Die fünf Forderungen des Star-Autoren

Der Star-Drehbuchschreiber Fred Breinersdorfer (u.a. "Sophie Scholl") hat in der "Süddeutschen Zeitung" einen Forderungskatalog aufgestellt, was sich alles ändern müsste, damit sich ein Skandal wie der Fall Doris Heinze nicht wiederholen kann. Die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin hatte jahrelang Drehbücher von sich und ihrem Ehemann in den Sender eingeschleust. Breinersdorfer deutet in dem Interview außerdem an, dass es auch jetzt noch "weitere Minenfelder" in der Fernsehbranche geben könnte, "auch beim ZDF".

Anzeige

Erste und wichtigste Forderung Breinersdorfers: Er verlangt eine unabhängige Clearingstelle, der man ein von einem Sender abgelehntes Drehbuch nochmals zur Prüfung vorlegen könnte. Eine Art zweite Instanz der Drehbuchprüfung. Damit es nicht zu einer Flut ein zweiten Prüfungen kommt, schlägt er vor, das Recht auf Anrufung der Clearing-Stelle pro Autor auf einen Fall pro Jahr zu begrenzen.

Zweitens fordert Breinersdorfer einen Kodex für „fairen Umgang miteinander“.

Drittens: Redakteure bei Sendern sollten sich entscheiden müssen, ob sie Drehbücher schreiben oder als Redakteur arbeiten wollen.Breinersdorfer fordert also ein Verbot für fest angestellte Redakteure bei TV-Sendern, selbst Drehbücher zu schreiben und einzureichen.

Viertens: eine Offenlegung der Entscheidungshilfen der Redaktion bei der Auswahl der Stoffe. Als Beispiel nennt Breinersdorfer das Lektorat.

Fünftens: ein jährliches Symposium jeder Redaktion, bei dem Autoren, neue Bewerber und Filmstudenten über den Spielplan und neue Projekte diskutieren.

Im Prinzip laufen die Forderungen Breinersdorfers auf zwei wesentliche Punkte hinaus: Transparenz und Macht-Kontrolle. Seine Hauptkritik an den noch immer gängigen Verfahren der Drehbuchauswahl ist die Machtkonzentration in den Händen einiger weniger Fernsehspielchefs in den Sendern. „Man kann sie mit Theaterintendanten vergleichen“, sagt er in der „SZ „, Sie bestimmen den Spielplan. Damit ist unglaublicher Einfluss und große Verantwortung verbunden.“ Zweitens geht es um die Transparenz des Auswahlverfahrens. Derzeit weiß niemand genau, nach welchen Kriterien Bücher von bestimmten Autoren angenommen oder abgelehnt werden.

Breinersdorf beschreibt in dem „SZ“-Interview ein System von Belohnung und Bestrafung bei der Drehbuchauswahl. Ist ein Autor in Ungnade gefallen, werden seine Stoffe eine zeitlang abgelehnt. Zeigt sich der Autor wieder willig, bekommt er als Belohnung neue Projekte. Fred Breinersdorfer ist einer der profiliertesten Autoren des deutschen Film- und Fernsehgeschäfts. Er hat u.a. Drehbücher für den „Tatort“ und für den Film „Sophie Scholl“ geschrieben. Außerdem ist er ehemaliger Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schriftsteller und Mitglied des P.E.N. Zentrums Deutschland.

Update:

NDR-Intendant Lutz Marmor hat sich auf Anfrage von MEEDIA zu den Vorschlägen von Fred Breinersdorfer geäußert. Hier seine Stellungnahme: „Ich kann nachvollziehen, dass viele Drehbuchschreiber und Produzenten verunsichert sind. Wir werden im NDR deshalb – wie angekündigt – Workshops mit Kreativen aus der Film- und Fernsehbranche veranstalten und diskutieren, wie wir die Zusammenarbeit verbessern können. Ich freue mich, dass Herr Breinersdorfer daran teilnehmen wird. Einige seiner Vorschläge stimmen mit Ideen überein, die wir im NDR prüfen. Andere halte ich spontan für nicht umsetzbar. Die Argumente für seine Überlegungen würden wir aber gerne während des Workshops im Detail mit ihm besprechen, bevor wir uns abschließend festlegen.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige