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Medientage: Elefanten drehen sich im Kreis

Alle Jahre wieder das gleiche Schauspiel: Viel zu viele Medien-Manager eröffnen die Medientage München mit einer Elefantenrunde, bei der am Ende wieder nichts Grundlegendes herauskommt. Mal kommen neue Buzzwords wie HD Plus dazu, doch am Ende bleiben alle bei ihren vorgestanzten Meinungen: Das öffentlich-rechtliche Pay-TV macht die Geschäftsmodelle der Privaten kaputt und das Internet und insbesondere Google ist ohnehin an allem schuld. Eine Zusammenfassung der "Elefantenrunde".

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Highlights gab es auch in diesem Jahr wenige. Die üblichen Fragerunden um Geschäftsmodelle, ARD und ZDF, Qualität im Privatfernsehen, Internet, Google, etc. wurden nacheinander abgehakt, eine echte Diskussion kam nur selten auf. Obwohl die Auswahl der Gäste durchaus für andere Themen gut gewesen wäre, ging es am Ende doch wieder fast nur um den alten Streit zwischen Privatsendern und ARD/ZDF. Diesmal vor allem am Beispiel des neuen Senders ZDFneo ausgetragen.

Immerhin moderierte Helmut Markwort wie immer recht unterhaltsam, dabei aber nicht bei jedem Thema wirklich inhaltssicher. Schon bei seiner Vorstellung der 13 (!) Elefanten sparte Markwort nicht mit amüsanten Sticheleien: „BLM und Staatskanzlei möchten ins Guinness-Buch der Rekorde. Im Fernsehen hätte man aus dieser illustren Runde drei bis vier Talkshows machen können“, kritisierte er die hohe Zahl von Bühnengästen. RTL-Chefin Anke Schäferkordt bezeichnete er als „die Angela Merkel des Privatfernsehens“, Telekom-Chef René Obermann konstatiert er: „Er hat als Selbstständiger Autotelefone verkauft, dann aber festgestellt, dass man als Angestellter mehr verdient.“

14 Leute saßen also auf der Bühne. Neben Moderator Markwort waren das Peter Boudgoust, Vorsitzender der ARD, Verleger Hubert Burda, Privat-TV-Lobbyist Jürgen Doetz vom VPRT, Thomas Ebeling, Boss von ProSiebenSat.1, Ferdinand Kayser, CEO des Satellitenbetreibers Astra, Herbert Kloiber von der Tele München Gruppe, René Obermann, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom, Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Markus Schächter, ZDF-Intendant RTL-Chefin Anke Schäferkordt, Google-Manager Philipp Schindler, Adrian von Hammerstein, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kabel Deutschland, sowie Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider.

Vor allem Schäferkordt, Doetz und Kloiber stürzten sich auf ZDFneo und warfen dem ZDF wieder einmal vor, mit US-Serien im Gebiet der Privaten zu wildern. Die Politik müsse nun zeigen, ob das bisherige duale System so noch gewünscht sei. Wirklich gut vorbereitet zeigte sich die Privat-TV-Front dabei aber nicht. So glänzte Herbert Kloiber mit dem Satz: „ZDFneon oder neo oder wie das heißt.“ Dennoch bezeichnete er den neuen Sender als „Frontalangriff“. ZDF-Intendant Schächter ließ die Kritik nicht auf sich sitzen: „Hier wird etwas beschimpft, ohne das Programm überhaupt zu kennen.“ Er betonte den 50%-Doku-Anteil des neuen Senders und die Tatsache, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen versuchen müsse, das junge Publikum zurückzugewinnen.

Interessant wurde es bei der zu kurzen Qualitätsdebatte, angestoßen von der beachtlichen Keynote des Philosophen Richard David Precht. So provozierte der Privat-TV-Lobbyist Doetz mit der Aussage: „Quote ist Qualität.“ Moderator Markwort konterte: „Millionen Ameisen fressen Scheiße, also muss Scheiße Qualität sein?“ Doetz wiederum ließ das nicht auf sich sitzen: „Schimpfen Sie über diese Gesellschaft, aber nicht über diejenigen, die diese Gesellschaft bedienen.“ Schnell ging es danach aber zum nächsten Thema. Leider, denn hier wäre wirklich eine längere Diskussion interessant gewesen.

Das Thema Internet spielte insgesamt nur eine sehr untergeordnete Rolle, peinlich in Zeiten der voran schreitenden Medienrevolution. Als Google-Mann Schindler von Hubert Burda angesprochen wurde, konterte er die immer wiederkehrenden Vorwürfe der Verlage an seinen Arbeitgeber mit den Worten: „Ohne Google würde es den Medienunternehmen nicht besser gehen. Im Gegenteil.“ Und weiter: „Der Konsument hat sich entschieden, einen Großteil seines Medienkonsums in die digitale Welt zu verlagern, nicht wir haben diesen Transformationsprozess angestoßen.“ Zudem betonte Schindler, dass all die Kritiker hinter den Kulissen ohnehin mit Google zusammen arbeiten würden.

Mit Fragerunden zur deutschen Regulierungswut, Pay-TV via HDTV, technischem Entwicklungen per Kabel und Satellit, Digitalisierung, IPTV und anderen Themen wurde die Elefantenrunde weitergeführt, wirklich Erhellendes dürfte das ohnehin informierte Fachpublikum aber auch hier nicht mehr mitgenommen haben.

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