Anzeige

Wegner zieht erste Nachrichten.de-Bilanz

Schnell waren sich die meisten Medien-Experten einig: Nachrichten.de ist die bislang beste Deutsche Verlags-Antwort auf Google-News. Doch was bringen Top-Rezensionen? Entscheidend ist, was dem Nutzer gefällt? Nach vier Wochen zieht Focus Online-Chef Jochen Wegner im MEEDIA-Interview eine erste Bilanz: Die Nutzer-Zahlen steigen beständig und 35 Medienpartner nehmen am Revenue-Share-Modell teil. Zudem verrät Wegner, dass Burda noch an einer Community schraubt, die bald startet.

Anzeige

Wenige Tage nach dem Start von Nachrichten.de verrieten Sie im Entwicklerblog erste Zugriffszahlen. Demnach schaffte das Portal in den ersten 24 Stunden eine sechsstellige Besucherzahl. Wie hat sich der Traffic seit dem entwickelt?
Wie bei fast allen frisch gestarteten Online-Angeboten stabilisiert sich der Traffic nun auf etwas niedrigerem Niveau und wächst von da aus kontinuierlich – eine für das Netz klassische Kurve.

Was ist die Erfahrung der ersten Tage. Wo kommen die Nutzer her?
Die meisten geben die Adresse nachrichten.de direkt in ihren Browser ein. Einerseits sehen wir hier bereits erste Stammnutzer, andererseits hilft die sehr starke generische Domain.

Nachrichten.de ist in der Tat ein eine Top-Adresse. Wie viel mussten sie für die URL zahlen?
Nichts. Focus-Online-Produktchef Oliver Ebert stellte auf seiner Suche nach spannenden Namen vor einiger Zeit fest, dass die Domain offensichtlich schon seit sehr langer Zeit in unserem Besitz ist – und auf Focus.de weitergeleitet wurde. Wir entdeckten das just in den Tagen, als in den USA neue Nachrichten-Aggregatoren wie daylife.com starteten. Die Idee für das heutige nachrichten.de war schnell geboren.
Ist nachrichten.de ein Google-News-Killer?
Aber nein, eine solche Arbeitshypothese wäre völlig vermessen – den Begriff haben formulierungsfreudiger Medienjournalisten geprägt. Wir wären schon mit Prozenten des Google-News-Traffics zufrieden. 
Aber in der Branche wird Google-News von vielen als böse angesehen und nachrichten.de als die Guten.
Das mag so sein, weil wir bereits zum Start unsere Erlöse mit allen Publishern teilen, die in unserem Index enthalten sind und die eine entsprechende Kurz-Vereinbarung unterschreiben. Wir sind sogar ein wenig stolz darauf, dass wir damit offensichtlich eine Art Blaupause für ein mögliches Modell in der Debatte um den Leistungsschutz geschaffen haben.

War das Revenue-Share-Modell nicht erst als spätere Ausbaustufe für Nachrichten.de gelant?

Ja. Eigentlich hatten wir es erst im zweiten Jahr geplant, da die Erlöse beim Start natürlich vernachlässigbar sind.
Aber nach der großen Google-Diskussion, die Hubert Burda als Präsident des VDZ entscheidend mitprägte, blieb wohl keine andere Wahl, als das Modell sofort zu starten?
Es war sicher sinnvoll, um der vorhersehbaren Kritik entgegenzutreten.
Wie viele Content-Anbieter machen denn schon mit?
35 Verträge wurden bereits unterschrieben. Unter unseren Partnern sind überregionale Tageszeitungen und Wochenmedien – und sogar ein öffentlich-rechtlicher Sender. Darüber hinaus haben sich rund 220 Publisher mit bislang noch nicht berücksichtigten Online-Angeboten für die Aufnahme in den Index von nachrichten.de beworben. Derzeit umfasst er 482 Quellen, in den kommenden Wochen werden es wohl bereits mehr als 500 sein.

Wie viel können die Vertragspartner verdienen?
Am Anfang sicher nur wenige Euro im Monat. Im zweiten Jahr sind für die großen Anbieter vielleicht schon vierstellige Einnahmen möglich.

Wie viele Leute arbeiten für Nachrichten.de?
In München arbeitet ein einziger festangestellter Kollege Vollzeit für das Portal. Er koordiniert Techniker-Teams bei der TOMORROW FOCUS Technologies und bei Neofonie in Berlin.
Bei solch geringen Kosten klingt das nach einer Lizenz zum Gelddrucken.
Wohl kaum. Wir gehen aber davon aus, dass sich das Angebot bereits mit geringen Userzahlen rechnet.

Sie setzten bei Focus Online auf eine Beiboot-Strategie und haben gerade Finanzen100 und Nachrichten.de gestartet. Was kommt als nächstes?
Nachrichten.de ist – im Gegensatz zu Finanzen100 – kein Teil von Focus Online. Das Projekt soll sich eigenständig entwickeln. Derzeit arbeiten wir bei Focus Online an einer neuen Community-Plattform, die noch in diesem Jahr live gehen soll.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige