Medienmacher: Was Qualität kosten darf

Ratlosigkeit unter Deutschlands Medienschaffenden. Diesen Eindruck konnte man am Montag beim Herbstforum Initiative Qualität im Journalismus gewinnen. Auf dem Podium saßen u. a. die Chefredakteure Wilm Herlyn (dpa), Peter Stefan Herbst ("Saarbrücker Zeitung") und Horst Seidenfaden ("HNA"). Sie alle mussten passen, als es um die Frage ging, wie man sich Qualitätsjournalismus künftig noch leisten könne. Immerhin: Der Graben zwischen Verlagen und Agenturen scheint nicht tiefer geworden zu sein.

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Die Initiative Qualität im Journalismus lud zum fünften Branchentreffen in Berlin, tauschte sich über aktuelle Entwicklungen aus und lauschte wissenschaftlichen Beiträgen publizistischer Akademiker. Im Jahr zwei der Finanzkrise, die die Medien wie kaum eine andere Branche trifft, wurde es auf dem Podium unheimlich still, als es die Frage zu beantworten galt, wie Medien ihre Qualität aufrechterhalten wollen.

Einig waren sich alle Teilnehmer des Panels, dass man Qualität nur mit exklusiven, investigativen Geschichten gewährleisten könne, die zugleich sprachlich originell erzählt sein müssen. Damit stärke man die eigene Marke. Doch wie das Ganze zu finanzieren sei, blieb unbeantwortet. „HNA“-Chef Horst Seidenfaden erklärte, dass man nach den Bedürfnissen der Kunden schauen müsse, konnte aber nicht genau sagen, wie die aussehen. Peter Stefan Herbst wusste zumindest, wie es nicht geht, und nannte augenzwinkernd fünf Kriterien, wie man eine Zeitung unter Garantie in den Ruin treibt:

„1. Ignorieren und beleidigen Sie ihre Leser, zeigen Sie ihnen, dass Anzeigenkunden wichtiger sind als sie.
2. Hofieren Sie Politiker und Wirtschaftsfunktionäre
3. Vernachlässigen Sie die Ausbildung
4. Ignorieren Sie den technologischen Fortschritt
5. Stellen Sie niemanden ein, der den Job womöglich besser erledigt als Sie“

Auch der scheidende dpa-Chef Wilm Herlyn übte Kritik: „Die Verlage investieren zu wenig in Ausbildung und Personal“, so der 64-Jährige. Mit der augenblicklich vorherrschenden Politik der Medienhäuser könnten die Herausforderungen des Medienwandels nicht gemeistert werden, Qualität habe ihren Preis. „Ich kann von meinem Verleger nicht mehr Geld für Personal zur Qualitätssicherung verlangen und im Gegenzug höhere Qualität von den Agenturen zu niedrigeren preisen verlangen“, pflichtete Herbst dem dpa-Chef bei.

Versöhnlich wurde es, als „HNA“-Chef Seidenfaden erklärte: „Solange es eine gedruckte ‚HNA“ gibt, werden wir auf Agenturmeldungen zurückgreifen.“ Auf dem Podium herrschte Frieden und Einigkeit, leider bei wesentlichen Fragen auch Ratlosigkeit.

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