kam die Botschaft so an: Die Yahoo-Aktie fiel an einem schwachen Handelstag um mehr als drei Prozent – und damit stärker als der Technologieindex Nasdaq. Seit den soliden Quartalszahlen vor einer Woche haben die Papiere von Yahoo damit schon wieder mehr als 12 Prozent an Wert verloren.

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