„Bild“-Chef bloggt – und verkauft Hot Pants

Yes, he can: Kai Diekmann, seit inzwischen neun Jahren "Bild"-Chefredakteur und umtriebigste Medienfigur der Republik, hat ein Personality-Blog gestartet. Unter kaidiekmann.de feiert der 45-Jährige sich selbst und begleicht nebenbei die eine oder andere Abrechnung. 100 Tage soll das Blog-Experiment dauern. Danach will Diekmann entscheiden, ob er weitermacht – und die Marktführerschaft anstreben wird. Einen Shop hat das Blog auch. Zu kaufen gibt es dort auch "I love KD"-Hotpans.

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Der Server der Website dürfte am Montag unter dem Nutzeransturm ächzen. Nachdem der Frühmelder Turi2.de das Diekmann-Blog öffentlich gemacht hatte und Macher Peter Turi in einer ersten Einschätzung bekannte, er schwanke in seinem Urteil zwischen „jetzt spinnt er völlig!“ und „cool, der Mann traut sich was!“, sind die Besucher der Site im Zweifel: Wie ernst meint Diekmann seinen digitalen Egotrip?
Er selbst bekennt in seinem Eröffnungsbeitrag „3 Fragen an mich“: „Ich bin einfach unheilbar eitel.“ Das Selbst-Interview soll ein Standard des Blogs werden und trägt den Untertitel: „Kurze Gespräche mit dem klügsten und einfühlsamsten Menschen, den ich kenne.“ Quasi zur Illustration des Statements kann der User sich das Büro des „Bild“-Chefs in der 360-Grad-Perspektive ansehen und findet Diekmann in der Fotoshow gleich sieben Mal (wenn man die KD-Statue auf der Fensterbank mitrechnet). Und auch der erste Menüpunkt der Site trägt den geradezu bombastisch schlichten Titel: „Ich“.
Ansonsten gibt es außer einer ganzen Reihe Fotos aus der Vergangenheit des gebürtigen Ravensburgers (bisher) nicht viel Neues zu erfahren: Ein paar Alltagsanekdoten, bekannte und ungesendete „Bild“-Kampagnen und ein Hauch von Making of der täglichen „Bild“. Aber Diekmann wäre nicht Diekmann, wenn er sein Blog nicht auch nutzen würde, seine Lieblingsfeinde zu piesacken. Diesmal am Start: der klagefreudige „taz“-Anwalt Johannes Eisenberg, dem der „Bild“-Chef in herzlicher Feindschaft verbunden ist (O-Ton: „Eigentlich sollten Jony und ich ja die besten Kumpels sein“).
Auch RTL-Moderatorin Inka Bause bekommt Kontra, wegen einer Beschwerde über das Boulevard-Blatt, die die „Bauer sucht Frau“-Fachkraft nicht Diekmann, sondern gleich dem Presserat zukommen ließ. Dazu gibt es den Schriftwechsel zwischen Bause, Presserat und „Bild“ sowie ein Erklärungsschreiben der Moderatorin an Diekmann. Das Thema ist, anders als viele ironische Anflüge im Blog, völlig humorlos. Solche Brüche könnten zum Problem werden, denn derartige Abrechnungen passen nicht recht zum ironischen Grundton.
Nicht ganz ernst gemeint sein dürfte indes die Fanartikel-Sammlung unter der Rubrik „Mein Kaufhaus“. Dort gibt es neben Stickern, Kapuzenjacken, Tassen und Taschen auch Damenwäsche zu bestellen: Damen-Spaghetti-Tops mit Herzchen und „I love KD“-Motiven sowie ein wenig aus der Mode geratene „Hot Pants“.
Kommentiert werden darf (nach redaktioneller Freischaltung) auf der Diekmann-Site übrigens auch; man darf gespannt sein, welche Diskussion sich hier entwickeln wird. Da der „Bild“-Chef selbst unter „Mein Fanklub“ die gröbsten Verrisse über sich sammelt und online stellt, lässt immerhin Einiges erwarten. Aber eins muss auch Diekmann noch lernen: Es heißt nicht der Blog, sondern das Blog.

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