Blogs „keine authentische“ Journalismus-Form

Anlässlich seiner Rede bei der Preisverleihung des „Sophie von La Roche“-Preises in Koblenz, zog FAZ-Herausgeber Werner D’Inka einmal kräftig über Web-Journale her: "Die meisten Blogger, die sich als Graswurzel-Journalisten verstehen, überlassen die Recherchearbeit lieber den Mainstream-Medien und erregen sich über deren Fehler".

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Weiter sagte D’Inka, dass er Blogs durchaus für eine Bereicherung hält. Viele seien sogar originell und anregend. „Eine besonders authentische Form des Journalismus sind sie freilich nicht.“

Trotzdem hält der „FAZ“-Herausgeber Blogger, Foren und Bürgerjournalisten für neue Ausdrucksformen, die den „bunten Straus der Online-Medien zum blühen bringen“.

Der Spass hört für D’Inka allerdings bei dem Vorwurf auf, dass „der klassische Journalismus ein einseitiger Informationsfluss“ sei, „indem wir für unser Publikum das aussuchen, von dem wir glauben, es sei wichtig und berichtenswert.“ Der Frankfurter sagt, dass jede Form von kreativer Arbeit hierachisch sei. „Niemand käme vermutlich ernsthaft auf die Idee, die Musik „demokratisieren“ zu wollen – es sei denn, er hielte Karaoke für eine besondere zivilisatorische Errungenschaft und für irgendwie authentischer als Beethoven.“ Weiter argumentiert er: „Selbst ein Friseurbesuch hat etwas Hierarchisches“. „Und ich weiß nicht, ob es die Menschheit sehr viel weiterbrächte, wenn wir uns alle gegenseitig die Haare schnitten. Genau das aber ist das Credo der Blogoshpäre: Professionelle Handwerksnormen seien nichts als Anmaßung, nichts als die Selbstlegitimation einer Berufskaste, die ihr Publikum bevormunde. Und eigentlich seien sie die besseren, die authentischeren Journalisten, frei von redaktionellen Zwängen, nur der Wahrheit und der Freiheit verpflichtet.“

Gegen Ende der Rede fasst er seine Meinung über die „Bürgerjournalisten“ noch einmal zusammen: „Die besten und geistreichsten Blogger sind so etwas wie Kolumnisten, die oft originelle Sichtweisen vertreten, die sich aber nicht mit der Mühe ernsthafter Nachrichtenarbeit plagen und stattdessen das abschöpfen, was Zeitungsredaktionen kostenlos ins Netz stellen.“

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