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Heinz Bauer – der unvollendete Verleger

An diesem Mittwoch feiert der Verleger Heinz Bauer seinen 70. Geburtstag. Während die Branche unter der Medienkrise ächzt, ist es bei Bauer eher ruhig. Sparen ist für den passionierten Hobbyflieger Bauer nichts Neues. Im kriselnden Anzeigengeschäft waren stets andere tonangebend. Seine Nachfolge ist mit Tochter Yvonne in der Konzernleitung geregelt. Publizistische Bedeutung jenseits von Vertriebserfolgen konnte Heinz Bauer bisher jedoch nicht erringen. Nun scheint es, als wolle er das auch gar nicht mehr.

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Der Bauer Verlag ist geradezu legendär dafür, vieles anzufangen, aber im entscheidenden Moment dann doch zurückzuschrecken und auf Bewährtes zu setzen. Berühmtestes Beispiel ist gewiss das lange geplante Nachrichtenmagazin „Ergo“. Es wurde entwickelt und entwickelt – auf den Markt kam es nie. Ähnliches gilt für die zeitweise verfolgten Pläne, eine Sonntagsmagazin in Konkurrenz zu Springers „Bild am Sonntag“ zu platzieren oder ein Gegenblatt zur „Computer Bild“.

Auch als der Berliner „Tagesspiegel“ zum Verkauf stand oder die ProSiebenSat.1 Group wurde der Bauer Verlag stets als Kauf-Kandidat gehandelt, denn er hat das Geld. All diese Projekte wurden aber nie Realität. Bis heute gilt der Bauer Verlag zumindest hierzulande als das Reich der bunten, billigen Blätter. Von den Yellows wie „Neue Post“, „Das Neue Blatt“ über endlose Rätsel und TV-Magazine bis hin zu schmuddeligen Ohne-Hose-Heftchen , die in der Bauer-Enklave im badischen Rastatt, weit weg vom feinen Hamburg, fabriziert werden. Im Ausland agierte der Verleger mutiger. So kaufte er für viel Geld das britische Medienhaus Emap mit zahlreichen Zeitschriften, TV- und Radiobeteiligungen.

Der letzte Versuch, dem Haus hierzulande ein gewisses publizistisches Gewicht zu verleihen, manifestierte sich in der Personalie Thomas „Doc“ Schneider. Der Verleger holte den Stellvertreter von „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel ins Haus, um endlich Blätter zu entwickeln, die auch journalistisch glänzen sollten. Heinz Bauer schielte dabei natürlich auch auf die zu der Zeit noch fetten Anzeigen-Erlöse, bei denen er für sein Haus Nachholbedarf sah. Wie man heute weiß, war die Personalie Schneider bei Bauer aber nichts weiter als ein großes Missverständnis auf beiden Seiten. In Sachen Qualitäts-Journalismus bleibt Heinz Bauer ein unvollendeter Verleger.

Schneider warb Leute ab, bevorzugt bei Burda, und schob das eine oder andere Projekt an. Zwischendurch geisterte sogar die heute größenwahnsinnig anmutende Idee durch die Branche, der Verlag könnte die legendäre „Quick“ wieder aufleben lassen. Aber Schneider konnte nie so wirken, wie er wollte, und die Ergebnisse seiner Projektarbeit waren wohl auch nicht ganz so, wie der Verleger es sich vorstellte. Man trennte sich und seitdem macht Heinz Bauer das, was er am besten kann: optimieren, straffen, sparen. Die weltweite Finanzkrise mag ihn in seiner Sicht der Dinge dabei sogar bestätigen. Plötzlich ist das Modell Bauer modern geworden: Viele Blätter von einer Chefredaktion führen lassen, das Geld zusammenhalten, auf Vertriebserlöse setzen.

Heinz Bauer nimmt die aktuelle Entwicklung zum Anlass, den Sparkurs noch zu verschärfen. Gerade wurden die Chefredakteurinnen der Blätter „Bella“, „Mach mal Pause“ und „Alles für die Frau“ rausgeworfen. Die Zeitschriften wurden „Tina“ und „Laura“ zugeschlagen. Die Druckerei des Verlags in Köln wird dichtgemacht, stattdessen wird in Polen billiger gedruckt. Im Haus ist die Sorge zu hören, dass die jüngsten Redaktions-Zusammenlegung noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Im Internet war Heinz Bauer schon immer vorsichtiger als andere. Ein Mann wie er muss einem Medium, in dem es scheinbar alles gratis gibt, naturgemäß misstrauen. Wie die Bauers sich das Internet vorstellen, lässt sich anhand der Frauen-Plattform Wunderweib.de sehen. Man ist stolz darauf, mit wenigen Leuten, die vielen Frauentitel des Hauses auf einen Schlag für vergleichsweise wenig Geld ins Netz gehievt zu haben. Dass so etwas seelenlos wirken kann, juckt nicht weiter. Für die Seele eines Produkts kann man sich nix kaufen.

Wenn der Verleger am Donnerstag die Verlagsbilanz präsentiert, hat er also sicher ganz gute Zahlen im Gepäck und ein paar spöttische Worte für die Konkurrenz übrig. Die Schwächen des Verlags sind in der aktuellen Krise scheinbar wirtschaftliche Stärken. Heinz Bauer mag sich bestätigt sehen. Diese Bestätigung aber könnte trügerisch sein. Der Erfolg des Hauses beruht darauf, dass die Objekte zum Großteil vertriebsorientiert sind, dass man das Sparen zum Geschäftsprinzip erklärt hat und dass große Teile der Leserschaft einer Generation angehören, die mit dem Internet nichts anfangen kann. Der letzte Punkt könnte in einigen Jahren zu großen Problemen führen. Die Krise im Hause Bauer ist womöglich nur aufgeschoben.

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