Abschied von Reinhard Mohn

In einer rund zweistündigen Trauerfeier haben am Freitagmorgen Familie, Weggefährten, Bertelsmann-Mitarbeiter und Prominenz aus Medienbranche, Politik und Wirtschaft Abschied von Reinhard Mohn genommen. Der Bertelsmann-Patriarch war vor knapp zwei Wochen im Alter von 88 verstorben. Redner wie Bertelsmann-Manager Hartmut Ostrowski und Gunter Thielen, Mohns Kinder Christoph und Brigitte sowie Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ehrten Mohns Lebenswerk.

Anzeige

Zu den Trauergästen gehörten aus der Medienbranche u.a. Friede Springer, Mathias Döpfner, Hubert Burda, Heinz Bauer, Verlegerfamilie Jahr, Chefredakteure wie Helmut Markwort und Kai Diekmann, viele aktuelle und ehemalige Manager aus dem Bertelsmann-Konzern und seinen Tochterfirmen, sowie Leute wie Günther Jauch und Frank Elstner. Der konzerneigene Infosender n-tv übertrug die Veranstaltung am Freitag live und in voller Länge und verzichtete während der Sendung sogar auf das Einblenden seines Nachrichten-Crawls.

Die Trauerfeier begann mit dem Knabenchor Gütersloh, der die beiden Volkslieder „Im schönsten Wiesengrunde“ und „Am Brunnen vor dem Tore“ vortrug. Offenbar Musikstücke, die Mohn besonders am Herzen lagen.

Erster Redner war der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski, der Mohns Leben Revue passieren ließ und seine „herausragende Lebensleistung“ würdigte. „Mohn: Ich habe das getan, was mir entsprach“. „Sein Tod ist für uns alle ein unermesslicher Verlust“, so Ostrowski. „Die Lücke, die Reinhard Mohns Tod reißt, lässt sich nicht schließen. Das 20. Jahrhundert hat viele große Unternehmer hervorgebracht, für mich war Reinhard Mohn der Größte. Es ging ihmn nie um Umsatz und Rendite allein.“ „Für uns gilt es nun, in seinem Sinne voran zu schreiten. Hierzu werde ich nach Kräften meinen Beitrag leisten“, endete Ostrowski.

Gunther Thielen, ehemaliger Konzernchef und jetziger Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung würdigte in seiner Ansprache vor allem Mohns Verdienste im Rahmen der Stiftung. Themen wie Völkerverständigung, Integration und Aussöhnung mit Israel hätten Mohn am Herzen gelegen, seine Bemühungen hätten Vorbildcharakter gehabt. „Der Gesellschaft dienen“ wollte Mohn. „Trotz seines hohen Alters war er bis zum Sommer täglich in der Stiftung präsent, hat mitdiskutiert und neue Ideen in die tägliche Arbeit eingebracht“, so Thielen. An Liz Mohn gewandt sagte Thielen: „Er hat dich geliebt, er hat deine Meinung geschätzt und er hat deinen Einsatz bewundert.“ Reinhard Mohns Erbe sei bei Liz Mohn in guten Händen.

Als nächstes sprach Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Mohn als „genialen Unternehmer“, aber auch als „Bürger“ würdigte, der sich für das Gemeinwohl eingesetzt habe. Mohn sei ein Unternehmer gewesen, „der Aufbruch lebte und nicht nur vom Aufschwung träumte“, so zu Guttenberg weiter. „Ich verneige mich vor einem wahrhaft großen Mann“. Aus der Reihe der Politiker gehörte auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zu den Rednern der Trauerfeier. Er erwähnte vor allem Mohns Verdienste für die Gesellschaft.

Für Mohns Familie ergriff schließlich zunächst Sohn Christoph Mohn das Wort. Er fügte der Würdigung des Lebenswerkes persönliche Erfahrungen hinzu. Kindheits- und Urlaubserinnerungen an „Tata“, wie die Kinder Reinhard Mohn nannten, ebenso wie Erinnerungen an die sonntäglichen Mittagessen und viele Gespräche. „Wir als Familie werden uns weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Eigenständigkeit und Kontinuität von Bertelsmann erhalten bleibt.“ Tochter Brigitte Mohn übernahm schließlich und erzählte in bewegenden, sehr persönlichen Worten von ihrem Vater, der immer für sie da gewesen sei. Ein Einstieg in den Bertelsmann-Konzern oder die -Stiftung sei für die Kinder nie ein Zwang gewesen, Reinhard Mohn hätte auch andere Entscheidungen akzeptiert.

Ein fünfminütiges filmisches Porträt mit dem Namen „Reinhard Mohn – Ein Lebenswerk“ schloss die Trauerfeier ab: „Das Herz von Reinhard Mohn hat aufgehört zu schlagen, doch seine Ideen leben weiter. Mehr als 100.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt trauern um einen großen Unternehmer, einen Stifter, einen Bürger.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige