„Schweinegrippe und Sterben in Ordnung“

Was von dieser Medienwoche übrigblieb: ein denkwürdiger Auftritt der wortgewaltigen Schriftstellerin Sibylle Berg bei Harald Schmidt, die kommende Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP will tatsächlich den umstrittenen Leistungsschutz für Verlage durchboxen, die Abschwung-erprobten Teenie-Blätter wie "Bravo" und "hey!" erleben Dank Star-Flut einen Auflagen-Frühling im Herbst und Burdas Journalistenschüler durften bei "Focus Online" die "Deutsche Mitte" erkunden.

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Was für ein erster Satz: „Ich finde Schweinegrippe und Sterben sehr in Ordnung. Es hat zu viele Menschen.“ Die in Zürich lebende Schriftstellerin Sibylle Berg absolvierte bei der jüngsten „Harald Schmidt“-Show einen denkwürdigen Auftritt. Im Anschluss an den fulminanten Einstieg redete sie noch u.a. über Sex in der DDR („Es gab ja wirklich keine andere Beschäftigung dort.“) und ihr neues Buch „Der Mann schläft“. Schmidt: „Verkauft sich ein Buch mit diesem Titel?“ Berg: „Überhaupt nicht, was glauben sie, warum ich hier sitze?“ Danach wurde noch ellenlang eine Tanz-Choreographie zu dem Buch ausgearbeitet. Und am Ende gab Schmidt dann noch Katja Riemann, die mit Frau Berg auf Lesetour ist, subtil eins mit. Köstlich! Eigentlich müsste Frau Berg einen Dauer-Platz bei der Schmidt-Show bekommen. Wäre aber wahrscheinlich von der Quote her nicht zu vermitteln. Die Sendung mit Schmidt & Berg weckte aber die Erinnerung an die „Zimmer frei!“-Sendung mit Martin Sonneborn, die in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vom WDR versendet wurde und in der das Moderatoren-Duo Westermann/Alsmann doch arge Probleme mit dem seltsamen Humor Sonneborns hatte. Nun stelle man sich mal für einen Augenblick vor, durch einen irrwitzigen Zufall wäre Frau Berg bei „Zimmer frei! eingeladen, würde auch noch hingehen, was nach allem menschlichen Ermessen niemals passieren wird. Die Kombi hätte durchaus das Potenzial, den Sonneborn-Auftritt zu toppen. Bis zum 29. Oktober kann man sich die Schmidt-Sendung mit Frau Berg noch online anschauen. Unbedingt sehenswert.

Kurzer Schwenk in die drögen Niederungen der hohen Politik. Die kommende Koalition scheint nun tatsächlich an so einem Leistungsschutzrecht für Verlage zu basteln. Demnach müssten Suchmaschinen wie Google künftig artig fragen, ob sie Verlags-Inhalte noch indizieren dürfen und eventuell sogar dafür zahlen. Kann Google nicht endlich einfach mal alle Unterzeichner der „Hamburger Erklärung“, die dieses Leistungsdings fordern, aus Google News rausschmeißen. Das Thema hätte sich garantiert in ein paar Tagen erledigt.

Geheimnisumwitterter Print-Markt. In diversen Umfragen sagen Jugendliche, wenn sie nach ihrem Lieblingsmedium gefragt werden, immer sowas wie: Handy, Handy, Handy. Wieso stiegen denn dann bitte im dritten Quartal die Auflagen der Teenie-Zeitschriften? Die olle Teenie-Tante „Bravo“ legte um 17,5 Prozent zu. Ein Krachblatt wie „Hey!“ sogar um 21 Prozent. Das hat weder was mit dem Tod von Michael Jackson, noch mit sonstigen Verkäufen zu tun (dafür sind die meisten Verlage, die Teenie-Blätter herausgeben, ohnehin zu geizig). Es gibt derzeit schlicht und ergreifend zahlreiche Stars, für die sich die heranwachsende Brut ganz furchtbar interessiert. Allen voran die nervige Miley Cyrus („Hannah Montana“) oder das Personal aus diesem Vampir-Dramolett „Twilight“. Wie zu allen Zeiten gilt: Wenn interessante Themen da sind, egal wie abstrus sie aus der Perspektive älterer Zeitgenossen auch scheinen mögen, läuft’s. Mit dem DS-Game, mit dem T-Shirt, dem Konzert-Ticket. Und auch mit der guten alten Zeitschrift.

Normalerweise sind Journalisten-Schüler ja gewohnt, dass ihre Werke der so genannten breiten Öffentlichkeit vorenthalten bleiben. Größtenteils jedenfalls. Die Absolventen der Burda Journalistenschule durften sich jetzt freuen, dass ihr Abschlussprojekt recht prominent bei Focus Online veröffentlicht wurde. Die Burda-Eleven haben sich mit dem Begriff der „Deutschen Mitte“ auseinandergesetzt und dabei so ziemlich alle Spielarten des Online-Journalismus ausgereizt. Vom Video über den normalen Artikel, Selbsttests bis hin zur allseits beliebten Slideshow-Reportage. Das Ergebnis ist in manchen Beiträgen frischer und origineller als vieles, was die etablierten Online-Redaktionen sich so einfallen lassen. Zu besichtigen unter mitte.focus.de.

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