„Wir wollen das beste Berlin-Portal werden“

Kein regionaler Medienmarkt ist so umkämpft wie der der Hauptstadt. Mehr als ein halbes Dutzend Zeitungen und etliche Websites kämpfen um die Vorherrschaft im Nachrichtenfluss, Meinungsführerschaft und natürlich um Auflage und Traffic. Besonders umtriebig ist dabei die "Berliner Morgenpost". Seit seinem Amtsantritt 2004 hat Chefredakteur Carsten Erdmann Blatt und Website konsequent modernisiert. Im Interview mit MEEDIA spricht der 43-Jährige über den Relaunch von Morgenpost.de und ehrgeizige Ziele.

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Was ist die wichtigste Neuerung bei Morgenpost Online?
Für uns steht künftig ganz klar unsere Kernkompetenz Berlin im Mittelpunkt. Bislang waren wir ein News-Portal mit Berlin-Schwerpunkt. Mit dem Umbau entsteht ein Berlin-Portal mit News und Services für die Hauptstadt, das nach wie vor aber auch überregionale News anbietet. Das zeigt sich schon in der neuen Navigation: Wir gehen weg von der klassischen Ressortaufteilung und bieten jetzt unter den ersten drei Navigationspunkten Themen rund um Berlin, erst der vierte Punkt zielt auf die überregionalen News.

Auffällig ist der hohe Anteil an Bewegtbild-Formaten.
Das ist ein wichtiger Teil unserer crossmedialen Strategie. Wir bieten unseren Usern damit einen großen Mehrwert. Dafür schicken wir viele unserer Reporter mittlerweile mit Flipcams auf Termine. Zudem kooperieren wir im Bewegtbildbereich seit einiger Zeit sehr erfolgreich mit tv.berlin. Daraus entsteht ein großes Angebot an aktuellen Video-Formaten, die wir auf der Site platzieren. Dieser Bereich wächst kontinuierlich und hat sehr gute Zugriffszahlen.

Ein Beispiel?
Es gelingt uns, aktuelle News-Clips schneller online zu bringen als andere. Als Herta Müller den Literaturnobelpreis gewann, haben wir als erste ein Video gebracht, das ihre Freude zeigte. Da waren wir deutlich schneller als viele TV-Sender.

Was waren die weiteren Ziele beim Relaunch?
Unsere strategische Überlegung war, die Frage nach unserem USP in den Mittelpunkt zu stellen. Unser USP ist Berlin! Deswegen kommen die Nutzer zu uns. Wir wollen News über Berlin bieten, die sonst keiner hat und diese auch in einer höheren Schnelligkeit als die Wettbewerber zur Verfügung stellen. Wir haben uns ganz klar für die Fokussierung auf unseren Kernmarkt entschieden.

In den letzten Jahren war zu beobachten, dass sich die News-Portale optisch und vom Nachrichtenangebot immer mehr aneinander annäherten. Auf vielen Sites herrschte der Agentur-Mainstream vor.
Genau davon wollten wir weg. Wir sind jetzt ein echtes Berlin-Portal und haben die Grundsteine dafür gelegt, dass unsere Site in der Hauptstadt weiter wachsen wird.

Welche sind das?
Wir bieten zusätzlich zur optimierten Website auch ein neues Mobil-Portal an, das sich vor allem in punkto Usability mit den Top-Portalen messen kann: Die Site ist schnell, spielt Videos problemlos ab und bringt ein Vollangebot – das ist ein Quantensprung gegenüber dem vorherigen Portal. Zudem setzen wir systematisch auf die Vernetzung unseres Nachrichtenangebots mit Social Media-Sites. Beispielsweise sind wir seit längerem sehr erfolgreich bei Twitter und Facebook mit eigenen Communities präsent. Darüber kommunizieren wir aktiv mit den Nutzern und bekommen so viele nützliche Tipps und Anregungen. Zudem haben wir uns auch entschieden, mit Morgenpost Online künftig zum Aggregator zu werden und eine Plattform für Inhalte privater und professioneller Blogger zu installieren.

Welche Erfahrungen machen Sie dabei?

Wir haben beispielsweise sehr früh erfolgreiche Tests mit Twitterwalls gemacht. Bei großen Nachrichtenlagen wie dem Tod von Michael Jackson oder der S-Bahnkrise in Berlin lieferten diese Walls sehr schnell ein hochinteressantes Stimmungsbild. Dabei kommt uns zugute, dass wir in Berlin bei Twitter inzwischen so viele Follower haben, dass die Community eine signifikante Größe erreicht hat.

In vielen Redaktionen herrscht noch eine ablehnende Haltung gegenüber den Social Media-Sites vor. Gibt es bei Ihnen keine Berührungsängste?
Die Kommunikation mit Social Media-Nutzern darf keine Einbahnstraße sein, es muss einen Dialog geben. Wir möchten, dass der Nachrichten-Prozess transparent ist. Dabei muss man eine gewisse Offenheit mitbringen und auch die Bereitschaft, sich kritisieren zu lassen. Auch Profis machen mal Fehler, und darauf weisen uns dann oft sehr schnell die Twitterer hin. Wir haben dafür mittlerweile sogar extra die Rubrik „Leider falsch“auf der Site eingerichtet. Dort dokumentieren wir unsere Fehler und sagen auch, wer uns darauf hingewiesen hat. Das wird sehr gut aufgenommen.

Wo liegen die Grenzen des Social Webs im Nachrichtengeschäft?
Twitter und anderen Angebote sind eine zusätzliche, sehr schnelle Quelle. Man muss lernen, die Informationen, die für einen selbst interessant sind, zu filtern. Für uns ist Twitter eine Quelle von vielen. Natürlich gilt die Regel, dass diese Informationen gegenrecherchiert werden müssen. Wir bekommen aus der Community viele Tipps und Beobachtungen über Ereignisse in Berlin. Wir recherchieren das dann nach und informieren per Twitter, was wirklich passiert ist – ein gegenseitigen Geben und Nehmen.

Denken Sie über Paid Content nach?
Wir sind davon überzeugt, dass guter Journalismus und zusätzliche Serviceangebote nicht auf Dauer gratis sein können. Deshalb prüfen wir mehrere Wege, sind aber noch in der Planungs- und Entwicklungsphase.

Welches Ziel verfolgen Sie mittelfristig?
Wir wollen das maßgebliche und beste Berliner News- und Service-Portal zu sein und auch langfristig zu bleiben.

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