IVW: Verluste für „Focus“, „Brigitte“ & „Geo“

Keine schönen Nachrichten für die Publikumszeitschriften: Im dritten Quartal 2009 hat die überwiegende Mehrheit der Branche Auflagenverluste hinnehmen müssen. Neben den seit einigen Quartalen besonders betroffenen Programmies gehören diesmal vor allem der "Focus", die "Brigitte" und "Geo" zu den größten Auflagen-Verlierern. So gingen dem "Focus" 22,1% der Vorjahresauflage abhanden - und das nicht nur wegen einer geringeren Anzahl an Bordexemplaren.

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614.033 Exemplare verkaufte der „Focus“ im dritten Quartal pro Ausgabe – so wenige wie seit 1994 nicht mehr. Zwar liegen derzeit nur die Vorab-Zahlen des VDZ-Auflagendienstes ohne Einzelverkauf, Abozahlen, etc. vor – die kompletten IVW-Auflagen werden in der kommenden Woche veröffentlicht – doch ein Blick auf die Heftauflagen des „Focus“ verät, wo er besonders verlor. So schraubte Burda nicht nur bei den Bordexemplaren die Auflage um ca. 25% herunter, auch bei den Abos ging in etwa so viel verloren. Womöglich hat man also auch hier Billig-Abos abgebaut, um die Auflage gesünder zu machen. Nicht so schön ist das Minus im Einzelverkauf, denn auch hier verzeichnet der „Focus“ einen Rückgang von ca. 15%.

Weitere große Verlierer sind neben den Programmies „TV Digital“, „TV Spielfilm“, „TV Movie“ und „nur digital“ (-57,2%) auch die „Brigitte“ und „Geo“. Die beiden Gruner+Jahr-Magazine verloren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jeweils mehr als 50.000 Käufer, bei „Geo“ entspricht das einem deutlichen Minus von 13,1%, die „Brigitte“ setzt ihren Abwärtstrend der vergangenen Jahre mit einem Minus von 7,9% fort. Mal sehen, ob der Verzicht auf Magermodels in den kommenden Quartalen eine Trendumkehr bewirken kann. So sieht die Flop Ten der IVW-Verlierer im dritten Quartal aus – enthalten sind nur Publikumszeitschriften, die auch am Kiosk erhältlich sind:

254 der vom CDZ vorab bekannt gegebenen Zeitschriften lagen mit ihren Auflagen unter den Zahlen des Vorjahresquartals, 153 darüber. Ein ungefähres Verhältnis von 62:38 also. nebend en genannten Kiosk-Titeln verloren auch einige Supplements und Kundenzeitschriften deutlich: Die „rtv“-Auflage schrumpfte um 263.250 Stück (2,8%), die der „ADAC Motorwelt“ um 208.204 (1,3%).

Schöner ist da der Blick auf die Gewinner. Auch hier finden sich ganz vorn einige Kundenmagazine wie „Ratgeber aus Ihrer Apotheke“ und „Apotheken Umschau“. Sortiert man diese Titel aus und listet nur die Gewinner unter den auch am Kiosk erhältlichen Zeitschriften auf, so führt – wieder einmal – der Boom-Titel „LandLust“ das Ranking an: Mit einem erneuten Plus von 45,2% katapultiert sich das Blatt auf heftige 549.277 Verkäufe pro Ausgabe. Erstmals überhaupt durchbrach die „LandLust“ damit die 500.000er-Marke. Ebenfalls stark zulegen konnten „Glamour“ (+32,2%), „TV 14“, „Welt der Wunder“ und „Jolie“.

Auch hier nochmal die Anmerkung: Die Zahlen entsprechen den Gesamtverkäufen des dritten Quartals. Die genau aufgeschlüsselten Auflagen liegen erst in der kommenden Woche vor, bis dahin lässt sich bei dem einen oder anderen Titel noch nicht sagen, in wieweit die Gewinne echte Gewinne sind – oder durch Bordexemplare oder sonstige Verkäufe gepushte Gewinne. Im Fall von „LandLust“ scheint die Sache klar: Nach Verlagsangaben besteht die verkaufte Auflage des Titels weiterhin zu 98% aus harten Verkäufen, also Einzelverkauf an Kiosk & Co, sowie Abos. Das Plus der „LandLust“ ist also ein echtes Plus.

Das Ranking der IVW-Neulinge wird auch diesmal von frauen-affinen Titeln dominiert. Kein Wunder, schließlich gibt es in diesen Segmenten auch die meisten Neugründungen. Der exklusiv von Rewe vertriebene Titel „Laviva“ führt die Liste mit 326.383 Verkäufen an, dahinter folgen „TV für mich“ aus dem Gong Verlag und „Woche heute“ vom Pabel-Moewig-Verlag:

Auch im traditionell am meisten beachteten Segment der aktuellen Zeitschriften und Magazine dominieren die Verlierer. Acht Titel der Top Ten verkauften sich im Vergleich zum Vorjahresquartal schlechter, nur zwei – „InTouch“ und „in“ – verkauften sich besser. Das heftige „Focus“-Minus ist dabei allerdings der mit Abstand größte Verlust aller zehn Titel, die meisten anderen kamen glimpflicher davon. So beklagt „Der Spiegel“ nur ein kleines Minus von 1,1% und bleibt über der Mio.-Marke, die „Bild am Sonntag“, die diesmal im VDZ-Auflagendienst fehlt, verkaufte sich laut Verlagsangaben 2,5% schlechter und der „stern“ kam auf ein Minus von 3,8%:

Ohnehin lief es für Axel Springers rote Gruppe diesmal recht ordentlich. Die „Bild der Frau“ gewann 2,9%, „Auto Bild“ im gegensatz zu den meisten anderen Automagazinen 3,2%, „Sport Bild“ legte um 6,0% zu und selbst „Computer Bild Spiele“ gewann im kriselnden Games-Segment 11,8% hinzu. Verloren haben hingegen „Computer Bild“ (-4,9%) und „Audio Video Foto Bild“ (-12,3%). Erstere befindet sich damit aber immer noch über dem Durchschnittsverlust des Computer-Segments, zweitere soll sich künftig mit dem aktuellen Relaunch wieder besser verkaufen.

Der Blick auf die Top 20 aller Publikumszeitschriften zeigt vor allem die Auflagenstärke der kostenlos oder als Mitgliederzeitschrift unter die Leute gebrachten Titel. Die „ADAC Motorwelt“ wurde im dritten Quartal an 13,56 Mio. Leute verschickt, „rtv“ lag in 9,05 Mio. Haushalten der Tageszeitung bei und AOK-Zeitschrift „Bleib gesund“ bekamen 6,46 Mio. Menasch nach Hause. Bei diesen kostenlosen Titeln sind die Minuszeichen auch nicht ganz so groß, einige Titel wie „Bleib gesund“, die „Apotheken Umschau“ oder „Das Haus“ waren im dritten Quartal noch auflagenstärker als im Vorjahr:

Wiederum bereinigt um die nicht am Kiosk erhältlichen Titeln wird aus der Dominanz der Kostenlos-Titel eine Dominanz der Programmzeitschriften. Die Programmies belegen trotz weiträumiger Verluste weiterhin u.a. die Plätze 1, 2, 4, 5, 6, 7 und 8 des Rankings. Vor allem „TV Digital“, „TV Spielfilm“ und „TV Movie“ verloren dabei, „TV 14“ und „TV Direkt“ konnten hingegen zulegen. „TV 14“ bleibt damit auch Deutschlands bestverkaufte Zeitschrift. Einziges Nicht-Programmie auf den ersten acht Plätzen ist die „Bild am Sonntag“, ergänzt wird die Top Ten durch „Spiegel“ und „Bild der Frau“, der „Focus“ ist hingegen nun sogar aus der Top 20 herausgefallen:

Abschließend noch der Blick auf die überregionalen Zeitungen. Hier hat die „Bild“ mit einem Minus von 1,3% auf nun rund 3,3 Mio. verkaufte Exemplare deutlich weniger verloren als in den vorigen Quartalen. Die Minus- und Plus-Zahlen der restlichen Blätter sind noch weniger aussagekräftiger als bei den Publikumszeitschriften, da hier wesentlich spontaner mit Bordexemplaren und sonstigen verkäufen ausgeglichen wird. Ob die Gewinne der „F.A.Z.“ und der „FTD“ also echte Gewinne sind und ob das „Handelsblatt“ tatsächlich so heftig verloren hat, zeigt sich in der kommenden Woche in unserer ausführlichen Analyse der Tageszeitungsverkäufe – dann auch wieder mit den beliebten Regionalzeitungs-Rankings.

Bei den Wochen- und Sonntagszeitungen freuen sich vor allem die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und „Die Zeit“. Die „F.A.S.“ gewann 11.053 weitere Verkäufe hinzu und erreichte eine neue Rekordauflage von 347.566, „Die Zeit“ kommt mit einem Plus von 4,2% (+19.612) auf nun 491.280 wöchentlich abgesetzte Zeitungen.

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