Zeitungen drucken gefälschte Promi-Storys

Eine Gruppe subversiver Journalisten hat in England frei erfundene Promi-News erfolgreich über große Boulevard-Zeitungen lanciert. Laut "Guardian" geht es dem Team um den Beweis, dass die Redaktionen Geschichten veröffentlichen, ohne die Fakten zu prüfen. Ein Dokumentarfilm über das Projekt kommt Ende des Monats unter dem Titel "Starsuckers" in die Londoner Kinos. Der Fall erinnert an den "Bluewater"-Skandal vom September, als die dpa auf ein gefälschtes Attentats-Video hereinfiel.

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In vielen Fällen hatte das „Starsuckers“-Team Erfolg. So lancierte Regisseur Chris Atkins im März die Nachricht, dass Amy Winhouse‘ toupierte Beehive-Frisur Feuer fing, nachdem eine defekte Sicherung Funken ausgelöst hatte. Die Story reicherte er mit weiteren frei erfundenen Details an. Der „Mirror“ druckte die Geschichte unter der Überschrift: „Amy Winehouse in hair fire drama“, zwei Tage später kam der „Daily Star“ damit heraus. Danach ging die Ente über Promi-Websites und das „New York Post“-Blog um die Welt. Schließlich brachte sogar die „Times of India“ die Story.

Für eine andere Falschmeldung gab sich ein „Starsucker“-Mitglied als Frau eines Möbelpackers aus, der bei einem Umzug von Girls Aloud-Sängerin Sarah Harding Bücher über Astronomie und Quantenphysik gefunden habe. Die „Sun“ brachte daraufhin eine Story unter der Schlagzeile „Sarah ist ein echter Streber“. Das Blatt fügte sogar einen O-Ton einer Quelle hinzu, die Starsucker nicht geliefert hatte. Auch diese Geschichte verbreitete sich binnen kürzester Zeit unter anderem über die Cosmopolitan-Website.

„Hätten die Zeitungen die gefälschten Storys überprüft, bevor sie gedruckt wurden, hätten sie binnen Minuten bemerkt, dass sie dabei sind, völligen Blödsinn zu veröffentlichen“, zitiert der „Guardian“ Atkins. Den Regisseur verblüffte aber vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich die Fälschungen um den Globus verbreitet haben.

Auf der „Starsuckers“-Website beschreibt das Team seine moralische Motivation: „…der Film offenbart die vergiftende Wirkung der Medien auf uns alle, vor allem aber auf unsere Kinder. Er zeigt, dass die Wahrheit in den Nachrichten heute nur eine ferne Erinnerung ist. Er gipfelt in der schockierenden und beunruhigenden Enthüllung, wohin sich die Dinge entwickeln, wenn wir der Unterhaltung erlauben, Politik und Nächstenliebe zu infiltrieren.“

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