„Web-TV bietet Verlagen enorme Chancen“

Seit den 60er Jahren verdient IDG ("PC Welt", Tecchannel) viel Geld mit IT-Berichterstattung. Wenn die Zukunft der Verlage tatsächlich in der Nische liegt, dann haben die Münchener beste Chancen, zu den Krisengewinnern zu gehören. Im MEEDIA-Interview erklärt CEO York von Heimburg wie der richtige Medienhaus-Mix aus Print, Internet, Events, Web, Corporate Publishing und Markforschung funktioniert. Die aktuellen Verlagsprojekte sind die Community-Site CFOworld.de und der neue Vermarkter IDG TechNetwork.

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Was ist das Besondere am IDG-Konzept?
IDG treibt den Wandel von einer reinen Print-Company zu einer innovativen Medien-Service-Plattform schon seit langem als Teil der Unternehmensstrategie voran. Weltweit hat sich IDG etwa alle zehn Jahre als führender Marktpartner so weiter entwickelt, wie sich das Anforderungsprofil auf Seiten der Kunden der Informationstechnologie geändert hat. So startete IDG in den 60er Jahren mit IDC die weltweite Marktforschung für den IT-Bereich, in der 70er Jahren das weltweite Launchen von Spezialzeitschriften, in den 8oer Jahren das weltweite Ausrollen von Konferenzen und Events und in den 90er Jahren den erfolgreichen Einstieg in das Venture-Business in den USA und insbesondere in Asien zum Beispiel China, Indien und Vietnam.

Lassen Sie mich raten. In diesem Jahrzehnt steht das Internet und die damit verbundenen Online-Geschäftsmodelle im Vordergrund?
Ja. De Fokussierung auf das Web steht im Zentrum allen unternehmerischen Handelns. Im IT-Medien-Geschäft ist IDG nunmehr der einzige weltweite Anbieter. In Deutschland beträgt der Umsatzanteil von Online im Verhältnis zum Gesamt-Publishing-Umsatz bereits 24 Prozent. Damit ist IDG in Deutschland einer der entscheidenden Treiber des Online-Business im Bereich Medien – immer innovativ und kundenorientiert bei der Produktentwicklung wie beim Lead-Geschäft, Social Media oder der Plattform IDG TechNetwork.

Stirbt der Print-Markt oder gibt es wenigstens noch ein Leben in der Nische?
Der Print-Markt wird nie sterben, aber er wird in Zukunft ganz anders ausschauen. Es wird weiterhin die reichweitenstarke Schlachtschiffe geben, daneben aber viele kleine hochwertige Nischentitel. Im Print-Markt werden die „Wohlfühl-Titel“ mit schönen Bildern, tollen Texte die größten Überlebens-Chancen haben.

Um wen steht es dagegen eher schlecht?
Die Titel, die überwiegend anderweitig auffindbare Fakten und wenig Nutzwert anbieten, laufen Gefahr, durch das Internet substituiert zu werden. Print wird für die Werbekunden bei der Markenbildung weiterhin ein wichtiger Baustein bleiben; muss sich aber stark verändern und das nach den Wünschen der Leser im besten Sinne einer crossmedial vernetzten Medienmarke.

Wie müssen sich Verlage dann aufstellen, um sich – trotz Krise – erfolgreich weiterentwickeln können?
Verlage müssen die ganze Bandbreite einer Medienmarke nutzen, um weiter wirtschaftlich erfolgreich zu sein: Print, Online, Events, Custom Publishing, Entwicklung neuer Services, Nutzerdatenbanken, Videos, Marktforschung, Communities und E-Commerce. Und aus diesen müssen dann verknüpfte, vermarktungsfähige Angebote gemacht werden. Einer der stärksten Nachfrage-Trends ist zur Zeit der Zugang zu effizienten Social Media-Angebotsformen.
Um auch kleineren Nischen-Medienmarken eine Chance zum Überleben zu geben, müssen nicht nur die Overhead-Kosten sinken, sondern auch interne Abläufe massiv auf das Web und die Nutzung von Synergien ausgerichtet werden. Nur kleine schlagkräftige Unternehmenseinheiten, die engagierten Entrepreneurs unternehmerische Freiräume bieten, werden letztendlich wirtschaftlichen Erfolg haben.

Liegt für bislang eher Print-getriebene Verlage eine besondere Zukunft im Web-TV?
Für die klassischen Verlage ist Web-TV eine enorme Chance, erstmals auch an TV-Budgets ranzukommen. Der Aufbau von wirtschaftlich sinnvollen und zielgruppenspezifischen Reichweiten sollte im Web-TV-Bereich im Fokus stehen. Das klassische Fernsehen wird durch Online jetzt in dieselbe Krise hineinlaufen wie dies vorher schon mit den Verlagen geschehen ist.

Was sollen die Verlage beim Web-TV den konkret machen?

Jetzt ist „Let’s try“ gefragt: Jede Medienmarke muss schauen, was die Zielgruppe für Video-Inhalte will und welche Business-Modelle sinnvoll sind. Bei IDG laufen Sendungen wie etwa die wöchentlich einstündige World of Warcraft Show sowie sehr gut vermarktbare Live-Webcasts mit Lead-Programmen zu Fachthemen, Produktvorstellungen, Tutorials zu ausgewählten Software-Programmen, Besprechungen und Tests von Spielen oder Messeberichterstattung. Mit rund 1,5 Millionen Video-Abrufen pro Monat zählen wir zu einem der größten Anbieter von fachspezifischen Web-Videos.

Müssen sich die Verlage zusätzlich noch von Content- zu Technologie-Anbietern wandeln?
Ja, sicher. Technologie ist der Schlüssel bei der plattformübergreifenden Erstellung von Inhalten und vor allem bei der zielgruppenspezifischen Auslieferung der einzelnen Contents sowie der effizienten Belieferung von Contents hinein in die verschiedenen Kanäle. Die Probleme der Technologie definieren zusammen mit den Kosten für die Entwicklungen die Abfolge von Innovationszyklen. Von der nächsten neuen Web-Technologie werden immer bessere Funktionen erwartet. Das macht den Prozess teuer, deshalb empfiehlt es sich manchmal, lieber abzuwarten als überstürzt zu handeln.

Welche neuen Print-Projekte planen Sie?
Wir sind aktuell sehr erfolgreich mit Print-Premium-Titeln am Kiosk wie der PC WELT XXL, der MacWelt XL oder der iPhone Welt XL. Außerdem hat IDG das offizielle SIMS-Heft herausgebracht, das sechs Mal im Jahr erscheint und von der Fan-Gemeinde des Spiels sehr gut angenommen wird. Sechs Mal im Jahr erscheint auch die iPhone Welt. Unser Webzine TecChannel bringt mittlerweile sechs bis acht Handbücher zu ganz spezifischen Themen heraus. Daneben haben wir viele neue Online-Aktivitäten am Start. Die beiden wichtigsten sind das neue Portal für Finanzentscheider in Unternehmer „CFOworld“ oder das „IDG TechNetwork“.

Wie muss man sich CFOWorld und das TechNetwork konkret vorstellen?
Mit dem IDG TechNetwork ist in Deutschland eine der erfolgreichsten, internationalen Produkteinführungen der weltweiten IDG-Gruppe gestartet. IDG TechNetwork ist das erste Online-Werbenetzwerk im deutschen Markt, das speziell auf den Technologie-Sektor ausgerichtet ist. Das Netzwerk generiert zielgenaue Reichweiten in allen relevanten Zielgruppen für das Technologie-Marketing – im B2B- und B2C-Bereich sowie im Gaming- und Entertainment-Sektor. Die deutschsprachige Community CFOworld.de ist ein Gemeinschaftsprojekt der „Computerwoche“ und des „CIO Magazins“, das sich als Sprachrohr und Leitmedium der Finanzvorstände in einer immer komplexeren Finanzwelt versteht.

Wann sollen die beiden Projekte starten?
Das IDG TechNetwork ist schon online, Wir haben bislang fünf Partner-Sites gewinnen können und in Kürze werden weitere hinzukommen. Die Community-Site CFOworld.de startet heute als Beta-Version und wird ständig weiter ausgebaut. Das besondere Asset der Site ist eine Datenbank mit weit über 25.000 Adressen von Finanzentscheidern der obersten Führungsebene in deutschen Unternehmen. Deshalb ist sie auch für Lead-Programme besonders attraktiv.

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